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Startup-Kolumne:
Ein Schutzschirm nur für Start-ups?

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator erklären bei W&V, warum Start-ups aus ihrer Sicht im Vergleich zur klassischen Industrie deutlich mehr Relevanz zuteil werden sollte

Text: W&V Redaktion

8. Mai 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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“When the sun shine, we shine together

Told you I'll be here forever

Said I'll always be your friend

Took an oath, I'ma stick it out to the end

Now that it's raining more than ever

Know that we'll still have each other

You can stand under my umbrella”

 

Schon Rihanna wusste: In guten Zeiten zusammen zu stehen, ist einfach, aber entscheidend ist, wer Dir in schlechten Zeiten anbietet, mit unter ihren Schirm zu kommen. So sieht es aktuell auch in vielen Bereichen der globalen Wirtschaft aus, eigentlich alle Industrien sind durch Corona unter Druck und die Regierungen definieren Volumina und Regeln für die jeweiligen Schutzschirme.

Lange sah es so aus, dass Startups hier in die Röhre schauen, aber nun sind zwei Milliarden Euro von der Bundesregierung zugesagt worden. Natürlich gab es hierzu bereits einige Diskussionen und auch Kritik. Zu investorenfreundlich sei das Programm oder zu wenige Startups wirklich systemrelevant, hieß es dort.

Das Paket (bzw. der Schirm) ist grob gesagt für zwei Gruppen von Startups interessant: Wenn schon ein VC oder ein Fonds investiert ist, kann dieser gemeinsam mit der KfW Capital Geld nachschießen und so günstig investieren. Und für Startups ohne bisheriges VC-Investment wird es eigene Lösungen geben, die dann über die jeweiligen Landesbanken realisiert werden (müssen).

Dass nun auch Startups sichtbar genug sind, um bei den Corona-Hilfen bedacht zu werden, ist eine gute Nachricht. Ob der definierte Schirm der richtige ist, werden wir erst hinterher wissen, das ist aber bei allen Rettungspaketen so. Und in Zeiten, in denen als Reaktion auf Corona schon wieder Kaufanreize für Autos diskutiert werden - was ja schon bei der Finanzkrise 2008/9 (die Älteren erinnern sich) das Lieblingsthema von Industrie und Politik war - hat die Startup-Szene sich hier zumindest spürbar weiterentwickelt.

Aber wie steht es denn um Startups in Corona-Zeiten, wie dringend wird der Schutzschirm benötigt? Wir lesen, dass AirBnB das Büro Barcelona mit 1.000 Mitarbeiter*innen schließt und generell ein Viertel der Stellen abbaut - und das ist sicher die prominente Spitze des Eisbergs, was die Zukunft von Travel-Startups betrifft. Die deutsche Fraktion dieser Branche geht in einen offenen Streit mit Google, um 75 Millionen Euro Werbekosten aus dem ersten Quartal 2020 erstattet zu bekommen, die in Reisebuchungen gemündet hatten, die nun storniert wurden. Aus Sicht eines Accelerators mit Fokus auf die Medienindustrie halten wir dieses Vorgehen für etwas ungewöhnlich, da ja auch andere Anzeigen im ersten Quartal geschaltet wurden und wir von dieser Forderung nur gegenüber Google gehört haben, aber aus PR-Sicht sicher ein interessanter Move: Gute deutsche Startups gegen bösen amerikanischen Konzern, das geht immer.

Eine Industrie, in der wir auf einen Push für Startups gehofft hatten, ist sicher das Thema Gesundheit. Aber nun wird wohl die offizielle Corona-App von Telekom und SAP entwickelt werden - bisher keine Garanten für kurze Projektlaufzeiten und schlanke Lösungen. Schade, dass hier keinem Startup die Chance gegeben wurde, sich einzubringen!

Vom Einbrechen der weltweiten Börsen und der Hoffnung auf schnelle Genesung konnte TradeRepublic aus Berlin profitieren, die einige Wochen lang wegen zu viel Neukunden-Andrang quasi geschlossen waren und jetzt beachtliche 62 Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde einsammeln konnten. Und auch die Lieblingsbank der Gen Z hat gerade Geld einsammeln können: Weitere 92 mio € für N26 sind ein deutliches Zeichen, dass dieses Startup den etablierten Banken weiterhin erfolgreich Kunden abgreifen wird. 

Innovation bedeutet allerdings auch, konsequent neue Wege zu gehen und liebgewonnene Traditionen abzustreifen. Das fällt auch nicht allen in unserer Medienbranche leicht, was wir zum Beispiel an der albernen Idee erkennen, künftig (mit staatlicher Förderung!) die morgendliche Tageszeitung per Drohne zustellen zu können, um endlich einen Ausweg aus dem lästigen Mindestlohn für Zusteller zu finden. Konsequente Digitalisierung sieht anders aus.

Es wird noch dauern, bis Startups dieselbe Relevanz haben wie klassische Industrien. Oder sind Startups ab einer bestimmten Größe nicht auch Teil dieser Industrie und rücken quasi eine Stufe auf? Ist AirBnB eigentlich noch ein Startup? Es bleibt spannend, wir hoffen zunächst, dass mit den 2 Milliarden möglichst viele gute Ideen, Teams und Produkte gestützt werden, die nach Corona wieder erfolgreich durchstarten! Es macht auf alle Fälle mehr Sinn, die Arbeitsplätze der Zukunft jetzt zu sichern, als etablierten Branchen mit ihrer Resistenz gegenüber Wandel jetzt noch gutes Geld hinterherzuwerfen. 

Jetzt gilt es, schnell Fakten zu schaffen und Pläne auch umzusetzen. In der offiziellen Ankündigung hieß es, dass in dieser Woche Anträge gestellt werden können und noch im Mai die ersten Auszahlungen stattfinden. Da aber bisher keine weiteren Details zum Verfahren bekannt sind und am heutigen Freitag ein Feiertag in Berlin ist, könnte es direkt zum Start etwas knapp werden.

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