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Influencer im Regionalmarketing
Das Regionalmarketing entdeckt die Influencer

Im Auftrag der Tourismusgesellschaften erkunden Blogger Wälder und Auen, durchstreifen Städte und Landschaften. Manche erleben unheimliche Begegnungen. Mit Labskaus zum Beispiel.

Text: W&V Redaktion

30. Oktober 2018

Ab durch die Toskana des Saarlandes
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Jessica kommt rum in der Welt. Auf Bali lässt sie sich Hähnchen im Bananenblatt schmecken, auf Borneo Mahi Mahi, die Gemeine Goldmakrele. Die Fischaugen gelten auf der Pazifikinsel als Delikatesse. „Ich habe eins probiert“, bekennt die Food-Reisebloggerin. Labskaus in Bremen schreckt einen dann nicht mehr. Für die Tourismuszentrale der Hansestadt ging die 29-Jährige an der Weser auf kulinarische Entdeckungsreise. Sie bereitete Labskaus zu, kostete die scharfgebratene Grützwurst Bremer Knipp und naschte Süßigkeiten mit Namen wie Kluten und Klaben. Auf ihrem Blog Yummytravel.de berichtet sie darüber.

Das Regionalmarketing entdeckt Influencer für sich. Unterwegs ist der Hashtag-Tross ohnehin laufend. Auf der Jagd nach dem nächsten Selfie strolcht das Jungvolk selbst durch entlegene Gegenden und sucht nach Kulissen mit Schauwert. Ein Flecken wie Füssen im Ostallgäu ist laut Reiseanbieter Travelcircus Deutschlands meisterwähnte Kleinstadt auf Instagram; dem nahegelegenen Märchenschloss Neuschwanstein sei Dank. Im Nationalpark Berchtesgaden pilgern täglich bis zu hundert Teens und Twens ins Hochgebirge zur Königsbachgumpe, viele nur im Bikini und mit Badelatschen, um sich planschend in der Felswanne zu knipsen, im Hintergrund der idyllische Königssee (#nofilterneeded).

Den Tourismusgesellschaften dämmert: Die Social-Media-Ströme lassen sich lenken und nutzen. Influencerkampagnen erobern die Wälder und Auen. Landauf, landab engagiert das Regionalmarketing Globetrotter der Like-Sphäre, um touristische Ziele ins Gespräch zu bringen. Die Blogger Katharina und Henryk (Oooyeah.de) erkunden die „Toskana des Saarlands“, den Bliesgau. Sabrina und Francis (My-road.de) sind mit Kajütfloß auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte unterwegs. Und im Frankenland begeben sich Katharina und Romeo (Sommertage.com) auf einen Trip durch vierzehn Städte. Zu jeder Station fertigen die beiden Wiener Kurzporträts an: Videos, dutzendweise Fotos, Tipps für Restaurants und Sehenswürdigkeiten.

Auffällig ist die Vorliebe des Regionalmarketings für Blogger. „Sie befassen sich intensiv mit der Materie und sind in der Regel auch auf Instagram, Facebook & Co. aktiv“, sagt Maike Bialek von der Bremer Tourismuszentrale. Im Idealfall sichert man sich gediegenen Output plus Reichweite. „Die inhaltliche Qualität hat Vorrang“, betont Bialek.

Bremen und Yummy-Travel-Bloggerin Jessica fanden auf der ITB zueinander. Kein Einzelfall. Die Berliner Tourismusmesse ist inzwischen eine Kontaktbörse für Marketingleute und Influencerszene. Agenturen laden zu Kennenlernterminen wie „Post & Toast“ ein, die ITB veranstaltet Speed-Datings. Petra Schierz vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern traf hier Sabrina und Francis aus Leipzig, Hauptberuf: Weltenbummler. „Für Themen, die wir bewerben, suchen wir gezielt passende Blogger“, sagt Schierz. Mit einem Kajütfloß schipperten Sabrina und Francis drei Tage durch Mecklenburg, vom Kleinen Pälitzsee zum Zotzensee und zurück. Fotos und Filmaufnahmen hielten die Floßfahrt fest. „In der Regel sind Nutzungsrechte in den Kooperationsverträgen inbegriffen“, so Blogger Francis. Das lohnt sich für Auftraggeber. Die Materialien lassen sich im Netz verwenden oder für künftige Werbekampagnen. Anlaufstationen im Netz, auf denen das Regionalmarketing Blogbeiträge und Postings aus den sozialen Netzwerken sammelt, sind gang und gäbe.

Sie gehen überlegt vor, die Akteure des Regionalmarketings. Statt Influencern Fesseln anzulegen, setzen sie auf das, was Blogs lesenswert macht: authentische Lektüre. „Wir haben keine Abstimmungsschleifen“, sagt die Bremerin Bialek. Karolina Klemm, Leiterin des Onlinemarketings im Tourismusverband Franken, stellt klar: „PR-Vorschriften gibt es für unsere Blogger nicht.“ Das soll Werbeblabla verhindern und glaubwürdige Beiträge über Städte und Regionen ermöglichen. Als Miesepeter gelten die Globetrotter der Like-Sphäre sowieso nicht. Am liebsten erzählen sie darüber, was ihnen gefällt. Selbst wenn sie eine unheimliche Begegnung mit Labskaus haben, bemühen sie sich um einen freundlichen Dreh. Der Kartoffelbrei mit Gewürzgurken und Roter Beete sei, so Yummytravel-Bloggerin Jessica, eine „geschmackvolle Masse“. Immerhin.

Noch mehr Anregungen gefällig? Mit Experten und Insidern können Sie sich in unserer Facebook-Gruppe "Rettet das Influencer Marketing" austauschen.

Hier geht es zur aktuellen Serie "Regionales Marketing für den Mittelstand".

 

 

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