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Kolumne
Ein Link als Wegweiser zur GenZ

Nico Lumma und Christoph Hüning sind Managing Partner beim Next Media Accelerator und schreiben jede Woche darüber, welche Trends sich gerade entwickeln und wie Startups etablierte Marktteilnehmer herausfordern.

Text: W&V Redaktion

15. Februar 2021

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Es gibt einen kleinen, aber feinen Trend, der gerne übersehen wird, wenn User:innen außerhalb der GenZ aktiv sind. Uns ist das zum ersten Mal so richtig aufgefallen, als wir vor einem Jahr unsere Portfolio-Übersicht um die neu hinzugekommenen Startups aus Batch 11 ergänzen wollten und dann leicht irritiert waren, dass ForteeNews keine eigene Website mehr hatte. Und diese auch nicht brauchte, um die eigene Zielgruppe zu erreichen.

Der gute alte Universal Resource Locator, gemeinhin als URL bekannt, ist eine ziemlich coole Sache, denn er sorgt dafür, dass das Web verlinkt ist, dass wir Sprungmarken setzen können, um von einem Inhalt zum anderen springen zu können. Früher hieß das Setzen eines Links auf einen URL auch gerne noch Hyperlink (Hyper, Hyper!), weil es klar machte, dass Inhalte zwar verknüpft sind, aber nicht unbedingt physikalisch verbunden sein müssen. Damals gab es auch Verweise, aber die fanden sich in Fußnoten wissenschaftlicher Texte und wer weiterlesen wollte, musste sich erst einmal das Buch aus der Bibliothek besorgen. 

All das wird die typischen GenZ User:innen wenig interessieren, für sie ist das Konzept “Link in Bio” relevant. Es gibt nämlich üblicherweise auf Instagram, TikTok, Snap und Co. nur noch eine Möglichkeit, auf etwas zu verlinken, und das ist der eine Link im Profil der Content-Anbieter:innen. Wenn wir knapp 20 Jahre zurückdenken, als Blogs auf einmal das Web mit neuen Inhalten bereicherten, da war ein Erfolgsrezept der Link. Blogs waren eng miteinander verknüpft und haben Hyperlinks zu anderen Blogs, aber auch zu anderen Blog-Artikeln gesetzt. Diese Verknüpftheit und die Häufigkeit, in der neue Inhalte erstellt wurden, sorgten dafür, dass Blogs in den Google Suchergebnissen eine ziemliche Relevanz bekommen hatten und damit Traffic auf Blogs geleitet wurde. Nun wurde also der umgekehrte Weg der künstlichen Verknappung gewählt, vermutlich auch, damit Nutzer:innen nicht den Anreiz bekommen, auf Links unterhalb der Inhalte zu clicken und so die App zu verlassen. Das war eine weise Entscheidung, denn ansonsten würden Instagram und Co. sicherlich mittlerweile von Affiliate-Links unter Postings dominiert werden, so wie es bei vielen Blogs (und Online-Artikeln generell) zu sehen ist.

Dieser eine Link in Bio ist mittlerweile der heiß umkämpfte Bereich in den Apps geworden und eine Vielzahl von Anbietern wie Linktree, Lnk.bio, Flooz, Beacons, Universe oder Luma versuchen, in die Herzen der Anwender:innen und in den heiß begehrten Link in Bio zu kommen, indem sie einfach und schnell nutzbare Mini-Website-Baukästen anbieten. Sie sind in gewisser Weise die Antithese zu Jimdo und Wix, denn sie bestechen durch Einfachheit und Reduktion, nicht durch Vielfalt und viele bunte Features. Auch in unserem Portfolio gibt es mit Heysite einen Landingpage Generator, der in wenigen Klicks attraktive Seiten erstellt. Ältere unter uns erinnern noch die Baukästen für RSS-Feeds, mit denen jede:r leicht Inhalte zusammenstellen konnte. Diese neue Welle der Baukästen ist quasi ähnlich, nur eben sehr reduziert und konsequent fokussiert auf mobile Nutzung. Link-zentrierte Baukästen wachsen zu Plattformen heran, mitsamt Verzeichnissen von Content-Creator:innen, Toolkits für besseren Abverkauf und interner Vernetzung. Linktree hat im Oktober 10 Mio US$ an Venture Capital eingesammelt, um den Link in Bio zu dominieren.

Für GenZ gehört der eine Link als Ausdrucksform zu Insta, TikTok und Snap fest dazu, aber hinter dem Link steckt noch viel mehr: Hier geht es zu weiteren Inhalten, die auf anderen Plattformen entwickelt wurden und hier finden sich dann auch Affiliate-Links und Mini-Shops, die für die Monetarisierung der Inhalte erforderlich sind. Kleiner Tipp: Wenn im Link in Bio nur eine herkömmliche Website steht, wird es sich nicht um ein GenZ Angebot handeln. In einer Zeit der flüchtigen Inhalte ist der Link in Bio das einzig Beständige.

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