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Hörtipp der Woche
NDR-Podcast: Atemlosigkeit auf allen Ebenen

Der NDR-Podcast "180 Grad: Geschichten gegen den Hass" des Zeit-Redakteurs Bastian Berbner ist informativ und spannend zugleich und bringt einem die Problematik des gesellschaftlichen Hasses näher.

Text: W&V Redaktion

13. Januar 2021

Was kann man gegen die Spaltung und Radikalisierung der Gesellschaft tun? fragt der Podcast "180 Grad - Geschichten gegen den Hass"
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Für mich sind Podcasts das perfekte Medium, um mir Wissen, Informationen oder auch Unterhaltung in Momenten zuzuführen, in denen ich offen für Hörerlebnisse bin. Das bin ich in der Regel beim Joggen, beim Fahrrad- und Autofahren, beim Kochen und beim Putzen.

Konkret heißt das: Wenn ich Podcasts höre, dann bin ich nebenbei auch noch mit anderen Dingen beschäftigt. Nicht intellektuell, dann würde es mir nicht gelingen, richtig zuzuhören. Aber Podcasts sind immer die akustische Untermalung für eine Aktivität. Weil die Aktivität sonst ein bisschen langweiliger oder stupider wäre. Aber wahrscheinlich auch, weil ich mich in meinem durchgetakteten und vollen Leben darüber freue, wenn ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Sport machen und mich zeitgleich weiterbilden. Wege zurücklegen und nebenbei Informationen einholen. Hausarbeit erledigen und am Ende ein bisschen klüger sein.

Und dann stieß ich das erste Mal auf den NDR-Info-Podcast "180 Grad - Geschichten gegen den Hass". Und war so gefesselt, dass ich einfach innehielt in meinem Tun. Stehenblieb. Zuhörte. Jede der einstündigen Folgen ist so ergreifend, so spannend und so herausragend produziert, dass ich einfach nur hören will. Damit mir wirklich nichts entgeht.

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Mit einem sicheren Gespür für die richtigen Fragen

In dem sieben Folgen langen Podcast versucht der Zeit-Redakteur Bastian Berbner herauszufinden, was wir tun können, damit Hass die Gesellschaft nicht zerreißt. Das macht er klug und mit einem gnadenlos sicheren journalistischen Gespür für die richtigen Fragen. Anhand von einzelnen Geschichten legt er dar, dass Vorurteile, Hass und Argwohn schwächer werden oder sich ganz auflösen, wenn sich Menschen begegnen und miteinander in Kontakt treten. Hintergrund seiner Recherche ist die wissenschaftliche Feststellung von Sozialpsychologen, dass sich etwas verändert, wenn Menschen sich begegnen.

Die wissenschaftliche Einordnung macht die Einzelfälle, die Berbner hervorgekramt hat, so besonders. Und statt ermüdender Abhandlungen hat der Journalist einen äußerst klugen und unterhaltsamen Dreh gefunden, um das theoretische Gerüst zu diskutieren. Ohne sie konkret zu briefen, hat er sich die Journalistin Alexandra Rojkov an die Seite geholt. Sie übernimmt die Rolle der Fragen- und Infragestellerin, zweifelt und diskutiert und gibt so dem gesamten Podcast eine weitere und noch tiefere Ebene. Auch deshalb, weil Berbner und Rojkov vertraut und freundschaftlich miteinander reden können - auch wenn sie ununterbrochen seine Rechercheergebnisse und selbst wissenschaftliche Ergebnisse hinterfragt. Durch den lockeren und entspannten Ton wird der Podcast nie belehrend oder lehrerhaft sondern behält trotz der Schwere des Themas eine Leichtigkeit, die einem zum stetigen Weiterhören animiert.

"180 Grad - Geschichten gegen den Hass" ist Unterhaltung auf höchstem Niveau und zugleich ein gewagtes Experiment, in einem Podcast nicht nur Fragen aufzuwerfen, sondern Antworten zu finden auf eine der größten Themen der aktuellen Zeit. Bei diesem Prozess dabei zu sein, ist spannend auf allen Ebenen. Der Podcast ist aufwändig und mit viel Liebe zum Detail produziert. Und das ist zu hören. Wer lernen will ohne belehrt zu werden, der ist hier genau richtig. Besser kann Podcast nicht sein.


Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.

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