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Cannes Lions
Großer Tag für DDB, maue Beute für Deutschland

Mit "Uncensored Library" für Reporter ohne Grenzen präsentiert sich DDB als große Siegerin in Cannes. Die Agentur gewinnt die meisten Löwen von allen. Insgesamt fällt das Ergebnis für die Deutschen schlechter aus als gestern.

Text: W&V Redaktion

22. Juni 2021

The Bread Examen gewinnt einen Grand Prix in PR.
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Vergleichweise bescheiden fällt heute die Bilanz der deutschen Agenturen aus, vergleicht man das Ergebnis mit gestern. Statt 17 gibt es heute nur 12 Löwen für Deutschland, noch dazu in einst so starken Kategorien wie "Direct". Aber die schwache Bilanz von 2019 mit insgesamt 32 Löwen dürfte dieses Mal mit zwei Jahrgängen, die bewertet werden, zu schaffen sein.

Die Gewinnerin des Tages ist DDB. Die Agentur hat - wie erwartet - großen Erfolg mit "Uncensored Library" für Reporter ohne Grenzen. Insgesamt liegt sie allein dank dieser Arbeit mit 28 Punkten gleichauf mit Scholz & Friends, die am Montag und heute nochmal mit dem "Tampon-Book" für The Female Company punkten konnten. Die Top-Positionen im W&V-Medaillenspiegel belegen nach DDB und Scholz & Friends (Platz 1) Serviceplan und BBDO (Platz 2) sowie InnOcean (Platz 3).

Damit führen das Kundenranking eine NGO, ein Shop für Frauen und eine Umweltorganisation an: Reporter ohne Grenzen, The Female Company und der WWF. Auch sonst findet sich bis heute außer Mini kein einziger großer Markenartikler auf der Liste. Ein Trend übrigens, der sich auch international abzeichnet, wie die Grands Prix in den einzelnen Kategorien zeigen. Werbung soll weiterhin die Welt verbessern, nichts Neues, aber in Pandemiezeiten vielleicht vielen Juror:innen ein Anliegen. Jetzt zu den Einzelkategorien:

In der Disziplin PR

gibt es einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze für deutsche Agenturen. Die Trophäen teilen sich DDB für "Uncensored Library" (Gold, Silber) und BBDO (Silber, Bronze) für "Eurythenes Plasticus".

Ein Grand Prix für PR - dieses Jahr sind in jeder Kategorie zwei erlaubt - ging an FCB Chicago/New York für die Kampagne "Contract for Change" der Biermarke Michelob (AB Inbev). Die Brauerei half Landwirt:innen in den USA dabei, ihren Betrieb auf ökologischen Landbau auszurichten. Bauern, die auf Bio umstellen wollten, garantierte die Brauerei, ihre Gerste auf jeden Fall abzunehmen, um die finanziellen Risiken der Umstellung abzufedern.

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McCann aus Paris bekam für Spinney's Flour ("The Bread Exam") den zweiten Grand Prix. Anlässlich des Weltkrebstages hatten sich Influencer aus drei Ländern, darunter Deutschland, zusammengetan, um vor allem muslimischen Frauen mittels Brotknetens zu zeigen, wie sie ihre Brüste selbst auf potenzielle Auffälligkeiten untersuchen können, ohne dass das Ganze zu intim wird. Hier der Case:

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In der Kategorie Social & Influencer

gehen die Grands Prix in diesem Jahr an zwei vermeintliche Underdogs: R&GA, San Francisco, überzeugte mit Reddits "Superb Owl", David in Madrid und Miama mit der "Stevenage Challenge" auf Burger King. Die Social-Media-Plattform Reddit kaufte sich beim Super Bowl einen Fünfsekünder, der Wellen schlug.

Und die "Stevenage Challenge" hatte Cannes-Jurorin Francisca Maass von Grey im Cannes-Blog von W&V gestern noch gelobt als "einfach, doch genial. Und impactstark".

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Die Deutschen gewinnen einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Löwen gehen an DDBs "The Uncensored Library" für Reporter ohne Grenzen (Gold, Silber, zweimal Bronze) sowie Greys "Abolish Paragraph 219a" für Terre des Femmes (Bronze). Wer das noch nicht kennt, kann sich hier den Film dazu anschauen:

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Jetzt zu Media

In dieser Disziplin hat die Jury zwei Grands Prix vergeben. FCB in Chicago gewinnt für "Boards of Change". Die Agentur hat die Stadt Chicago dabei begleitet, möglichst viele schwarze Wähler:innen für die anstehenden US-Wahlen 2020 zu mobilisieren. Und das gelang auf smarte Weise:

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Aus Pakistan - der erste Grand Prix überhaupt in der Geschichte des Landes - kommt eine Arbeit von Ogilvy mit dem Titel "Naming the Invisible by Digital Birth Registration". Das Problem: 60 Millionen Pakistaner:innen sind in dem Land gar nicht registriert und für den Staat unsichtbar, das heißt: Sie haben kein Recht auf eine legale Identität. Telenor Pakistan programmierte kurzerhand eine Android-App, um die überkommene Papierbürokratie zu überwinden. Heute sind über 1,2 Mio. Kinder in 426 Dörfern in Pakistan registriert.

Für Deutschland war dagegen kein Media-Löwe drin.

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Bei Direct

gewinnt der "Stevenage Challenge" einen zweiten Grand Prix und Deutschland Silber mit DDBs "Uncensored Library". Den Grand Prix im Bereich

Creative Strategy

2019 neu eingeführt, bekommt die Agentur Goodby, Silverstein & Partners aus San Francisco, für "Can't touch this". Die Kampagne bewirbt Cheetos Popcorn und ist damit eines der seltenen Beispiele für reine Produktwerbung. Sie ist smart und witzig:

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Bronze gewinnt Scholz & Friends für das  "Tampon Book". In der Kategorie

Creative Data

geht der Grand Prix nach Irland an Rothco, Dublin, für die "Saylists", die in Zusammenarbeit mit Warner Music entstanden sind. Rothco arbeiten viel und gut mit Daten, sie haben JFK einst seine Stimme zurückgegeben ("JFK Unsilenced"), und jetzt Kindern mit einer Sprachstörung eine neue Welt über so genannte "Saylists" erschlossen. In Zusammenarbeit mit Warner & Apple Music haben sie die Liedtexte von über 70 Millionen Songs analysiert und diejenigen isoliert, in denen Problemlaute in bestimmten Mustern auftreten, die für die Sprachtherapie hilfreich sein können. So macht Logopädie Spaß.

Und last but not least gibt es auch hier nochmal Gold für eine deutsche Agentur und zwar für Jung von Matt. Weil die Agentur dieses Jahr in der Award-Pause ist und vergangenes Jahr wegen Corona nichts eingereicht hat, hat die Filmproduktion Markenfilm Crossing die Kampagne anstelle von Jung von Matt eingeschickt. Wir erinnern uns: Jung von Matt hat die "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi für das NDR Elbphilharmonie Orchester ganz neu interpretiert und zwar nach Klimadaten. Hier der Case: "For Seasons - Composed by Climate Data"

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Hier der aktuelle Medaillenspiegel:

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Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt, in Beratung, Strategie und Kreation. Besonders innovative Agenturmodelle haben es ihm angetan. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine. Vielleicht ist er deshalb auch Diversity-Beauftragter der SWMH geworden, der die W&V angehört.

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