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Präsentation der neuesten Werbemarkt-Zahlen
ZAW beklagt mangelnde politische Unterstützung

Der Werbe-Dachverband ZAW fordert von der Politik mehr Unterstützung im Kampf gegen Werbeverbote und Regulierung. Von der bisherigen Politik der Bundesregierung zeigt sich Präsident Andreas Schubert eher enttäuscht.

Text: W&V Redaktion

22. Mai 2019

ZAW-Präsident Andreas Schubert.
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Ihre Veranstaltung hatten sich die Verantwortlichen des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) anders vorgestellt. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte sich zum alljährlichen Empfang des Werbe-Dachverbands anlässlich der Veröffentlichung der neuesten Werbemarkt-Zahlen angesagt. Die neue Parteichefin sagte aber "wegen kurzfristiger Terminverschiebungen" ab, wie ZAW-Präsident Andreas Schubert bei der Begrüßung verkünden musste.

Und so kam es, dass Schubert seine vorbereiteten Forderungen an das politische Berlin in Abwesenheit der Haupt-Adressatin vortragen musste. "Aber wir sind in Termingesprächen", sagte Schubert. "Irgendwann wird sie uns hören müssen".

Was Kramp-Karrenbauer versäumte, war ein ZAW-Präsident, der aus seinen enttäuschten Erwartungen an die Bundesregierung keinen Hehl machte. Die habe "wichtige Vereinbarungen im Koalitionsvertrag nicht eingehalten", bemängelte Schubert und stellt fest: Die "Diskrepanz zwischen Lippenbekenntnissen und tatsächlichem Handeln in Berlin und Brüssel ist groß". Besonders unzufrieden ist Schubert mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Der sei "für die ganz großen Fragen da – für den Mittelstand aber tut er nichts".

"Umfassende Bußgeld-Bürokratie"

Kritisch sieht der ZAW etwa die Umsetzung der neuen  EU-Verbraucherschutzrichtlinie ("New Deal for Consumers"). Schubert warnte davor, "eine umfassende Bußgeld-Bürokratie zu errichten". "Bei der Umsetzung verbraucherrechtlicher Vorgaben aus Brüssel muss ein Überbietungswettbewerb verhindert werden", forderte Schubert.  Es bestehe "kein Grund, den Wunschzettel aktivistischer NGOs zu erfüllen".

Schubert erneuerte die Kritik an der geplanten E-Privacy-Verordnung. Das "faktische Cookie-Verbot" würde letztlich große Login-Plattformen aus Übersee, Google und Facebook, stärken. "Das wäre weder wettbewerbs- noch digitalpolitisch akzeptabel". Schubert plädierte dafür, stattdessen die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung zu reformieren. Das EU-Gesetz muss 2020 ohnehin überprüft werden.

Besonders kritisch sieht Schubert naturgemäß die Überlegungen der Regierungspartei SPD, an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel einzuschränken. Das würde auch nichts bringen. "Werbeverbote haben keinen gesundheitsfördernden Effekt".

Wirtschaft im Abschwung

Die aktuelle Entwicklung der Werbekonjunktur sieht der Dachverband verhalten. Es sei ein "ernster Realismus" eingekehrt, sagte Schubert. Nur zwölf Prozent der ZAW-Mitglieder stuften die derzeitige Lage in einer Umfrage als gut ein.

Schützenhilfe bekam Schubert vom Freiburger Wirtschaftsprofessor Lars P. Feld. Der Volkswirt, der auch Mitglied der so genannten Wirtschaftsweisen ist, sieht die deutsche Wirtschaft "im Abschwung", allerdings liege "auch keine Rezession" vor.

Man könne die derzeitige Lage auch als Normalisierung sehen, so Feld. Schließlich "befanden wir uns in den letzten Jahren im Boom".

Entscheidend sei, wie sich einige Risikofaktoren entwickelten. Feld nannte den Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Gefahr eines unkontrollierten Brexits und ein "Wiederaufflammen der Eurokrise". Gefahrenpotenzial sieht der Volkswirt dafür vor allem in Italien.

Der Brexit könne ganz unmittelbare Folgen für die deutsche Wirtschaft haben, warnte Feld. "Es ist wirtschaftspolitisch eine wesentliche Frage, dass Großbritannien in der EU bleibt". Je enger sich die Briten weiterhin an den Binnenmarkt bänden, desto besser auch für Deuschland.

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