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PoS-Marketing
Wöhrl-Chef Christian Greiner: Riesige Chancen für Städte

Nicht nur der E-Commerce, sondern auch neue Malls bedrohen das Leben der Innenstädte. Christian Greiner, Chef der Modehauskette Wöhrl wirft Stadtpolitikern "böse Fehler" vor.

Text: W&V Redaktion

17. Oktober 2018

Christian Greiner, Chef der Modehauskette Wöhrl.
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Christian Greiner, 39 Jahre jung, führt nicht nur seit Mai 2017 den Aufsichtsrat des Textilfilialisten Wöhrl, zu dem 30 Modehäuser gehören. Der Sohn des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl ist zudem vierfacher Geschäftsführer und auch noch Vorstandsmitglied des Münchner Modehauses Ludwig Beck.

Im Gespräch mit W&V wirft Greiner der Lokalpolitik ein Fehlverhalten gegenüber dem Einzelhandel vor. Das Thema hat Brisanz. Denn nicht nur der zunehmende Online-Handel, sondern auch neue Einkaufszentren bedrohen das Leben der Innenstädte.

Herr Greiner, in Weiden in der Oberpfalz entsteht gerade ein neues, überdimensioniertes Einkaufszentrum mit 55 Läden, obwohl es in der Altstadt schon Wöhrl, H&M und Benetton gibt. Es soll im März 2019 eröffnen. Da stellt sich die Frage, wie das wirtschaftlich funktionieren soll. Hat hier die Politik versagt?

Von der Politik werden tatsächlich böse Fehler gemacht, was das Thema Einzelhandel und Innenstädte betrifft. Da kann ich viele Dingen nennen: Wie komme ich in die Stadt rein, welche Parkmöglichkeiten gibt es? Das gesamte kulturelle Leben der Innenstadt hängt davon ab, was im Handel passiert. Und dabei geht es auch um sehr viele Arbeitsplätze. Aber für die Politik hat das erschreckend wenig Bedeutung. Nehmen wir allein das Thema Ladenöffnungszeiten. Ich bin überzeugt: Das würde sich selbst regulieren. Aber jeder weiß es besser. Der Handel ist am Schluss der Leidtragende. Und was die Center betrifft: Es gibt tolle Einkaufszentren, aber es gibt auch genug Beispiele, wie solche Center Innenstädte platt gemacht haben.

Würde es helfen, Innenstädte autofrei zu machen?

Nein. Fußgängerzonen sind gut. Aber die Menschen fahren nach wie vor mit dem Auto in die Stadt. Sie müssen die Möglichkeit haben, bequem zu parken, ohne dass das ein Vermögen kostet. Und die Städte sollten sich mehr Gedanken machen, wie man öffentliche Flächen attraktiver nutzt. Das einzige, was ständig stattfindet, sind Demos. Aber wenn wir mal einen verkaufsoffenen Sonntag machen wollen: keine Chance! Hier wird oft extrem einseitig und nicht nachhaltig gedacht.

Nehmen wir europäische Großstädte wie London. Dort ist es das Ziel, die Autos aus der Stadt raus zu bringen. Und schließlich gibt es Studien, die zeigen, dass verkehrsfreie Flächen weniger Hektik, mehr Frequenz und höhere Kaufbereitschaft bringen.

Dann muss man aber Alternativen anbieten. Die Tube in London ist super. Wer dagegen in München zum Beispiel mit der S-Bahn zum Flughafen dackeln will, kann gleich das Fahrrad nehmen. Abgesehen davon: Die Metropole London kann man nicht vergleichen mit zum Beispiel der Metropolregion Nürnberg. Über eine Million Menschen bewegen sich in unserem Einzugsgebiet. Die müssen irgendwie in die Stadt kommen. Da wird das Auto auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

Um Innenstädte attraktiver zu gestalten, könnten sie mit anderen Läden kooperieren.

Das machen wir auch. Zum Beispiel hatten wir in der Münchener City eine Shopping-Nacht. So etwas muss aber großflächig angelegt und als Happening inszeniert werden. Jeden Tag kann man das nicht machen. Aber gerade für die Stadt München bieten sich riesige Chancen. Wenn zum Beispiel die Weihnachtsmärkte öffnen, sind Millionen von Touristen in der Stadt. Ein verkaufsoffener Sonntag zum Beispiel würde einen immensen Mehrwert bringen – auch für die Kommune.

Warum der stationäre Modehandel nicht aussterben wird, wie es zu einer Bereinigung des textilen E-Commerce kommen könnte und wie junge Menschen heute überhaupt Fashion kaufen, lesen Sie im Interview mit Christian Greiner in der aktuellen W&V Nr.42.

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