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Social Media
Einblicke in das Geschäftsmodell mit gekauften Likes

Das Geschäftsmodell mit gekauften Likes floriert: Allein in Deutschland sollen zehntausende Social-Media-Accounts davon profitieren. Laut NDR, WDR und "Süddeutsche" gehören dazu auch Auftritte von Politikern und Parteien.

Text: W&V Redaktion

19. Dezember 2019

Das Geschäft mit den gekauften Likes stellt die Glaubwürdigkeit der Social-Media-Währung in Frage.
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Wer mit seinen Social-Media-Accounts viele Likes erzielt, ist offenbar beliebt oder zumindest so relevant, dass die gezeigten Inhalte ein breites Interesse finden. Doch der Schein trügt, wie ein Beitrag der Süddeutschen Zeitung jetzt belegt: Laut Recherchen von SZ, NDR und WDR sind viele der blauen Daumen und roten Herzchen nicht echt, sondern gekauft. Zehntausende Facebook-, Instagram- und Youtube-Accounts sollen in den letzten Jahren davon profitiert haben.

Angeboten werden die gekauften Likes von Unternehmen wie die im Artikel genannte Firma Paidlikes in Magdeburg. Die beschäftigt für wenig Geld so genannte Clickworker, die den lieben langen Tag nichts anderes machen, als sich durch vorgegebene Seiten im Netz zu clicken und so ihr Interesse vorzugaukeln. Andere Firmen lassen dies auch von Bots erledigen. Aber egal, ob Clickworker oder Bot: Sie alle verleihen nicht nur Inhalten eine künstliche Relevanz, die diese womöglich gar nicht hätten. Sie stellen auch die Authentizität der Social-Media-Währung komplett infrage.

So soll allein Paidlikes über 90.000 Social-Media-Präsenzen beliefert haben. Das geht aus einer Liste hervor, die SZ, NDR und WDR von Wissenschaftlern der Ruhr-Universität Bochum erhalten haben. Unter den Profiteuren sind alle möglichen großen und kleinen Unternehmen, aber anscheinend auch Politiker und Parteien.

Rechtlich noch eine Grauzone

Rechtlich bewegen sich die Magdeburger wie auch die anderen Anbieter "unechter" Likes mit ihrem Geschäftsmodell wohl noch in einer Grauzone, auch wenn einige Experten laut der SZ hier schon den Tatbestand der Wettbewerbsverzerrung sehen. Das scheint die Betreiber der sozialen Netzwerke bislang aber wenig gestört zu haben. Obwohl beispielsweise Paidlikes das Geschäft schon seit sieben Jahren betreibt, sind weder Facebook noch Youtube oder Instragram eingeschritten.

Auf Nachfrage der SZ hat zumindest Facebook reagiert und der App, mit der die Clickworker von Paidlikes arbeiten, den Zugriff auf die Facebook-Daten vorübergehend gesperrt. Auf Instagram und Youtube soll das Paidlikes-Modell aber offenbar weiterlaufen.

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