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Lieferdienste
Deliveroo stoppt Essenslieferungen in Deutschland

Ab Freitag ist Schmalhans Küchenmeister - zumindest bei denen, die sich auf den Lieferdienst Deliveroo verlassen haben. Der beendet sein Deutschland-Experiment nämlich.

Text: W&V Redaktion

12. August 2019

In Deutschland ist am 16. August Schluss.
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Der britische Essenslieferdienst Deliveroo verlässt den deutschen Markt. Deliveroo wirft damit das Handtuch wenige Monate nach einem großen Deal, der seine Rivalen Lieferando und Lieferheld zusammenbrachte. Eigentlich wollte das Unternehmen in Deutschland noch einmal groß durchstarten. Doch auch mit einem Investment von 575 Millionen Dollar durch Amazon im Rücken ziehen die Briten auf dem deutschen Markt nun die Reißleine

Deliveroo wolle nun verstärkt andere Märkte in den Fokus nehmen, nachdem sich der Umsatz dort verdoppelt habe, teilte das Unternehmen am Montag zur Begründung mit. Dabei gehe es um andere europäische Länder sowie die Asien-Pazifik-Region.

Für den Abschied bleiben nur wenige Tage Zeit: Schon am Freitag wird das Geschäft in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, Köln und München eingestellt. Vor einem Jahr hatte sich Deliveroo bereits aus zehn deutschen Städten, darunter Dortmund zurückgezogen und sich auf Berlin und vier weitere Großstädte beschränkt.

Deliveroo habe dafür gesorgt, dass Fahrer, Restaurants und Mitarbeiter "angemessene" Vergütungs- und Kulanzpakete erhielten, hieß es ohne nähere Details. "Wir möchten uns bei allen Fahrern und Restaurants, die in Deutschland mit Deliveroo gearbeitet haben, sowie bei unseren wunderbaren Kunden bedanken", erklärte ein Sprecher. Während der deutsche Marktführer Lieferando die Fahrer als Angestellte beschäftigt, waren die Fahrer bei Deliveroo als Selbstständige unterwegs. Diese Praxis löste immer wieder Kritik von Gewerkschaftern aus.

Der Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Guido Zeitler, warf Deliveroo fehlende soziale Verantwortung vor. "Wir weinen dem Unternehmen und seinen Geschäftspraktiken, die komplett auf Scheinselbständigkeit basieren, keine Träne nach. Aber diese sehr kurze Frist zwischen Bekanntmachung und Umsetzung der Geschäftsaufgabe ist ein Schock für die Beschäftigten." Auch eine Abfindung oder dergleichen schaffe da keine Abhilfe. Die NGG forderte von der Politik, dass sie Geschäftspraktiken, die das unternehmerische Risiko und die Kosten vorwiegend auf die Lieferdienstfahrer, abwälzen, verbietet. "Was wir auch in dieser Branche brauchen, ist eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung - und zwar vom ersten Tag an!"

Im deutschen Markt der Essenlieferdienste ist der Konkurrent Takeaway.com aus den Niederlanden besonders stark. Takeaway fügte im Frühjahr zu seine Marke Lieferando das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero hinzu. Nach der Übernahme gehören zu der Gruppe neben Lieferheld auch Pizza.de und Foodora.

Als Amazon im Mai 2019 bei Deliveroo eingestiegen war, hatte der neue Deutschland-Chef Marcus Ross noch angekündigt, das Unternehmen werde im dritten Quartal 2019 bereits wieder neue deutsche Städte aufnehmen und das Geschäft so deutlich ausweiten. Doch daraus wird nun nichts.

Deliveroo mit Hauptsitz in London wurde 2013 gegründet und ist nach dem Ausstieg in Deutschland noch in 13 Ländern aktiv.

Andrej Sokolow und Christoph Dernbach, dpa

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