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Neustart bei Rechten und Reglements
Wie Sky weniger Champions League besser inszenieren will

Nur noch 34 von 138 Champions-League-Spielen live und in voller Länge zeigt Sky ab Herbst. Doch das knappe Gut soll wertiger wirken. Der Plan:

Text: W&V Redaktion

22. Mai 2018

Wertiger inszenieren will Sky ab Herbst die Champions League.
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Den Slogan "Alle Spiele, alle Tore" wird Sky reaktivieren: Was für die Fußball-Bundesliga seit der abgelaufenen Saison mit ihren neuen Rechte-Verteilungen nicht mehr gilt, will der Münchner Pay-TV-Anbieter ab Herbst mit der neuen Champions-League-Saison wieder wahr machen.

Dann fällt das ZDF als Partner der Uefa und damit auch das Free-TV weg. Sky-Chef Carsten Schmidt kündigt am Dienstag in München an: "Es wird sich in der Königsklasse viel für Sky-Kunden ändern", und fügt hinzu: "Wir bekommen die Möglichkeit, unser Kerngeschäft zum Wachsen zu bringen."

Was meint der Sky-Chef?

Die Münchner wollen die Sublizenz an den kommenden drei Spielzeiten der Uefa Champions League, die vor einem Jahr vom Sportstreamingdienst Dazn aus der Perform Group erworben wurde, geschickt einsetzen. Wenn die Spiele der Champions League nach dem Auslaufen der Rechte beim ZDF ab Herbst nach einem komplizierten Schlüssel aufgeteilt werden, gilt für Sky das Motto: weniger ist mehr.

Nur noch 34 von 138 Champions-League-Spielen wird Sky live und in voller Länge ab Herbst zeigen. Werden Begegnungen nicht live übertragen, sorgt das Sky-Team zum Ausgleich dafür, dass die Fans über 6er- oder 2er-Konferenzen – je nach Spielphase – 30 oder gar 50 Minuten pro Partie mitfiebern können.

CEO Schmidt will die deutlich reduzierte Anzahl an ausgestrahlten Spiele vor allem mit dem geringen Interesse an Partien ohne deutsche Beteiligung relativieren. Nur 33 Einzelspiele fanden nach seinen Angaben in der am Samstag endenden Saison mehr als 100.000 Zuschauer. Dass im Schnitt dann doch 1,88 Millionen Zuschauer in der Spielzeit 2017/18 zusammenkamen (plus 24 Prozent gegenüber der Vorsaison), zeigt, wie gut die Partien mit deutscher Beteiligung gesehen wurden. Diese Highlights pickt sich Sky mit Start der neuen Saison nun im Prinzip heraus. 

Was sich ändert:

  • Sky darf sich in der Gruppenphase an neun von zwölf Übertragungstagen ein Einzelspiel der Champions League aussuchen; drei Mal geht das Erstwahlrecht an Dazn.
  • Die Hälfte der Achtel- und Viertelfinalspiele sind live und exklusiv bei Sky zu sehen. Halbfinale und Finale werden sowohl bei Dazn als auch bei Sky ausgestrahlt. Aber – wie erwähnt - alle Spiele zeigt Sky in der Konferenz.
  • Dienstag und Mittwoch bleiben Champions-League-Tage, "mittwochs wird Sky zum ZDF", betont Sportrechte-Chef Hans Gabbe. Will heißen: Wie zuvor der öffentlich-rechtliche Free-TV-Kanal als CL-Partner kann nun der Abo-TV-Anbieter die 1. Wahl treffen und sich für die Partie des Abends entscheiden. Alles in allem wird Sky pro Saison 34 Einzelspiele und 40 Konferenzen zeigen.
  • Auch die neuen Reglements der Uefa spielen Sky in die Karten: Die Anstoßzeiten in der Gruppenphase ändern sich. Statt um 20.45 Uhr für alle Champions-League-Spiele wird nun um 18.55 Uhr (mit jeweils zwei Spielen pro Übertragungstag) und um 21.00 Uhr (mit jeweils sechs Spielen pro Übertragungstag) angepfiffen. Jede deutsche Mannschaft tritt ergo mindestens ein Mal am Vorabend an. Vier deutsche Vereine sind immer direkt für die Gruppenphase qualifiziert, 16 der 32 Teilnehmer kommen fortan aus den vier europäischen Top-Ligen.
  • Frei empfangbar wird aufgrund der neuen TV-Verträge in den folgenden drei Spielzeiten nur noch das Endspiel der Champions League sein - wenn eine deutsche Mannschaft mitspielt. Das Finale wird voraussichtlich dann beim Free-TV-Kanal Sky Sport News HD laufen.

"Nie war die Uefa Champions League für Sky so wertvoll wie heute", heißt es von Carsten Schmidts Team. Die Uefa hat die Zahl der Spiele insgesamt um acht reduziert und die einzelnen Partien damit wertiger gemacht. Und natürlich die Senderechte erstmals exklusiv ans Pay-TV vergeben.

Durch die neue Rechteverteilung bleibe der Wettbewerb für Sky darüber hinaus über die komplette Saison relevant, heißt es bei den Münchnern, die alle Verbreitungswege bespielen: Satellit, Kabel, IPTV, Web und Mobile.

Mit der Vermarktung des Werbeumfelds Champions League loslegen wird Executive Vice President Sports & Advertising Jacques Raynaud ab Juli. Der Sky-Manager wird dann erstmals auch Free-TV im Sales-Portfolio haben: Sky Sport News HD wird bei der Königsklasse über die Live-Übertragungen im Pay-TV hinaus am Ball bleiben.

Doch machen wir uns nichts vor: Fans, die gar nichts verpassen wollen, müssen doppelt zahlen und das Streaming-Portal Dazn dazu abonnieren. Der ebenfalls kostenpflichtige Internet-Anbieter zeigt dreimal so viele Spiele live wie Sky und damit die übrigen der insgesamt 138 Spiele des höchsten europäischen Fußballwettbewerbs. Dem der langjährige Partner Adidas übrigens für weitere drei Jahre bis 2021 erhalten bleibt. 

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