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Kolumne
Es geht gerade nicht anders - so geht es aber ganz gut

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Sinnvoll und erfolgreich Netzwerken auf digitalem Weg

Text: W&V Redaktion

23. November 2020

Nico Lumma (re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Facebook ist manchmal echt fies. So hat es uns gerade daran erinnert, dass wir vor einem Jahr in Helsinki waren, zusammen mit 25.000 anderen Menschen. Jedes Jahr zieht die Slush Teilnehmer:innen aus der ganzen Welt an, die sich für Startups und Innovationen interessieren. Die Messehalle pulsiert und egal, wen wir treffen, alle sprudeln über vor Ideen. Für einige wenige Tage verlieren die Finnen ihre übliche Zurückhaltung und schaffen ein Forum für die Welt, bei dem neue Ideen im Fokus sind und es ist völlig egal, wie unrealistisch diese Ideen vielleicht sein könnten.

Dieses Jahr ist alles anders. Die Slush hat eine Woche lang virtuell stattgefunden und war wie so viele Konferenzen, die es seit März geben sollte, eine weitere Videosession. Keynotes von schlauen Redner:innen wirken in einem Raum voller Menschen irgendwie anders als auf einem Laptop, während die Zuhörer:innen im Schlafzimmer sitzen. Vor allem fehlt, dass Menschen direkt nach der Keynote gemeinsam über die interessantes Aspekte reden können. Denn dann kommen weitere Leute hinzu, die noch nicht jede:r kennt und die interessante neue Ideen formulieren. Von den zufälligen Treffen in den Fluren der Messehallen ganz zu schweigen. Konferenzen sind Marktplätze für Ideen, auf Konferenzen lernen wir Menschen kennen, die uns inspirieren und wir treffen Menschen, die wir nur selten sehen, aber mit denen wir uns gerne austauschen. Wir vertiefen und verbreitern unser Netzwerk auf jeder Konferenz und das schließt auch die Side Events und Dinnereinladungen natürlich mit ein. Egal, wie wenig wir schlafen während der paar Tage in Helsinki, wir kommen erfrischt von vielen neuen Ideen und energiegeladen voller Tatendrang nach Hause.

Es ist kein Wunder, dass dieses Jahr Lunchclub durch die Decke geht, eine neue Plattform fürs unverbindliche Netzwerken. Wenn sich noch nicht mal mehr zum Mittagessen neue Leute treffen können und Konferenzen sowieso nicht stattfinden, dann bietet es sich an, neue, hoffentlich unerwartete und dennoch spannende Ideen in einem kurzen Videocall auszutauschen. Lunchclub nutzt künstliche Intelligenz, basierend auf den eigenen Angaben und Interessen, um neue Gesprächspartner:innen für 1:1 Video-Meetings vorzuschlagen. Diese Pandemie wäre ohne Videostreams wirklich sehr einsam, aber so können wir immer noch das Beste daraus machen.

Es ist sehr einfach, mit Calendly oder ähnlichen Tools mit neuen Kontakten, die über LinkedIn, XING oder andere Kanäle kommen, schnell Termine für Videosessions über Zoom oder Google Meet zu vereinbaren. Wichtig ist nur, dass es Pausen zwischen den Videocalls gibt, sonst verschwimmen die neuen Kontakte und Ideen zu einem Kontakt-Ideen-Brei und sorgen nicht dafür, dass neue Impulse und Ideen hängenbleiben.

Auch wir haben unser beliebtes Matchmaking-Format Media Match von einer Präsenzveranstaltung zu einem Online-Event gemacht, um an einem Tag neue Leute kennenzulernen und über gemeinsame Projekte zu sprechen. Die nächste Runde findet an diesem Mittwoch (25. November) statt und alle registrierten Teilnehmer:innen können sich zu 20-minütigen 1:1-Gesprächen verabreden. Eingeladen sind Startups, Investor:innen und Corporates aus der Medien-  und Marketingwelt. Es ist nicht dasselbe, wie mit anderen Menschen an einem Tisch in der Messehalle von Helsinki oder auf unserem Stand beim OMR Festival in Hamburg zu sitzen, während es um einen herum pulsiert, aber aktuell geht es nicht anders. Und wenigstens bekommen wir es auf diese Weise hin, neue Leute kennenzulernen und viele Teilnehmer:innen zu vernetzen, während die eine oder andere vielleicht gerade im Schlafzimmer sitzt.

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