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TechTäglich
Enttarnt! So sieht Alexa wirklich aus

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit dem Gesicht der Amazon-Assistentin und mit dem Telefax als Datenschutz-Sünder.

Text: W&V Redaktion

12. Mai 2021

Hallo, Alexa, zeig uns ein Bild von Dir! Amazons Sprachassistentin hat jetzt ein Gesicht.
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Enttarnt! So sieht Alexa wirklich aus

Alexa, wir haben leider kein Foto für Dich! Seit der Einführung seiner Sprachassistentin 2015 macht Amazon ein großes Geheimnis aus der Identität der Stimme, die Millionen von Menschen kennen und täglich hören. Im Gegensatz zu Apples ursprünglicher Siri-Stimme Susan Bennett, die sich schon 2013 "outete", gab es bisher tatsächlich kein Gesicht zum US-Original von Alexa. Doch der Journalist Brad Stone löst das Rätsel jetzt. Er stellt in seinem Buch "Amazon unaufhaltsam", das am 17. Mai erscheint, die blonde Alexa vor. Die Stimme stammt von Nina Rolle, einer Synchronsprecherin aus Boulder in Colorado. Stone will den Namen bei Recherchen unter Synchronsprechern erfahren haben. Und auch wenn weder Rolle noch Amazon die Info bestätigen wollen, sprechen die Arbeitsproben auf Rolles Website im wahrsten Sinne des Wortes eine deutliche Sprache.

"Man kann die beruhigenden Töne von Alexa absolut in der Stimme von Nina Rolle hören. Oder, genauer gesagt, man kann absolut hören, woher Alexas beruhigende Töne kommen, wenn man Rolle zuhört", ist The Verge überzeugt. In den Sprach-Samples klingt Nina Rolle zwar noch deutlich variantenreicher und lebendiger als mit Amazon-Stimme, doch die weltbekannte Alexa ist deutlich herauszuhören. Dass die Software-Alexa künstlicher und weniger emotional klingt, liegt daran, dass die eingesprochenen Texte und Bausteine per Software in zahllose Einzelteile zerlegt, bearbeitet und je nach Bedarf immer wieder neu zusammengesetzt werden. Doch Basis von SprachassistentInnen wie Alexa und Siri bleibt nach wie vor eine menschliche Stimme – die im Fall von Amazon jetzt erstmals ein sympathisches Gesicht bekommen hat. Ausgesucht hat die Sprecherin laut Journalist Brad Stone übrigens Jeff Bezos persönlich, der sich unter den besten Bewerberinnen für Nina Rolle entschieden haben soll.

Nina Rolle – ihre bekannteste Rolle spielt sie unsichtbar für Amazon.

Apple: Neues iPad schneller als MacBook Pro für 3.200 Euro

Am 20. April hat Apple die neueste Generation seines Profi-Tablets iPad Pro (ab 879 Euro) vorgestellt, das voraussichtlich ab 21. Mai geliefert wird. Tests sind bisher noch keine erschienen. Aber Geekbench meldet erste spektakuläre Leistungsdaten, die Anfang der Woche in seinen Statistiken aufgetaucht sind. Sie stammen mutmaßlich von Journalisten, die das iPad Pro derzeit testen dürfen und die Tempomessungen durchgeführt haben – die ihre Reviews aber noch bis zu einem Stichtag zurückhalten müssen. Demnach kommen die beiden Modelle mit 11 Zoll und mit 12,9 Zoll in mehreren praktisch identischen Messungen im Betrieb mit einem Prozessorkern auf rund 1.720 Geekbench-Punkte, und mit voller Leistung im Multi-Score auf 7.280 Punkte. Damit hält das neue iPad, das erstmals mit Apples eigenem M1-Chip läuft, die Versprechen aus der Ankündigung ein – und arbeitet rund 50 Prozent schneller als sein Vorgänger von 2020.

Noch beeindruckender ist die Tatsache, dass das M1-iPad Pro damit laut Cult of Mac sogar Apples aktuell noch schnellstes MacBook Pro mit Intel-Chip übertrifft. Das 16 Zoll große Profi-Notebook mit i9-Prozessor, das laut Apple "zeigt, was möglich ist", kostet mindestens 3.199 Euro und kommt im Multi-Score trotzdem "nur" auf 6.845 Geekbench-Punkte – 435 Punkte weniger als ein Tablet. Damit zeigt dann eher das neue iPad Pro, was mit dem M1-Chip möglich ist, beispielsweise für Grafiker, Musiker und Filmschaffende, die es als Arbeitswerkzeug nutzen. Bei so viel Leistung und bei praktisch gleicher Hardware-Architektur dürften Forderungen noch lauter werden, endlich auch macOS auf dem iPad Pro verfügbar zu machen. The Verge formuliert das so: "Bringt macOS aufs iPad, Ihr Feiglinge!" Denn schlussendlich wird die exzellente Hardware der iPads immer noch von den Limitierungen von iPad OS ausgebremst. Und damit ist auch das neue Profi-Tablet weiterhin keine vollständige Alternative zum Mac. Bisher lehnt Apple diese "Fusion" aber ab – wohl auch, um dem Verkauf seiner meist noch deutlich teureren Mac-Computer nicht zu schaden.

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Aufgetischt! Uber Eats ab heute in Berlin

In Berlin kommen ab sofort auch Pizza, Burger oder Sushi per Uber. Denn heute startet Uber Eats, der Essens-Lieferdienst des US-Taxikonkurrenten, als Deutschland-Premiere in der Hauptstadt. Auf der neuen deutschsprachigen Homepage von Uber Eats heißt es bereits im Spree-Slang: "Uber Eats ist jetzt neu in deinem Kiez. Da kiekste, wa? Bestelle jetzt." Laut BZ kooperieren zum Start mehr als 200 Berliner Restaurants mit dem Lieferando-Rivalen. Über 500 Essenskuriere sollen zunächst mit dem Fahrrad ausschwärmen. Beliefert werden momentan nur Mitte, Teile von Prenzlauer Berg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Doch Uber Eats will das Liefergebiet zügig ausbauen.

"Wir freuen uns sehr, unser Angebot nun auch nach Deutschland zu bringen, denn die Nachfrage ist hierzulande groß", erklärt Uber-Sprecher Tobias Fröhlich. Das Interesse soll so groß sein, dass deutschlandweit bereits letztes Jahr fast eine halbe Million Mal versucht wurde, die Uber-Eats-App zu nutzen, obwohl das Angebot bei uns noch gar nicht am Start war. Beobachter gehen davon aus, dass Uber Eats versucht, Restaurants mit günstigeren Konditionen als Marktführer Lieferando anzulocken, der satte 13 bis 30 Prozent für Essensvermittlung und Lieferung einbehält. Wie viel Provision Uber Eats verlangt, und wie (mutmaßlich) prekär die Kuriere beschäftigt werden, ist bisher noch nicht bekannt. Eine Reporterin des Schweizer Fernsehens SRF hat ihre Erfahrungen als Uber-Eats-Kurierin so zusammengefasst: "In dem gefährlichen Job haben sie ein hohes Risiko, und das alles für einen tiefen Lohn."

Da kiekste, wa? Uber Eats stillt jetzt auch in Deutschland den Hunger.

Telekom bei der Fußball-EM: Für jedes Jogi-Tor 1 GB Datenvolumen

Am 11. Juni soll mit einem Jahr Verspätung die Fußball-Europameisterschaft 2020 (bzw. 2021) starten – wenn nicht doch noch Corona die Pläne der UEFA über den Haufen wirft. 41 der 51 Spiele sind bei ARD und ZDF zu sehen. MagentaTV, das Internet-Fernsehen der Telekom, zeigt alle Spiele live. Zehn der Partien laufen also exklusiv in pink, darunter auch das Top-Duell in der deutschen Gruppe zwischen Europameister Portugal und Weltmeister Frankreich am 23. Juni. Moderator ist ZDF-Leihgabe Johannes B. Kerner, der für die Telekom zu seinen Fußball-Wurzeln zurückkehrt. Ansonsten sind unter anderem Demnächst-Hertha-Sportchef Fredi Bobic, Alt-Capitano Michael Ballack und Sky-Stimme Wolff Fuss zu sehen und zu hören.

Die Telekom dürfte auf eine besonders starke Nutzung ihrer EM-Übertragungen auf Smartphones und Tablets setzen. Das Abo ist als Europameisterschafts-Angebot drei Monate lang ohne Aufpreis zu haben und kostet für den Rest des Zweijahres-Vertrages zehn Euro im Monat. Mobilfunkkunden der Telekom sollen der momentan nicht allzu populären "Die Mannschaft" besonders die Daumen drücken. Denn für jedes DFB-Tor (aber nur innerhalb der regulären Spielzeit) rückt die Telekom ein Gigabyte zusätzliches Datenvolumen raus, das sich dann über die "MeinMagenta"-App buchen lässt. Bleibt zu hoffen, dass es die Löw-Elf spätestens mit dem Comeback von Thomas Müller öfter krachen lässt als zuletzt bei der WM 2018 in Russland – und dass der DFB nicht weiterhin Eigentore am Fließband schießt. Die zählen nämlich nicht fürs Gratis-Datenvolumen.

Die Mannschaft: Unter anderem mit Fredi Bobic, Johannes B. Kerner und Wolff Fuss tritt die Telekom bei der Fußball-EM an.

Zu unsicher! Faxen verstößt gegen die DSGVO

Wenn das Fax-Fan Uli Hoeneß hört! Sein traditionelles Lieblingsgerät zur Datenübermittlung gilt als nicht mehr sicher genug und verstößt gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Darauf verweist jetzt die Bremer Landesdatenschutzbeauftragte Imke Sommer. Sie schreibt auf ihrer Website: „Galt ein Telefax noch vor einigen Jahren als relativ sichere Methode, um auch sensible personenbezogene Daten zu übertragen, so hat sich diese Situation grundlegend geändert.“ Denn laut Sommer kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass an der Gegenstelle der Faxübertragung auch ein reales Faxgerät existiert. Meist werden heutzutage Systeme genutzt, die ankommende Faxe automatisiert in eine E-Mail umwandeln und diese dann an bestimmte E-Mail-Postfächer weiterleiten.

Somit werden auch Faxe mit Internettechnik übermittelt. Folge, so die Bremer Datenschützerin: „Aufgrund dieser Umstände hat ein Fax hinsichtlich der Vertraulichkeit das gleiche Sicherheitsniveau wie eine unverschlüsselte E-Mail.“ Es gibt damit keinerlei Sicherungsmaßnahmen mehr, um die Vertraulichkeit der Daten zu gewährleisten. Gerade für Nutzer, die sensible Personendaten übermitteln, zum Beispiel Krankenhäuser, Arztpraxen oder Behörden, sind Faxdienste daher in der Regel nicht mehr für die Übertragung dieser Daten geeignet. Ihnen empfiehlt Imke Sommer die Nutzung verschlüsselter E-Mails – oder alternativ die gute alte Schneckenpost mit gut verschlossenen Umschlägen. Bei Uli Hoeneß am Tegernsee rattert übrigens noch ein echtes Telefax. Wer sich darüber mit einem Interviewwunsch an ihn wendet, handelt nach wie vor DSGVO-konform.

Garantiert nicht per Fax, sondern im neuartigen Internet, meldet sich ab Freitag an dieser Stelle wieder Uber-Eats-Kunde Michael Gronau aus Berlin mit den spannendsten Tech-Nachrichten. Allen Vätern einen schönen Vatertag!

Die Bedenken sind kein Pipifax: Das antike Medium ist zu unsicher.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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