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TechTäglich
Apple baut Werbung im App Store aus

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit Werbung im App Store von Apple und dem Corona-Familiensong im Video.

Text: W&V Redaktion

9. Februar 2021

TechTäglich ist die Technik-Kolumne von W&V.
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Apple baut Werbung im App Store aus

Die EU is not amused! In Europa sieht sich Apple bereits zwei Untersuchungen rund um die Marktmacht des Konzerns ausgesetzt. Geprüft wird das Verhalten von Apple als Marktteilnehmer und gleichzeitiger Gatekeeper im App Store. Auch auf dem Prüfstand: Apples Entscheidung, auf dem iPhone nur Apple Pay, aber keine konkurrierenden Bezahlsysteme zuzulassen. Als wäre das nicht schon belastend genug für Apple, öffnet das kalifornische Unternehmen jetzt selbst eine weitere EU-Baustelle ähnlicher Art: Der Konzern zeigt ab iOS 14.5 (voraussichtlich im März für alle User verfügbar und derzeit für Entwickler als Beta 1 zum Download verfügbar) mehr Werbung im App Store. Der zusätzliche Werbeplatz füllt Cupertinos Kasse noch mehr. Gerade erst hatte Margrethe Vestager, Europäische Kommissarin für Wettbewerb und Digitales, Apple in einem Reuters-Interview aufgefordert, alle Anwendungen im App Store einheitlichen Regeln zu unterwerfen. Zuletzt hatte Mark Zuckerberg moniert, die neuen Anti-Tracking-Maßnahmen für eine bessere Privatsphäre von Nutzern benachteilige das Geschäftsmodell von Facebook und befeuere im Gegenzug Apples eigene Umsätze. Diese versucht Apple künftig mit weiteren bezahlten Anzeigen zu pushen. Was der EU – Fall 3! – ebenfalls nicht gefallen dürfte! Bisher kennen Nutzer im App Store nur die sogenannten "Search Ads". Oberhalb einer Suchanfrage zeigt Apple ein Werbebanner mit einer ähnlichen App-Empfehlung. Wie bei Google-Such-Anzeigen basiert die Anzeige auf Keywords. Für diese Promotion bezahlen Entwickler. Nur dann tauchen diese Developer oben auf einer App-Store-Seite in einem speziell abgegrenzten prominent platzierten Banner auf. Apple beschert das lukrative Einnahmen. Bis einschließlich 2020 erzielte die Firma damit zwei Milliarden US-Dollar Umsatz allein an dieser (Werbe-)Stelle.

Wohl der Grund, warum Apple künftig noch mehr Werbung im App Store zeigen wird. Die Beta 1 von iOS 14.5 liefert einen Vorgeschmack. Apple platziert in der neuesten Version im Reiter "Suchen" in der unteren Leiste nun bezahlte Apps unter der Überschrift "Empfohlen". Entwickler können sich – gegen Geld, versteht sich – an dieser Stelle platzieren. Der zusätzliche Werbeplatz dürfte dem Konzern enorme Extra-Einnahmen bescheren, wenn die Mehrzahl aller User iOS 14.5 auf ihr Gerät geladen hat. Damit wird Apple noch mehr zum Hauptlieferanten von Anzeigen auf seiner eigener iOS-Plattform – was die EU kritisch kommentiert hat. Die erweiterten Werbe-Empfehlungen basieren laut Apple auf im Gegenzug zu Facebooks Geschäftsmodell anonymen (!) Verknüpfungen mit dem Kaufverhalten über die Apple ID. Wer keine Lust auf diese Art personalisierter Werbeanzeigen von Apple hat, wird die neuen "bezahlten Empfehlungen" nicht deaktivieren können, aber immerhin die Personalisierung unterbinden können: Unter Einstellungen -> Datenschutz -> Apple-Werbung lässt sich "Personalisierte Werbung" ausschalten. Sie ist dann eben unpersonalisiert, aber trotzdem da...

Ab iOS 14.5 sprudeln Apples Werbe-Umsätze im App Store noch mehr.

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Podcastle liest Websites vor  

Noch ein Geheimtipp: Das Chrome-Plugin Podcastle AI kann ganze Websites vorlesen. Wer einen interessanten Artikel im Netz gefunden hat, aber zu wenig Zeit, ihn zu lesen, kann das Chrome-Plugin Podcastle AI installieren und dem Text im Audioformat lauschen.

Die Stimme des Vorlesers klingt dank der fortgeschrittenen Künstlichen Intelligenz angenehm und ähnlich wie ein Mensch. Gut zu wissen: Das Tool kann kostenlos genutzt werden. Die Dateien können auch als MP3 heruntergeladen und abgespeichert werden. Auf dem Smartphone sind sie dann ebenfalls abspielbar. Alternativ lassen sie sich in einer Playlist zum Später-Hören zusammenfügen. Übrigens: Podcastle ist auch "Fremdsprachler". Neben deutschen Texten ist das Werkzeug problemlos in der Lage, englische Website-Texte vorzulesen. Schade nur, dass die Macher nirgendwo verraten, wie sie die KI gefüttert haben, damit ihr Projekt funktioniert. Aber das dürfte nur einen Grund haben: Nachahmer auszuschalten.

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AirPod im Schlaf verschluckt – Operation!

Ein Apple-Kunde in den USA hat im Schlaf einen seiner AirPods verschluckt. Auf dem Weg ins Bett steckte sich der Mann aus Massachusetts die Kopfhörer ins Ohr. Als er in der Frühe aufwachte, war einer der beiden AirPods verschwunden. Und er fühlte ein unbequemes Gefühl in seiner Brust. Bei einer Röntgen-Untersuchung im Krankenhaus bestätigte sich, was vorher nur vermutet wurde: Der verlorene AirPod musste mittels Operation entfernt werden. Nicht das erste Mal, dass eine Geschichte über einen Apple-User bekannt wird, der versehentlich einen der Kopfhörer verschluckt hat. Kurz nach Neujahr 2021 hatte ein Siebenjähriger in DeKalb County im US-Bundesstaat Georgia seine AirPods einfach "gegessen". Die Ärzte konnten die Kopfhörer laut einer örtlichen TV-Station nach einer Röntgen-Aufnahme lokalisieren. Sie befanden sich im Darm. Das Kind erklärte, es habe Angst, auf dem iPhone Musik zu starten, denn die In-Ears könnten dann im Bauch losspielen. Die Ärzte beruhigten den kleinen Patienten, der die AirPods später über den Darm ausschied. Schon im Mai 2019 wurde der Fall des Briten Ben Hsu öffentlich: Hsu konnte einen seiner AirPods nicht finden. Also machte er sich laut einem Bericht der Daily Mail auf den Weg ins Krankenhaus. Dort zeigte eine Röntgen-Aufnahme, wo sich der AirPod befand. Die Ärzte verabreichten ihm ein Abführmittel und erklärten: Sollte dies nicht wirken, wäre ein operativer Eingriff notwendig. Am folgenden Tag konnte Hsu den In-Ear-Stecker auf natürlichem Weg wieder ausscheiden. Nachdem der Kopfhörer gründlich gereinigt wurde, funktionierte er wieder ganz normal...

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Das erste wirklich globale Radio  

Schnödes Streaming war gestern, der Weltbürger von heute informiert sich mit dem CityRadio über die Lage (und die musikalischen Hits) rund um den Globus. Auf dem kleinen Radio können neun austauschbare modulare Buttons angebracht werden. Auf jedem steht der Name einer großen Stadt wie London, Tokio, Berlin oder Kairo. 18 Buttons gehören zum Lieferumfang. Der Wunschort wird auf der Vorderseite des Gadgets eingeklickt. Schon kann durch die wichtigsten Sender der entsprechenden Stadt gescrollt werden. Steuern lässt sich das CityRadio auch über eine entsprechende App, die diverse Konfigurations-Optionen bietet. So kann unter anderem die spannendste Stadt als Favorit markiert werden. Unser Gadget des Tages spielt FM oder Webradio-Stationen, sieht schick aus, kostet gerade einmal 100 Dollar zzgl. Versandkosten und ist bereits bestellbar.

Big City Radio: Das modulare Gadget kann für 100 Dollar erworben werden.

 

Im Video: der Corona-Familiensong

34.500 YouTube-Abonnenten feiern gerade die britische Familie Marsh aus Kent ab. Dabei ist den Eltern und den vier Kindern wegen Corona eigentlich nicht nach Feiern zumute. Doch gemeinsam kämpfen die Marshs erfolgreich gegen den Pandemie-Überdruss an – mit ihrer Version des Bonnie-Tyler-Hits "Total eclipse of the heart". Bei den Marshs heißt der umgedichtete Text "Totally fixed where we are", frei übersetzt: festgesetzt im Haus. Und das laut den britischen Coronaregeln noch mindestens bis 8. März. Die Familie erklärte: "Dies ist unsere Parodie von Jim Steinmans 1983er Song "Total eclipse of the heart", der vor allem durch Bonnie Tyler bekannt wurde, und eines der seltsamsten Musikvideos aller Zeiten hatte. Es gab viele verstörende Kinder, die in einem viktorianischen Krankenhaus in Surrey tanzten, so nah bei uns zu Hause." Über 1,4 Millionen Mal wurde das Marsh-Video in kürzester Zeit bei YouTube angeschaut. Die Werbeeinnahmen spendet die Familie an wohltätige Organisationen, die sich um den Schutz von Kindern (auch in Coronazeiten) verdient machen.

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Damit wünsche ich einen familiären Dienstag. Bis morgen bei TechTäglich.


Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.

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