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Gastbeitrag
“Do-It-Yourself” bei der Touchpoint-Optimierung?

Marylin Montoya von AB Tasty erklärt, ob "Codeless Testing", also automatisierte Tests ohne Programmieren, Marketing-Teams aus der Abhängigkeit von den Programmierern befreien können. 

Text: W&V Redaktion

26. Oktober 2021

Code oder Codeless?
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Folgende Situation dürfte vielen Marketing-Teams aus den unterschiedlichsten Branchen bekannt vorkommen: Der Vorschlag steht im Raum, den Call-to-Action auf einer wichtigen Landingpage zu verändern, um dort eine bessere Conversion-Rate zu erreichen. Also muss ein A/B-Test her, um herauszufinden, welche Version die bessere Performance erreicht. Klarer Fall für die Webseiten-Entwickler:innen, denn sie müssen den A/B-Test aufsetzen und im "Maschinenraum" die entsprechenden Anpassungen vornehmen.

An dieser Stelle beginnt für die meisten Marketing-Teams ein mitunter recht langer Warteprozess – denn die Programmier:innen haben viel zu tun und häufig müssen andere Dinge priorisiert werden. Die Folge: Das Ausprobieren solcher kleinen Veränderungen wird zum Geduldspiel und viel wertvolle Zeit geht verloren. Aus Business-Perspektive ist das äußerst bedenklich, denn jede/r Marketingverantwortliche weiß: Das menschliche Gehirn braucht nur Millisekunden um eine Entscheidung zu treffen – Scheinbare Kleinigkeiten in Design, Gestaltung und Anordnung machen da den Unterschied zwischen Klick und Absprung. Content, Design und User Experience müssen dafür ideal ineinander greifen. Und um dieses möglichst perfekte Zusammenspiel zu erreichen, muss man zwangsläufig viel und regelmäßig experimentieren – allein schon, weil sich das Nutzerverhalten immer wieder ändert und dementsprechend Änderungen nötig werden.

Codeless Testing für schnelle Optimierung

Die potenzielle Lösung? Codeless Testing ermöglicht es Marketing-Expert:innen, grundsätzlich ohne Programmierkenntnisse und damit unabhängig von Entwickler:innen eigene A/B-Tests durchzuführen. Dadurch spart nicht nur das Marketing-Team Zeit und Ressourcen, auch die Entwickler:innen können sich so komplexeren Aufgaben widmen. Dabei unterscheidet man zwischen Low-Code-Lösungen, die zumindest geringe Programmierkenntnisse voraussetzen, und No-Code-Lösungen, bei denen keinerlei Code manuell verändert werden muss. Zusätzlich gibt es Kombi-Tools, die sowohl No-Code als auch Low-Code ermöglichen. Doch welche Art von Lösung eignet sich für welche Anforderung? Und wo liegen die Grenzen dessen, was ein Marketing-Team selbst mit geeigneten Tools ohne die “Techies” bewerkstelligen kann?

No-Code-Tools sind äußerst benutzerfreundlich konzipiert. Häufig lassen sie sich per Drag- und Drop anwenden und ermöglichen das Aufsetzen von Tests in wenigen Minuten. Das ist besonders für Marketing-Spezialist:innen hilfreich, stößt aber bei größeren Benutzeroberflächen und komplexeren Tests schnell an seine Grenzen. Low-Code-Lösungen erfordern etwas mehr Programmierkenntnisse, dafür können Tests noch besser personalisiert und an den exakten Bedarf angepasst werden. Solche Low-Code-Tools können beispielsweise Java oder CSS verarbeiten.

WYSIWYG-Editor und Widgets sparen Zeit

No-Code-Tools und kombinierte Lösungen werden häufig über einen WYSIWYG-Editor (What You See Is What You Get) oder mithilfe von Widgets gesteuert. Beide  sind äußerst intuitiv und hilfreich für alle, die nur rudimentäre Kenntnisse über Software besitzen. WYSIWYG-Editoren zeigen Tests und Anpassungen in Echtzeit. Sie sind besonders für strukturelle Änderungen in Aufbau und Gestaltung einzelner Blöcke geeignet. Die Position eines Bildes oder die Farbe eines Call-To-Action-Buttons sind so in wenigen Sekunden geändert und können schnellstmöglich getestet werden. Widgets stehen meist als Bibliothek zur Verfügung und sind ebenfalls mit ein paar Klicks implementiert. Eine klassische Widget-Bibliothek enthält verschiedenste Blöcke wie Banner, Pop-Ups und Countdowns, die speziell zum Steigern der Engagement-Rate verwendet werden. So kann man z.B. Kund:innen vor dem Absprung durch ein Pop-up auf die verpasste Rabatt-Möglichkeit hinweisen oder durch einen Countdown auf spezielle Sonderangebote aufmerksam machen.

So gelingt die Zusammenarbeit

Auch wenn Codeless Testing mithilfe geeigneter Tools Marketing-Teams ein erheblich größeres Maß an Autonomie bringen kann, muss man ganz klar sagen: Bei der Einführung ist ein enger Kontakt zwischen Marketing und Entwicklung sinnvoll, da ein solides Grundverständnis für die Funktionsweise von Testing-Software notwendig ist, um die Tests korrekt durchzuführen. Für einen reibungslosen Ablauf müssen Zuständigkeiten und Prozesse vorher klar festgelegt werden – besonders da typischerweise die Entwickler-Teams fortwährend eigene A/B-Tests durchführen, um z.B. neue Features von Webseite oder App vor der endgültigen Implementierung in der Praxis und an echten Nutzer:innen zu testen. Auch wenn Low-Code- und No-Code-Tools lediglich “oberflächliche” Veränderungen vornehmen und den Kern des Codes unberührt lassen, ist es sinnvoll, dass beide Seiten über alle relevanten Roadmaps informiert sind.

Außerdem sollten sich beide Teams auf gemeinsame Fachbegriffe festlegen, um Missverständnissen vorzubeugen. Codeless-Testing-Tools machen Testing einfacher und schneller, erhöhen die Zahl der möglichen Experimente und tragen zu besserer Customer Experience bei. Sie vereinfachen die  Zusammenarbeit zwischen Marketing und Development, können sie aber nicht völlig ersetzen: Wertschätzung für die Expertise und Arbeit der anderen Fachdisziplin ist unbedingt erforderlich und sollte offen kommuniziert werden. Die bestmögliche Customer Experience entsteht sicherlich, wenn beide Disziplinen an einem Strang ziehen.

 

Zur Autorin: Marylin Montoya ist Vice President Marketing bei AB Tasty, ein Unternehmen, das auf die Optimierung der Customer Experience spezialisiert ist.


Autor: W&V Gastautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.

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