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Adtech-Konzern Sizmek stellt Insolvenz-Antrag

Der Aufstieg des Adtech-Konzern Sizmek scheint beendet. Wegen drückender Schulden musste das Unternehmen des deutschen CEOs Mark Grether jetzt einen Insolvenz-Antrag stellen.

Text: W&V Redaktion

1. April 2019

Sizmek-CEO Mark Grether musste Insolvenz beantragen.
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Der Adtech-Konzern Sizmek ist insolvent. Das von dem Deutschen Mark Grether geführte Unternehmen stellte am Freitag acht Insolvenzanträge bei der zuständigen Behörde am Firmensitz New York. Laut dem Antrag geht es um Verbindlichkeiten zwischen 100 und 500 Mio Dollar.

In einer Mitteilung räumt Sizmek selbst "überhöhte Verschuldung" ein. Der Hauptgläubiger habe "Kontrolle über die Bankkonten der Gesellschaft" übernommen, "wodurch der Zugang zu Kapital erschwert wurde". Das Unternehmen betont, man wolle jedoch "den normalen Geschäftsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen". Der amerikanische Insolvenz-Paragraf 11 ermögliche es Unternehmen, "wie gewohnt weiterzuarbeiten, während sie gleichzeitig an der Erreichung ihrer finanziellen Ziele arbeiten können", betont das Unternehmen auf W&V-Anfrage.

Sizmek hatte erst Ende 2017 die Adtech-Firma Rocket Fuel für 145 Mio Euro übernommen. Der Konzern betreibt nach eigenen Angaben die weltweit größte unabhängige DSP für programmatisch gehandelte Werbeanzeigen. Auf dem Feld der programmatischen Werbung galt das Unternehmen als Herausforderer der Digital-Riesen Google und Facebook. Sizmek bietet seine Plattformen in mehr als 70 Ländern weltweit an.

Lange Gläubiger-Liste

Im Insolvenz-Antrag sind auch die größten Gläubiger genannt. Es sind vor allem Adtech-Firmen, die über Sizmeks Marktplätze Kontakte und Werbeplätze einkaufen. An der Spitze steht Index Exchange mit knapp neun Mio. Dollar, gefolgt von Pubmatic (7,3 Mio Dollar), OpenX (5,9 Mio. Dollar) und App-Nexus (5,3 Mio. Dollar).

Inwiefern auch deutsche Kunden und Geschäftspartner betroffen sind, ist unklar. Sizmek äußert sich auf Anfrage von W&V dazu nur ausweichend. Unter den Gläubigern des Insolvenz-Antrags befänden sich keine deutschen Unternehmen, so Sizmek.

Auch in der deutschen Branche ist die Sizmek-Insolvenz Thema. "Es ist sehr schade, dass mit Sizmek ein unabhängiger Wettbewerber in Schwierigkeiten geraten ist", sagt Bernd Hoffmann, CEO der ProSiebenSat.1-Tochter Virtual Minds. "Das stärkt letztlich das Duopol der großen US-Player. Gerade auf dem Feld der Daten bräuchte man aber ein Gegengewicht.“

Virtual Minds habe einen "anderen Weg gewählt“, sagt Hoffmann. „Anders als Sizmek konzentrieren wir uns mit unserem Angebot auf den deutschsprachigen Markt."


Autor: Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.

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