Anzeige

Rechtsstreit
Apples Vorgehen gegen "Fortnite" wird ausgebremst

Im Streit zwischen den "Fortnite"-Machern und Apple gibt es ein erstes Urteil: Apple dürfe vorerst nicht die Grafik-Technologie Unreal Engine der Spiele-Firma Epic Games von seiner Entwickler-Plattform entfernen.

Text: W&V Redaktion

25. August 2020

Mit #FreeFortnite sagt Epic Games Apple den Kampf an.
Anzeige

Im Streit zwischen den Machern des Online-Spiels "Fortnite" und Apple hat eine Richterin in Kalifornien den iPhone-Konzern gebremst. Apple dürfe vorerst nicht die Grafik-Technologie Unreal Engine der Spiele-Firma Epic Games von seiner Entwickler-Plattform entfernen, entschied sie am Montag. Zugleich wies sie aber in ihrer Eil-Entscheidung den Antrag von Epic ab, den Rauswurf des Spiels "Fortnite" aus dem App Store rückgängig zu machen.

Bei dem Streit, den Epic auch gegen Google führt, geht es um die grundsätzliche Frage, wie Apps auf Smartphones vertrieben werden - und wie viel Geld vom Kaufpreis Plattformen wie der App Store von Apple oder der Google Play Store dabei einbehalten dürfen. 

Epic wollte sich nicht mehr an die seit mehr als einem Jahrzehnt geltende Vorgabe halten, dass virtuelle Artikel in dem Spiel auf iPhones und iPads nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können, bei dem Apple 30 Prozent des Kaufpreises einbehält.

Nachdem der iPhone-Konzern Änderungen an den Geschäftsbedingungen ablehnten, bauten die Entwickler in der App die vertraglich verbotene Möglichkeit ein, die Artikel auch direkt bei Epic zu kaufen. Dafür wurde eine versteckte Funktionalität in der Anwendung aktiviert, die Epic an den App-Prüfern des Konzerns vorbeigeschmuggelt hatte. Noch am selben Tag warf Apple «Fortnite» unter Verweis auf den Regelverstoß aus dem App Store.

Zudem sollte Epic Ende August den Zugang zu Apples Entwicklerprogramm verlieren. Das hätte unter anderem zur Folge, dass die Unreal Engine nicht mehr an neue Versionen von Apples iOS-Betriebssystem für iPhones und iPads angepasst werden könnte. Davon wären auch Apps anderer Anbieter wie unter anderem Microsoft betroffen, die auf die Unreal Engine zurückgreifen.

Die Richterin Yvonne Gonzalez Rogers schritt genau deswegen ein. Sie argumentierte, dass ein Rauswurf der Unreal Engine aus dem Entwicklerprogramm erheblichen Schaden für die Plattform und die gesamte Branche bedeuten würde. Zudem hilft der Spielefirma, dass die Unreal Engine bei der Schweizer Tochterfirma Epic International angesiedelt ist. Die Richterin argumentierte, dass die Tochter im Gegensatz zu Epic Games nicht gegen ihre Vereinbarungen mit Apple verstoßen habe. Im Fall von "Fortnite" entschied sie hingegen, dass Epic bewusst die Entscheidung getroffen habe, bei der App die Regeln zu verstoßen und deswegen nicht geschützt werden müsse. Die Richterin entschied zunächst über eine vorläufige einstweilige Verfügung, die Seiten sollen jetzt im September Argumente für das weitere Verfahren vorlegen.

Auch Mircrosoft kritisiert Apples Vorgehen

Auch Microsoft hatte die Entwickler zuletzt unterstützt: Der Windows-Riese, der selbst unzufrieden mit den App-Richtlinien von Apple ist, kritisierte die Absicht des iPhone-Konzerns, die Spielefirma Epic Games aus dem Entwicklerprogramm rauszuwerfen. Dadurch würden andere Spiele-Anbieter - darunter auch Microsoft - Epics Grafiktechnologie Unreal Engine nicht mehr auf iPhones und iPads nutzen können, argumentierte der Konzern in am Montag veröffentlichten Gerichtsunterlagen.

Microsoft greift auf die Unreal Engine aktuell unter anderem bei seinem Rennspiel "Forza Street" zurück. Wenn Epic die Grafik-Technologie nicht mehr für iOS weiterentwickeln könne, müsse Microsoft entweder die Apple-Plattform aufgeben oder die App umprogrammieren, erklärte der zuständige Top-Manager Kevin Gammill.

Apple betont, die Verantwortung für die negativen Folgen für Nutzer und App-Entwickler trage Epic mit dem einseitigen Regelverstoß. Microsoft steckt selbst in einem Streit mit Apple: Der iPhone-Konzern lässt den Spiele-Streamingdienst Project xCloud nicht auf seine Plattform. Solche Services verstießen gegen die Regel, dass alle Spiele individuell geprüft werden müssten, argumentierte Apple - und akzeptiert auch ähnliche Angebote anderer Firmen nicht auf der Plattform.

Anzeige