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Kolumne
Agenturen und Innovation - da geht noch mehr

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Digitale Startup-Hilfe im Alltag der Agenturarbeit.

Text: Anonymous User

24. August 2020

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Agenturen sind immer innovativ, jedenfalls haben wir noch nie das Versprechen einer Agentur gesehen, die von sich selber behauptet, möglichst altbacken zu kommunizieren. Nein, zum Selbstverständnis der Agenturbranche gehört, dass sie definiert, wo vorne ist. Aber wer mal hinter die Kulissen schaut, stellt fest, dass viele Agenturen immer noch so arbeiten wie in den 90ern, abgesehen von aktuellen Word-Updates vielleicht oder Keynote anstatt Powerpoint (was aber alle Kunden doof finden, denn die hängen immer noch tief in der Microsoft-Welt).

Agenturen haben es auch nicht immer leicht. Das ist schon erstaunlich, denn es gibt seit vielen Jahren immer neue Entwicklungen im Netz, die das Arbeiten von Agenturen verändern. Und Kund*innen einer Agentur sollten ja auch wollen, dass möglichst aktuelle Werkzeuge eingesetzt werden, um effizient und kreativ zu arbeiten. Natürlich gibt es auch ein paar Veränderungen in den letzten Jahren. Dropbox war so ein einschneidender Moment vor mehr als zehn Jahren, Slack gibt es mittlerweile auch schon seit einigen Jahren, aber es gibt gerade in dieser seltsamen Corona-Zeit einen bunten Reigen von neuen Tools, die das Leben und Arbeiten in Agenturen verbessern wollen.

Es klingt ein wenig wie ein Nachrichtensprecher, wenn jemand mmhmm einsetzt, das neue Präsentationstool von Phil Libin, dem Gründer von Evernote. Die Idee ist so brachial wie einfach: Warum sollte die Präsentierende den Screen mit allen teilen, anstatt selber im Bild zu sein und das, was sie präsentiert, hinter sich zeigen? So wie wir eben auch vor Corona in der physischen Welt präsentiert haben. Das ist zwar nur ein kleiner, entscheidender Wechsel der Perspektive, aber es rückt den Menschen wieder in den Vordergrund.

Ganz anders widmet sich Circles der Dauerfragestellung "wie arbeiten wir eigentlich künftig zusammen, wenn wir alle zuhause sitzen?" Circles bietet ein Add-On für Zoom an, das die Gesprächsteilnehmer*innen eines Zoom-Calls in kleinen Kreisen anordnet, die locker oben oder an der Seite im Display angeordnet werden, damit sich alle Kolleg*innen während der Arbeit unterhalten können, fast so wie im Büro.

Wir als NMA haben vor einem halben Jahr in das italienische Startup Moderne.st investiert. Das Gründerteam ist nach vielen Jahren in Agenturen auf die Idee gekommen, das Erstellen von Pitch-Präsentationen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu vereinfachen. Das Brainstorming erfolgt gemeinsam, unterstützt von Daten und automatischer Recherche, Kreativ-Teams können anders und besser zusammenarbeiten als bisher über das Hin- und Herschicken von Dateien. Anstatt die Praktikantin tagelang nach Fotos für das Mood-Board suchen zu lassen, die dann doch nicht passen, kann das auch gleich ein Algorithmus übernehmen. Moderne ist gerade gelaunched und bekommt interessanterweise viel Zuspruch von Kreativ-Agenturen aus Asien, die vermutlich schon länger auf Künstliche Intelligenz setzen.

Dabei ist es so einfach und auch naheliegend, auf Daten und Algorithmen zu setzen, denn dadurch wird unsere Arbeit erleichtert. Bei unserem Portfolio-Unternehmen Attention Insight  beispielsweise wird offensichtlich, wie viel Zeit und Geld gespart werden kann, wenn keine Fokus-Gruppe befragt werden, sondern unmittelbare Heatmaps zu Bildern oder Websites generiert und Entscheider*innen sofort wissen, wo die Menschen hingucken werden. Frameright.io ermöglicht es, in Fotos den relevanten Ausschnitt so zu markieren, dass sie nahezu universell nach Größe und Format beschnitten werden können, ohne dass die primäre Bildaussage flöten geht oder unterschiedlichste Versionen notwendig sind.

Das Potential für Veränderungen im Agentur-Alltag ist groß. Jetzt muss "nur noch" die Frage geklärt werden, wie unter Volllast laufende Agenturen es schaffen sollen, neben der Arbeit für bestehende Kunden und den Pitches um Neukunden auch noch Zeit zu finden, um die Arbeitsabläufe kontinuierlich zu verbessern. Startups bieten sich hier an, schnell neue Ideen auszuprobieren.


Autor: W&V Redaktion

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