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Kolumne
Frauen gründen anders - und noch zu selten

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen und Menschen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Diversität in der Startup-Branche

Text: Anonymous User

13. Juli 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Startups sind bisher immer noch Männersache, jedenfalls sagen das die aktuellen Zahlen aus dem Female Founders Monitor für 2020: Noch nicht einmal 16 Prozent der Startups in Deutschland werden demnach von Frauen gegründet.

Das ist dramatisch, denn dadurch manifestiert sich vor allem Konformität in der Startup-Branche. So lange die überwiegende Mehrheit der Startups von Männern gegründet werden, sehen wir kaum Veränderungen. Denn diese Männer sammeln dann erfolgreich Geld in Finanzierungsrunden ein, die von Männern vorangetrieben werden, weil diese die Themen verstehen, auf die männliche Gründer setzen. Später verkaufen Männer ihre Startups und wenn alles gut geklappt hat, werden sie Business Angel. Und investieren wiederum in Themen, die sie verstehen: Männerthemen. Und anders als bei Frauen- versus Männer-Zeitschriften meinen wir hier nicht Autos oder das richtige Grillen, aber die Tatsache, dass Männer im Business-Kontext unterschiedlich agieren und entscheiden.

Diese Konformität lässt die deutsche Startup-Branche im internationalen Vergleich zurückfallen, denn wir blenden Themen aus, die eher für Frauen relevant sind oder an die Frauen anders herangehen. Wir erinnern uns: Es gibt auf der Welt etwas mehr Frauen als Männer. Dadurch, dass Männer bessere Chancen auf Investments für ihre Firmen haben, verzwergt sich die Branche selber, es wird viel Potential weggeworfen. Aber dadurch, dass die Startup-Branche so männlich dominiert ist, fällt es gar nicht auf. Die Old-Boys-Networks funktionieren hervorragend, jedenfalls aus Sicht der Beteiligten, denn WHU, EBS und HHL spucken immer wieder junge Absolventen aus, die hervorragend in das gängige Raster passen. Und so dreht sich das Rad immer weiter, ohne dass sich an diesem Kreislauf wirklich etwas ändert.

Es muss sich aber etwas ändern, wenn die deutsche Startup-Szene erfolgreicher werden will und endlich realisiert, dass sie nicht weiter die Hälfte der Menschheit und ihre Themen ignorieren kann. Das bedeutet aber auch, dass Venture Capital Firmen viel mehr Frauen als Partner benötigen, dass viel mehr weibliche Business Angel in der frühesten Phase an Frauen glauben müssen und dass die Bro-Culture endlich in die Tonne getreten wird, da sie Frauen strukturell benachteiligt. Allerdings ist aktuell nicht zu erkennen, dass die VC-Szene in Berlin das schon begriffen hat oder überhaupt merkt, dass sie Teil des Problems ist. Ein Blick nach Skandinavien zeigt deutlich: Es geht auch anders. Dort gibt es female Founders, aber auch weibliche Investorinnen und Netzwerke, in denen Frauen eine aktive und wichtige Rolle spielen.

Ganz selbstkritisch müssen auch wir sagen: Der next media accelerator wird seit 2015 von drei Männern geführt. Aber wir haben das Thema frühzeitig adressiert und heute eine Frauenquote von 50 Prozent im gesamten Team. Dabei legen wir viel Wert darauf, dass unsere Kolleginnen bei den Investment-Entscheidungen einen gleichberechtigten Anteil haben und uns ebenso nach außen vertreten. Dadurch verbreitern wir unsere Perspektive auf interessante Firmen, in die wir investieren. Und ganz nebenbei haben wir seit knapp drei Jahren knapp die Hälfte unser Investments in Firmen getätigt, die von Frauen mit- / gegründet wurden. Dadurch haben wir uns mit Themen auseinandergesetzt und Innovationen in Bereichen vorangetrieben, auf die wir vor einiger Zeit nicht gekommen wären. So haben wir z.B. Startups im Portfolio, die sich mit den Themen Diversity oder Emotionen als Basis für Entscheidungen beschäftigen. Aber darüber hinaus haben alle diese Teams wirklich beeindruckende AI-Entwicklerinnen, weibliche Kreative oder Managerinnen an Bord, die uns jeden Tag zeigen, dass Vielfalt ein echter Mehrwert ist.

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.” Die deutsche Venture Capital Branche sollte dringend mehr Frauen in Führungspositionen bringen und dringend mehr in Startups investieren, die von Frauen gegründet wurden. Es wird dem Startup-Ökosystem in Deutschland gut tun. 


Autor: W&V Redaktion

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