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Monetarisierung
Clubhouse bald für Android und attraktiver für Kreative

Mit dem "Creator Grant Program" eröffnet Clubhouse neue Möglichkeiten für Kreative. Ähnlich wie bei TikTok und YouTube sollen sich Influencer einen Namen auf der zurzeit gehypten Plattform machen.

Text: W&V Redaktion

25. Januar 2021

Mit der neuen Investment-Summe plant Clubhouse Möglichkeiten, Kreative für sich zu gewinnen.
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Der Hype um Clubhouse hält an. Jetzt bestätigt das Start-up neue Investments, die laut Techcrunch in Höhe von einer Milliarde US-Dollar betragen sollen. Mit dieser Summe plant die nur auf Audio basierte Social-Media-App unter anderem ein neues "Creator Grant Program", das anstrebende Clubhouse-Influencer unterstützen soll. Gemeint sind damit ähnlich wie schon bei TikTok Menschen, die nach und nach Reichweite gewinnen und zu Influencer innerhalb der App werden.

Influencer auf Clubhouse gesucht

Clubhouse hat bereits viele Prominente und Politiker an Bord geholt. Den Fokus möchte das Start-up auf Creator legen. Welche Möglichkeiten genau Clubhouse für Kreative geplant hat, um ihr Interesse zu wecken, steht noch nicht fest. Fakt ist, dass sie Features testen, damit sich Kreative auf Clubhouse einen Namen machen können.

Damit würde Clubhouse sich auch selbst helfen. Denn momentan ist die Plattform für alle Nutzer kostenlos, hat auch keine Premium-Funktion und wird nicht durch Werbung unterstützt. Mit "Trinkgeld, Tickets und Abonnements" wird Clubhouse in den kommenden Monaten erste Monetarisierung-Tests starten. Tickets passen zu formelleren Roundtable-Diskussionen und schaffen zudem eine Möglichkeit, dass mehr Organisationen die Plattform für virtuelle Audio-Veranstaltungen nutzen. Clubhouse könnte eine Provision verlangen.

Die Android-Version kommt

Clubhouse kündigte an, in Kürze daran zu arbeiten, dass die App auch für Android-Nutzer zur Verfügung steht. Bislang ist die Audio-Anwendung nur für das iPhone verfügbar. Wann Clubhouse auch im Google Play Store verfügbar sein wird, teilen die Clubhouse-Macher nicht mit. Außerdem denkt das Start-up an Inklusion. "Von Anfang an wollten wir Clubhouse für jeden bauen. In diesem Sinne freuen wir uns, bald mit der Arbeit an unserer Android-App zu beginnen und weitere Funktionen für Barrierefreiheit und Lokalisierung hinzuzufügen, damit Menschen auf der ganzen Welt Clubhouse auf eine Art und Weise erleben können, die sich für sie vertraut anfühlt", kündigten die beiden Firmengründer Paul Davison und Rohan Seth in einem Blogbeitrag an.

Clubhouse ist eine Audio-App, bei der die Anwender Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen können. Im Gegensatz zu Netzwerken wie Twitter kann man Beiträge nicht schriftlich kommentieren oder "Likes" vergeben.

Davison und Seth schrieben, mit Clubhouse hätten sie den Nerv der Menschen getroffen sich zu treffen. "Und es hat sich in den letzten zehn Monaten schnell entwickelt - von einer kleinen Handvoll Beta-Tester zu einem vielfältigen und Netzwerk von Communities." In der vergangenen Woche hätten "zwei Millionen Menschen auf der ganzen Welt Clubhouse besucht, um sich auszutauschen, zu lernen, zu lachen, unterhalten zu werden, sich zu treffen und zu vernetzen". "Es ist die aufregendste Sache, an der wir je teilgenommen haben."

Mit zwei Millionen aktiven Anwendern ist Clubhouse deutlich kleiner als Twitter mit rund 330 Millionen aktiven Nutzern.

Die Programmierung einer Android-Version steht aber offenbar noch ganz am Anfang: Man werde "bald mit der Arbeit an der Android-App beginnen und weitere Funktionen für Barrierefreiheit und Lokalisierung hinzuzufügen, damit Menschen auf der ganzen Welt Clubhouse auf eine Art und Weise erleben können, die sich für sie vertraut anfühlt", schrieben die Firmengründer weiter.

Unterdessen werde man sich darum kümmern, technische Probleme bei den Servern wegen des großen Nutzer-Zulaufs in den Griff zu bekommen. "Ein großer Teil einer neuen Finanzierungsrunde wird in die Technologie und Infrastruktur fließen, um das Clubhouse-Erlebnis für alle zu skalieren, so dass es immer schnell und performant ist, unabhängig davon, wie viele Leute teilnehmen."

Für die virale Verbreitung setzt Clubhouse auf eine umstrittene Methode, die bereits Grundlage des rasanten Wachstums von WhatsApp war. Nachdem man die App installiert und die Einladung aktiviert hat, verlangt die App Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontakte- Adressbuch des verwendeten iPhones. Diese Praxis wurde bei WhatsApp von Datenschützern in Europa heftig kritisiert, weil die Anwender eigentlich zuvor jeden einzelnen Kontakt um Erlaubnis fragen müssten, bevor die persönlichen Daten auf Server in den USA übertragen werden.

Frisches Geld für Clubhouse

Für die Lösung der technischen und organisatorischen Aufgaben kann Clubhouse nun auf frisches Geld zurückgreifen. Die zweite Finanzierungsrunde wird von dem Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz geleitet, der schon die "Series A" angeführt hatte. Mit der aktuellen "Series B" werden die Clubhouse-Anteile nach Berechnungen des Silicon-Valley-Portals "The Information" mit rund einer Milliarde Dollar bewertet, obwohl Clubhouse bislang keine Einnahmen aufweisen kann.

"Das rege Interesse von Risikokapitalgebern an Clubhouse ist eine Wette darauf, dass die App, die einigen Menschen während der Pandemie ein virtuelles soziales Ventil geboten hat, weiterhin neue Nutzer anziehen wird, nachdem die persönlichen sozialen Aktivitäten wieder aufgenommen wurden", schreibt "The Information". Von dem Hype um Clubhouse profitieren auch andere Social-Audio-Start-ups wie Cappuccino oder Audio-Unternehmen wie Teamspeak und Discord, die aus der Gaming-Szene kommen.

Die Clubhouse-Macher nutzen das frische Geld aber nicht allein für eine weitere Expansion, sondern haben sich auch die Erledigung von Hausaufgaben vorgenommen, die überfällig sind. So werde man sich darum kümmern, technische Probleme bei den Servern wegen des großen Nutzerzulaufs in den Griff zu bekommen. "Ein großer Teil einer neuen Finanzierungsrunde wird in die Technologie und Infrastruktur fließen, um das Clubhouse-Erlebnis für alle zu skalieren, so dass es immer schnell und performant ist, unabhängig davon, wie viele Leute teilnehmen."

Außerdem sollen "Funktionen für Barrierefreiheit und Lokalisierung" hinzugefügt werden, heißt es in dem Blogeintrag weiter. Die Frage, ob zur "Lokalisierung" auch eine Anpassung an den rechtlichen Rahmen in Ländern wie Deutschland gehört, lassen die Clubhouse-Gründer Davison und Seth aber offen. In ihrer aktuellen Form verstößt die App nämlich mehrfach gegen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung. Nicht nur die Aufforderung, einen Zugriff auf alle Einträge des Smartphone-Adressbuches zu gewähren, ist umstritten. Unklar ist auch, was genau mit den Audio-Dateien passiert, die Clubhouse zumindest temporär auf Servern in den USA speichert. Die Aufzeichnung soll nur im Fall von Beschwerden ausgewertet werden, versichert das Netzwerk. Und danach würden alle Daten wieder gelöscht.

Ob die Daten dann tatsächlich wieder verschwinden, können die Anwender aber nicht überprüfen. Und in Europa müssten die User auch vernünftig vorab gefragt werden, ob sie mit der Aufzeichnung überhaupt einverstanden sind. Diese Einwilligung wird aber nur in einem langen Text der Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt, was nach Einschätzung von Experten gegen deutsches Recht verstößt.


Autor: Nadia Riaz

volontierte bei W&V und Kontakter, war anschließend Redakteurin bei LEAD, wo sie ihre Begeisterung für Digital- und Tech-Themen entdeckte. Nadia hat München für Hamburg ausgetauscht und schreibt jetzt als freie Autorin für W&V am liebsten über Blockchain und KI.

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