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Medien in Europa
Wolfgang Blau glaubt nicht an europäisches YouTube

Der Condé Nast-Manager Blau fordert statt dessen von der EU eine Milliarden-Investition in Maschinelle Übersetzung - auch, um die kulturelle Souveränität Europas nicht zu verlieren.

Text: W&V Redaktion

8. Oktober 2018

Wolfgang Blau fordert die EU zum Handeln auf.
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Wolfgang Blau,  President von Condé Nast International, glaubt nicht an den Vorschlag des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm, zur Bewahrung des kulturellen Erbes eine gemeinsame Plattform von Sendern und Verlagen auf europäischer Ebene aufzubauen. "Das von Herrn Wilhelm skizzierte europäische YouTube oder Netflix entspringt eher dem Leidensdruck der Inhalte-Anbieter als dem der Konsumenten", so Blau in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Er teile zwar Willhelms Sorge um Europas kulturelle Souveränität, glaube aber, dass es nicht genügen würde, ein europaweites Inhalte-Angebot zu schaffen "und dann noch leistungsfähige Suchfunktionen, Empfehlungs-Algorithmen und andere Nutzerfunktionen zu entwickeln, die uns von den gängigen Social-Media-Plattformen vertraut sind."

Aufholjagd mit ungewissem Ausgang

Denn das wäre zugleich "eine extrem kostspielige Aufholjagd mit äußerst ungewissem Ausgang", so Blau, der als einer der Hauptredner bei der aktuellen Medienkonferenz "Challenging (the) Content" in Wien teilnimmt. Er hielte es statt dessen für sinnvoller, in Europa für das Internet eine noch fehlende Übersetzungsschnittstelle anbieten.

Hintergrund: Es gibt in der Europäischen Union 24 offizielle Sprachen. Keine davon erreiche mehr als 20 Prozent der EU-Bevölkerung. Und auch mit Englisch erreiche man nur etwa die Hälfte der EU-Bevölkerung. Was Europa deshalb noch dringender brauche als zusätzliche Suchmaschinen, Social-Media-Plattformen oder Inhalte-Plattformen, sei "eine große Investition in maschinelle Übersetzung."

Eine Milliarde Euro für das Projekt

Die EU, so Wolfgang Blaus Forderung, solle die Entwicklung maschineller Übersetzung zu einem ihrer "FET-Flagship-Projekte" machen, die in der Regel über zehn Jahre hinweg mit einer Milliarde Euro gefördert werden. Auch wenn in zehn bis 20 Jahren wohl fast alle Europäer Englisch beherrschen werden, sei es wichtig, die Sprachenvielfalt zu beschützen.

Denn: Es gebe bereits den Begriff der "digitalen Ausrottung" von "kleinen" Sprachen in Europa, weil es sich für viele Softwarehersteller und Inhalte-Anbieter nicht lohne, Sprachversionen für diese kleineren Länder oder Sprachräume anzubieten. Eine maschinelle Übersetzung, so Blau, könne dem Fortbestand dieser Sprachen helfen, müsse aber auch weit über reine Text-Übersetzungen hinausgehen.

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