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Kolumne
Die Firmenkultur macht den Unterschied

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen und Menschen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: das Vermächtnis des Zappos-Gründers

Text: W&V Redaktion

7. Dezember 2020

Nico Lumma (re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Ende November ist Tony Hsieh im Alter von 46 Jahren gestorben. Er war bis zu diesem Sommer 21 Jahre lang Chef von Zappos.com, dem US-amerikanischen Schuhversandhändler, der 2009 für 1,2 Mrd US-Dollar von Amazon gekauft wurde. Hsieh hatte früh erkannt, dass es möglich ist, den Verkauf von Schuhen online zu ermöglichen und Zappos gilt als das Vorbild für Zalando, das erst 2008 gegründet wurde.

Aber Hsieh wird für immer dafür in Erinnerung bleiben, dass er nicht einfach nur einen Schuhversender gebaut, sondern eine ganz besondere Kultur etabliert hat, die Zappos von anderen Unternehmen unterscheidet. In gewisser Weise hat er das Schlagwort New Work, das seit einigen Jahren durch deutsche Unternehmen getrieben wird, vorweggenommen und eine Firmenkultur geschaffen, die ihresgleichen sucht. Zappos wurde bekannt als ein Unternehmen, das Customer Service wirklich lebt und alle Aktivitäten auf die Zufriedenheit der Kunden ausrichtet. Tony Hsieh sagte einmal "Zappos is a customer service company that just happens to sell shoes” und ihm war auch klar, dass dies nur funktioniert, wenn die Mitarbeiter:innen ebenfalls zufrieden sind. Daher wurden schon früh Freiräume geschaffen und Arbeitsweisen etabliert, die im Sinn hatten, dass die Zufriedenheit der Belegschaft konstant hoch bleibt. "Businesses often forget about the culture, and ultimately, they suffer for it because you can't deliver good service from unhappy employees" - dieser Satz von Hsieh beschreibt die Attitüde hinter Zappos ziemlich eindrücklich.

Ein Grundpfeiler dieser Firmenkultur ist, dass neuen Beschäftigten in den ersten Wochen 1.000 Dollar angeboten werden, wenn sie das Unternehmen verlassen wollen, weil sie nicht zufrieden sind. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn es jemandem nicht gefällt, in einer Firma zu arbeiten, wird die Qualität der Arbeit vermutlich auch nicht zufriedenstellend sein. Und mit einem Handgeld geschieht sogar eine Trennung ohne Streit - ganz im Sinne der Kultur für alle, die weiter dabei bleiben.

Der andere Grundpfeiler der Firmenkultur von Zappos ist, dass die Beschäftigten eine starke Identifizierung mit dem Unternehmen auch dadurch erreichen, dass die Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit fließend sind und sie sich im Büro wohlfühlen.

Hsieh hat diese Firmenkultur ständig weiter entwickelt, weil er als innovativer Unternehmer wusste, dass nur das Ausprobieren neuer Ideen dazu führt, dass eine Firma besser wird. 

Tony Hsieh hat in seiner zu kurzen Wirkungszeit alle relevanten Stellen im idealtypischen Werdegang eine:r Gründer:in durchlaufen: Gründung des ersten eigenen Startups - Exit durch Verkauf an Microsoft - Aufbau eines VCs, um wieder in die Startupszene zu investieren - Einstieg als CEO bei einem Portfoliounternehmen (Zappos) - erneuter Verkauf, diesmal an Amazon. Darüber hinaus hat er beträchtliche Teile seines Vermögen eingesetzt, um in Las Vegas dringend benötigte Impulse zur wirtschaftlichen Belebung der Innenstadt voranzutreiben. Er war beseelt davon, dass Startups und technische Innovationen die Gesellschaft voranbringen werden. 

“Culture eats strategy for breakfast” ist ein Zitat, dass seit vielen Jahren Peter Drucker zugeschrieben und häufig genutzt wird, wenn Kultur-Workshops stattfinden. Wir sollten Tony Hsieh als jemanden in Erinnerung halten, der bei diesem Thema eigene Ideen umgesetzt hat und dafür sorgen, dass die Firmenkultur so ist, dass sich alle wohlfühlen, Kund:innen und Beschäftigte. Nur dann entsteht Gutes, das Bestand hat.

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