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TechTäglich
Apple bringt den iMac fürs Handgelenk

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit der runderneuerten Apple Watch und mit dem Sex-Verbot bei Ebay.

Text: W&V Redaktion

20. Mai 2021

Eckig und bunt wie der iMac – nur eben in klein. Sieht so die Apple Watch 7 aus?
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Apple bringt den iMac fürs Handgelenk

Mittlerweile gibt es tatsächlich schon Gerüchte-Charts für Apple-Leaker. Nach den Statistiken von AppleTrack liefern sich Jon Prosser mit einer Treffsicherheit von 77,8 Prozent und Ming-Chi Kuo mit einem Wahrheitsgehalt von 76,6 Prozent an der Spitze des Glaskugel-Rankings einen beinharten Zweikampf. Dementsprechend ist es zu rund einem Dreiviertel wahrscheinlich, dass die beiden mit ihren neuesten Infos zur Apple Watch Series 7 Recht behalten. Sie prophezeien erstmals seit dem Start der Schlau-Uhr im Jahr 2015 ein komplett neues Design. Und dabei soll es im kommenden September heißen: Liebling, sie haben den iMac geschrumpft! Denn mit eckigem Gehäuse (das hoffentlich beim Tragen nicht unangenehm ist) und mit frischen Farben könnte die nächste Watch verblüffend stark an die neuen bunten iMac-Rechner erinnern.

Damit käme das Apple-Design in der Nach-Jonathan-Ive-Ära so sehr wie noch nie aus einem Guss. Denn ein ganz ähnliches Kanten-Gehäuse sollen nach dem iPad Pro künftig auch die MacBooks bekommen. Details liefert Prosser in seinem neuen Video-Podcast. Farblich rechnet er mit einer Watch 7 optional in einem pastelligen Grün, wie es Apple auch schon beim iPad Air und bei den AirPods Max verwendet. Es käme allerdings überraschend, wenn das neuerdings so farbenfrohe Apple dann nicht auch andere Varianten der Uhr in Blau, Lila oder auch Orange anbieten würde. Als wichtigste inhaltliche Änderung ist ein Blutzucker-Sensor im Gespräch. Demnach analysiert ein optisches Miniatur-Spektrometer auf der Unterseite der Uhr Biomarker im Blut, über die sich der Zuckerspiegel bestimmen lässt. Eine medizinisch verlässliche Messung soll nur 20 Sekunden dauern. Diabetiker könnten sich so den Pieks zur Glukosekontrolle sparen. Der Markt und der Bedarf sind riesig, allein in den USA ist jeder Zehnte zuckerkrank.

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BlackBerry-Tastatur: Comeback mit neuem Smartphone

Vor dem Siegeszug von iPhone und Android hat BlackBerry die damals noch junge Smartphone-Welt dominiert. Viele Nutzer schwören bis heute auf die Hardware-Tastatur der kanadischen Handys, mit der sich – bei entsprechender Übung – besonders schnell und fehlerarm tippen lässt. Und der eine oder andere Fan hortet angeblich immer noch unausgepackte BlackBerrys zuhause, als Ersatz für defekte Geräte. Von BlackBerry selbst war nach einigen mittelerfolgreich verlaufenen Comeback-Versuchen zuletzt nicht mehr viel zu hören. Der kleine, unabhängige Hersteller Unihertz glaubt aber an die bewährten Tastaturen, und hat eine Kickstarter-Kampagne für ein neues Android-11-Smartphone mit BlackBerry-Keyboard und mit ausdauerndem 4.000-mAh-Akku gestartet.

Von der Firma aus Hongkong heißt es: "Wir glauben daran, dass es unterschiedliche Arten von Smartphones für die unterschiedlichsten Nutzer geben sollte. Deshalb bauen wir ungewöhnliche Smartphones auch für kleine Zielgruppen." Das Unihertz Titan Pocket kommt im robusten "Rugged"-Design für Bürokrieger im Außeneinsatz. Der Bildschirm oberhalb der Tastatur misst 3,1 Zoll – und ist damit etwas größer als bei einem klassischen BlackBerry. Mit 328 ppi liegt die Schärfe ziemlich exakt auf dem guten Niveau der Retina-iPhones der letzten Jahre. The Verge ist in einem Hands-on sehr angetan von der Tastatur, die tatsächlich das gute alte BlackBerry-Schreibgefühl vermitteln soll. Problematisch ist der quadratische Bildschirm allerdings deswegen, weil kaum eine Android-App für dieses Format optimiert ist. Das Titan Pocket soll im September für 299 Dollar zu haben sein. Kickstarter-Unterstützer zahlen derzeit 219 Dollar. Weit über 400.000 Euro sind bei der Finanzierung schon zusammengekommen – mehr als zehnmal so viel wie angestrebt.

Neues Handy mit BlackBerry-Keyboard: Die Entwickler tasten sich langsam voran.

Berliner Trauer: IFA 2021 abgesagt

Schon letztes Jahr konnte die IFA in Berlin, die einstige Internationale Funkausstellung, wegen Corona nur eingeschränkt stattfinden – als größtenteils virtuelles Mini-Event. Ab 3. September dieses Jahres wollten die Veranstalter nun alles wettmachen, mit einer "echten" IFA und mit Besuchern aus aller Welt. "Unser Anspruch ist es, die erste große internationale Messe in Deutschland nach Corona zu sein", kündigte Kai Hillebrandt, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik (gfu), noch im März an. Und im April hieß es, dass bereits 80 Prozent der Flächen ausgebucht seien. Doch nun folgte die überraschende Absage. Die traditionsreiche Technikmesse findet dieses Jahr überhaupt nicht statt. Nächster Tech-Termin in den Hallen am Berliner Funkturm ist nun die IFA 2022 ab 2. September nächsten Jahres.

Martin Ecknig, CEO der Messe Berlin, erklärt die Absage in einer Pressemitteilung so: "Die globale Pandemieeindämmung, inklusive der Einführung der Impfprogramme, wie auch die Wiederaufnahme des internationalen Reiseverkehrs, erfolgten nicht in dem erhofften Tempo. Angesichts dieser Entwicklung war diese schwierige und enttäuschende Entscheidung unvermeidbar." Mitveranstalter Kai Hillebrandt von der gfu bringt es so auf den Punkt: "Aktuell existieren zu viele Unwägbarkeiten." Global agierende Unternehmen müssten frühzeitig für solche Veranstaltungen planen und Budgets festlegen. Dafür, so die IFA-Verantwortlichen, fehle aber momentan eine verlässliche und verbindliche Grundlage. Die IFA-Absage ist ein schwerer Rückschlag für die deutsche Messebranche und ihre Hoffnungen, in absehbarer Zeit wieder in gewohntem Ausmaß Großveranstaltungen abhalten zu können.

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Plötzlich prüde: Ebay verbietet Sex-Artikel

Ebay gibt sich sittenstreng. Ab 15. Juni schränkt die Online-Plattform den Verkauf von Artikeln, die als "sexuell explizit" aufgefasst werden könnten, stark ein. Damit dürfte das Unternehmen viele Nutzer verärgern – aber in konservativen US-Kreisen und bei bibelfesten Investoren Pluspunkte sammeln. Bereits jetzt ist der Verkauf vieler Artikel mit pornografischen Inhalten auf Ebay untersagt. Doch momentan finden sich noch jede Menge Schlupflöcher und Graubereiche. In einem ellenlangen "Kundenservice"-Text führt der Online-Marktplatz nun aber aus, wie die Regeln zu "Erwachsenen-Ware" in wenigen Wochen verschärft werden. Der Verkauf von Filmen, Magazinen, Spielen und anderen Medien, die wegen sexueller Inhalte als "Adult only" gelten, ist dann komplett untersagt – unabhängig vom Datenträger, von der VHS-Kassette bis zur Bluray-Disc. Der gedruckte "Playboy" bleibt laut Adult Video News aber erlaubt – solange in der Ebay-Anzeige keine nackten Tatsachen zu sehen sind.

Das neuerdings fromme Unternehmen hat sich sogar die Mühe gemacht, zu definieren, was es unter "Nacktheit" versteht: "Ebay definiert Nacktheit als das Zeigen eines Teils der männlichen oder weiblichen Genitalien, des Anus oder der weiblichen Brüste, bei denen der Warzenhof oder die Brustwarze sichtbar ist." Unter diese Regeln fallen ausdrücklich auch künstlerische Darstellungen aus der japanischen Anime-, Manga-, Hentai- oder Yaoi-Szene. Selbst TV-Serien wie "Game of Thrones", in denen bisweilen explizite Inhalte zu sehen sind, könnten unter den Bannfluch fallen. Sex-Spielzeug darf nach vorheriger Kontrolle der Verkäufer unter bestimmten Bedingungen angeboten werden – allerdings nur noch im Land des Verkäufers, und nicht mehr international. Für bedenkliche Ware gibt es spezielle Kategorien, in denen ein Verkauf erlaubt ist, zum Beispiel "Vintage & Antique (Pre-1940)", womit Pin-up-Darstellungen aus der Vorkriegszeit gemeint sind. Gewalt und Ü18-Spiele bleiben dagegen erlaubt. Ob die neuen Regeln weltweit gelten, oder nur für die USA, ist derzeit noch unklar.

Sex sells? Mag schon sein, aber bitte nicht mehr auf Ebay!

FIFA 21: Ermordeter Fußballer lebt wieder

In seiner Jugend galt Kiyan Prince als einer der hoffnungsvollsten englischen Nachwuchsfußballer. Doch am 18. Mai 2006 endete das Leben des 15-Jährigen Jungen aus London tragisch. Bei einem Streit, den er schlichten wollte, wurde Kiyan Prince von einem 16-Jährigen erstochen. Sein Klub Queens Park Rangers, damals wie heute Zweitligist, bewahrt ihm seither ein ehrendes Andenken. So trägt das Stadion des Vereins offiziell den Namen "Kiyan Prince Foundation Stadium". Es ist nach der Stiftung benannt, die der Vater des Jugendfußballers im Kampf gegen Jugendgewalt und für strengere Waffengesetze ins Leben gerufen hat. Doch nun, genau 15 Jahre nach seinem Tod, setzt der ermordete Fußballer seine Karriere zumindest virtuell fort – als Spieler in "FIFA 21".

Dort ist er seit gestern im Kick-off- und im Karrieremodus verfügbar. Hersteller Electronic Arts (EA) hat den Kicker in sein einstiges Team Queens Park Rangers zurückgeholt, als nunmehr 30-Jährigen Star-Fußballer mit einer großartigen Karriere. Dafür haben die Entwickler alte Fotos gesichtet, mit ehemaligen Trainern gesprochen – und per künstlicher Intelligenz einen Kiyan Prince geschaffen, der so aussieht und spielt, wie er heute aussehen und spielen könnte, wenn das Schicksal nicht andere Pläne gehabt hätte. Zudem unterstützt EA die Stiftung finanziell. Vater Mark Prince zeigt sich gerührt: "Es war überwältigend, als ich Kiyan zum ersten Mal in FIFA gesehen habe." Die Queens Park Rangers nehmen Kiyan Prince für nächste Saison laut TechSpot ehrenhalber in ihren Kader auf, und vergeben die Rückennummer 30 für ihn – passend zu seinem heutigen Alter.

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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