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Kolumne
Wird Googles News Showcase das Spotify für Journalismus?

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Anbieterübergreifende Plattformen und die Folgen

Text: W&V Redaktion

6. Oktober 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Als wir uns hier zuletzt mit der Frage beschäftigten, wie die 220 Millionen Euro Förderung der Bundesregierung sinnvoll in die digitale Transformation der Verlagsbranche investiert werden können, hatten sicher alle Leser*innen gehofft, dass wir zwei Monate später schon mehr wissen.

Leider ist das nicht der Fall, aber es gibt einige weitere Ideen und Interpretationen zu der Frage. Auf Seiten der Politik, die ja am Ende über die Vergabe des Geldes entscheiden wird, wurde erneut die Idee eines “Spotify für Journalismus” diskutiert. Nun ist Spotify sicher eines der erfolgreichsten und bekanntesten europäischen Startups, das es zum vielfachen “Unicorn” geschafft hat. Allerdings war Spotify lange dafür bekannt, dass die Künstler*innen nur sehr gering von den Umsätzen partizipieren. Gleichzeitig ist Spotify bis heute nicht profitabel - vielleicht nicht das beste Modell für 220 Millionen Euro Steuergeld?

Eine aktuelle Studie im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW will die Vergabe wissenschaftlich unterstützen. Hier wird das Spotify-Beispiel bereits etwas besser differenziert als “anbieterübergreifende Plattform”. Im Was-mit-Medien Podcast erläutern die Autoren ihre Überlegungen weiter und distanzieren sich vom Spotify-Vergleich. Uns gefällt an der Studie, dass Startups und Accelerator-Programme explizit als relevante Player für die Umsetzung der digitalen Transformation und Innovation genannt werden. Hier zu investieren, würden wir unterstützen.

Auf der anderen Seite planen die klassischen Medienverbände, was sie gerne mit dem Geld unternehmen würden. Die bisherige Idee, 220 Mio. Euro nach Auflage an die Verlage auszuschütten, sorgt allerdings bereits schon innerhalb der Branche für Widerspruch. Ob auch die Verbände die Ergebnisse der Studie aus NRW nutzen, ist bisher nicht bekannt.

Mitten in diese Diskussion platzte in dieser Woche die Launch-Ankündigung von Google News Showcase in Deutschland. Bei diesem Angebot zahlt Google für die Nutzung von Verlagsinhalten, die dann in einem Story-Format bei Google News eingeblendet werden. Vom Start weg sind 20 deutsche Verlage als Partner dabei. Ein beeindruckendes Projekt - oder? Der BDZV sieht die Initiative kritisch, auch wenn der Großteil der teilnehmenden Verlage gleichzeitig BDZV Mitglieder sind. Und war die Idee hinter dem Leistungsschutzrecht nicht einmal, dass Google für Inhalte zahlen soll?

Google hat angekündigt, weltweit 1 Milliarde Dollar (885 Mio. Euro) in das Projekt zu investieren. Das bedeutet, die 220 Millionen Verlagsförderung, die aktuell auf dem Tisch liegen, entsprechen ca. einem Viertel des Google-Budgets. Wir wissen nicht, in wie vielen Ländern Google News Showcase ausgerollt werden wird, gehen aber davon aus, dass nicht 25 Prozent des Budgets auf Deutschland entfallen.

Warum nehmen wir dann nicht das Google Projekt als ein gutes Beispiel, als einen ersten Schritt, wie eine anbieterübergreifende Plattform aussehen kann, über die Verlage mehr verdienen können als Künstler*innen auf Spotify? Wie schafft es Google, 20 Verlage an einen Tisch zu bekommen und neue Formate zu entwickeln? Hiervon können wir lernen, in diese Richtung muss unsere Branche weiterdenken und nicht klassische Verteilungsdiskussionen führen, um dann am Ende über interne Quersubventionierung doch die Zustellung der gedruckten Zeitung zu stützen.

Und wem das alles zu schnell geht und lieber noch auf weitere Gespräche zwischen Politik und Lobbyverbänden setzt: Facebook News steht bereits in den Startlöchern und bietet teilnehmenden Medienhäusern Vergütung für ihre Inhalte. Spätestens dann wird es schwierig bis unwahrscheinlich, Leser*innen aus der digitalen Welt wieder auf verlagseigene Angebote umzulenken, egal ob online oder auf Papier gedruckt.

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