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Kolumne
Der Staat, die Startups und das liebe Geld

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen und Menschen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Startups und deren richtige Finanzierung 

Text: Anonymous User

27. Juli 2020

Nico Lumma (re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Bei Startups geht es nicht immer nur um tolle neue Produkte, sondern vor allem in der frühen Phase erst einmal ums Geld. Wo kommt die Kohle her, die es einer Gründerin ermöglicht, sich ein Team zusammenzustellen und loszulaufen? In der guten alten Zeit der New Economy hat es der Legende nach ausgereicht, das Wort Internet fehlerfrei buchstabieren und in Powerpoint verewigen zu können, damit die Investor*innen die Taschen aufmachen, aber das war damals und viele der Gründerinnen von heute kennen diese Zeit gar nicht mehr. 

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten, die über die Variante reiche Eltern hinausreicht. Und natürlich hat auch der Staat mittlerweile halbwegs erkannt, dass die sozialversicherungspflichtigen Jobs der Zukunft in den Startups von heute entstehen. Aber es gibt auch viel mehr Venture Capital Fonds und Business Angels, die in digitale Startups investieren, als noch vor 20 Jahren. 

Allerdings ist es nicht so, dass Gründer*innen einfach nur die Hand aufhalten müssen und schwupps direkt von einem Geldregen profitieren, sondern es bleibt weiterhin anstrengend, für frühphasige Startups Geld zu bekommen. Auf Reddit wird gerade der Beitrag “Videospieleentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. Oder: wie der Bund Startups vernichtet” kontrovers diskutiert, da sich dort der Gründer eines Gaming-Startups ausführlich darüber beschwert, wie umständlich und langwierig die bürokratischen Mühlen sein können, um an Fördergelder heranzukommen. 

Niemand mag bürokratische Mühlen. Aber wir alle wollen ja auch, dass der Staat besonnen mit unserem Geld umgeht. Daher bleibt es nicht aus, dass eine unabhängige Vorprüfung stattfindet. Wir sitzen in Hamburg selber in Entscheidungsgremien, die dann nach dieser Vorprüfung zusammen mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung entscheiden, welche Gründerteams mit Geldern der Stadt Hamburg unterstützt werden. Das ist eine wichtige Aufgabe, denn durch die staatliche Förderung wird der Zugang zu Geld fairer gestaltet. Wenn wir wollen, dass nicht nur Menschen gründen können, die leicht an Geld kommen, etwa weil sie bei der Geburtslotterie sehr viel Glück hatten und die Eltern entsprechende Kontakte haben, sondern auch Menschen, die etwa einen Migrationshintergrund haben oder nicht studiert haben oder weiblich sind. Dann ist es gut, dass der Staat früh mit finanziellen Mitteln unterstützt. 

Nicht alle Gründer*innen erhalten staatliche Förderung, genauso wie auch nicht alle Gründer*innen eine Finanzierungsrunde machen können, so wie sie es gerne möchten. Das mag im Einzelfall bedauerlich sein, liegt aber immer an mehreren Faktoren. Meist fängt es damit an, dass der Businessplan und die Präsentation des Gründerteams nicht überzeugen. Wenn der Funke nicht überspringt, ist das ärgerlich, aber daran können die Gründer*innen arbeiten. Wenn das Geschäftsmodell allerdings nicht plausibel erscheint, dann hat die junge Firma vermutlich doch grundlegende Probleme, die es zu analysieren gilt. Es empfiehlt sich daher immer, zunächst ein Minimum Viable Product (MVP) zu bauen. Das darf auch gerne so aussehen, dass sich das Team dafür schämt, aber es sollte anklingen lassen, was die Firma vorhat, wenn sie denn genügend Geld für die Entwicklung hat. Und auch wenn die Kleinteiligkeit nervt, so macht es Sinn, nicht gleich einen großen Batzen Geld für eine Idee haben zu wollen, sondern das MVP mit eigenen Mitteln zu bauen, dann Fördergelder im 5-stelligen Bereich einzuwerben oder bei einem Accelerator wie dem next media accelerator anzuheuern, um danach mit einem halbwegs soliden Produkt und schon aussagekräftigen Kennzahlen die Seed-Runde mit Beträgen zwischen 250.000 und 750.000 Euro anzugehen. 

Es gibt allerdings auch keinen Anspruch auf finanzielle Zuwendungen oder Investments, nur weil es gerade schick ist, Gründerin oder Gründer zu sein. Wir finden es gut, wenn aus unseren Steuermitteln junge Firmen unterstützt werden, um die Arbeitsplätze der Zukunft zu schaffen. Aber die Auswahlkriterien müssen hier genauso hart sein wie bei externen Finanzierungsrunden, gerade weil es unsere Steuergelder sind. 


Autor: W&V Redaktion

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