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TechTäglich
„Frauen sind nutzlos“: Apple feuert Top-Manager

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit Apples Feuer-Aktion und der CDU-App-Blamage.

Text: W&V Redaktion

14. Mai 2021

Inklusion, Diversity und den Kampf gegen den Rassismus hat sich Apple auf die Fahnen geschrieben.
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"Frauen sind nutzlos": Apple feuert hochrangigen Mitarbeiter

Pikante Personalie bei Apple: Erst am vergangenen Montag hatte der Konzern den Werbe-Spezialisten Antonio Garcia Martinez eingestellt. Er sollte im Marketing-Team eine leitende Position im Bereich Apple News besetzen. Zunächst sorgte das Vorleben von Garcia Martinez für Aufsehen. Mitten in der Diskussion um Apples Anti-Ausspähschutz, der gerade Unternehmen wie Facebook und Instagram ins Visier nimmt, wurde bekannt, dass Garcia Martinez von 2011 bis 2013 in der Werbe-Abteilung von Facebook gearbeitet hatte. Ungeschickt! 

Der Werbespezialist geriet dann noch weiter unter Druck. Direkt nach Bekanntgabe der Entscheidung wurde eine Petition von 2000 Apple-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern ins Leben gerufen. Sie stellte sich gegen Garcia Martinez, der in einem Buch über das Silicon Valley misogyne Kommentare von sich gegeben hatte. In "Chaos Monkey" beschreibt er Frauen im Tech-Sektor als "weich und schwach" und sagt weiter, dass sie "nutzlos" seien. Kritiker monierten, Teile des Buches, das Garcia Martinez "all meinen Feinden" gewidmet hatte, seien rassistisch und sexistisch.

Apple reagierte nach einem "Emergency Meeting", wie das Portal The Verge schreibt. Aufgrund dieser Aussagen entließ der Konzern Garcia Martinez jetzt direkt wieder und kommentierte: "Bei Apple haben wir uns stets bemüht, einen integrativen, einladenden Arbeitsplatz zu schaffen, an dem jeder respektiert und akzeptiert wird. Verhalten, das Menschen erniedrigt oder diskriminiert, hat hier keinen Platz." Unklar bleibt, warum diese Haltung nicht bereits den Einstellungsprozess beeinflusste. Wer sich bei Apple bewirbt, muss aufwändige Vorstellungsrunden durchlaufen und der Konzern galt bisher in Sachen Diversity als vorbildlich. Im aktuellen Inclusion & Diversity-Bericht zeigt Apple, welche Fortschritte das Unternehmen in den letzten zwei Jahren gemacht hat. Frauen machen 34 Prozent der Mitarbeiter aus, gegenüber 33 Prozent im Jahr 2018 und 30 Prozent im Jahr 2014. Noch deutlicher ist der Anstieg bei den Mitarbeitern unter 30 Jahren, wo der Anteil der Frauen seit 2014 von 31 auf 40 Prozent stieg.

"Where every great idea can be heard. And everybody belongs" ist das Motto für Apples Website zu Inklusion und Diversität.

CDU blamiert sich mit Wahl-App

"Wir brauchen mehr Tempo bei der Digitalisierung", forderte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet zuletzt Anfang März. Und seine Partei fügte an: "Homeoffice statt Berufsverkehr, Online-Anträge statt Warteschlangen, Video-Konferenzen statt Meetings. Laschet möchte lange Prozesse bei Entwicklungen zur Digitalisierung verkürzen und Datenschutz praxisnäher umsetzen".

Inzwischen darf bezweifelt werden, dass die CDU bzw. Laschet wirklich in der Lage ist, Deutschland zu digitalisieren. Aktuell hat sich die Partei mit der hauseigenen App "Connect" schwer blamiert. Die Anwendung vernetzt die CDU-Wahlhelfer bereits seit 2016. Nun musste die CDU die App abschalten. Die Bloggerin und Sicherheits-Expertin Lilith Wittmann hat in einem ausführlichen Blogpost ("Wenn die CDU ihren Wahlkampf digitalisiert") enorme Sicherheitslücken in der App aufgedeckt. Wittmann moniert: "Auf den ersten Blick ist mir dabei aufgefallen, dass die App gängige Security Practices wie Zertifikatspinning nicht umsetzt und dass es somit supereinfach war, auf die Programmierschnittstelle zuzugreifen." 

Die Bloggerin bekam problemlos Zugriff auf Kampagnen-Details für den Haustürwahlkampf, darunter die "persönlichen Daten von 18.500 Wahlkampfhelfern, mit E-Mail-Adressen, Fotos" sowie die "persönlichen Daten von 1.350 Unterstützer*innen, die angeworben wurden, der CDU im Wahlkampf zu helfen, inklusive Adresse, Geburtsdatum und Interessen". Nun wollen die CDU-Digitalexperten "mit Hochdruck die Lücke schließen". Der Vorfall tue der CDU "sehr leid", man bitte um Entschuldigung. Wittmann fragt sich angesichts von hunderttausenden offengelegten Datensätzen allerdings jetzt: "Wenn eine Partei nicht fähig ist, ihre eigene Wahlkampf-App sicher und verantwortungsbewusst zu entwickeln, wie soll sie das dann mit der IT-Infrastruktur eines ganzen Landes hinbekommen?"

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Sonos erreicht Einstweilige Verfügung gegen Google

Sonos hat einen Teil-Erfolg im Rechtsstreit mit Google erzielt. Im Patentzoff mit dem Tech-Riesen erließ das Gericht in Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen Google Irland. Streitpunkt sind Patente auf die Steuerung von Musikstreams von einem zweiten Gerät aus (Google Cast), automatische Lautsprecher-Equalizer-Einstellungen und die Speaker-Gruppenverwaltung. Gegen die Einstweilige Verfügung hat Google zwar umgehend Widerspruch eingelegt. Dennoch könnte Google in der Folge der Verkauf seiner Lautsprechertechnologie in Deutschland untersagt werden. Betroffen sind Googles smarte Lautsprecher wie Nest Audio und Smartphones wie das Google Pixel 4a.

Laut Protocol zeigte sich Eddie Lazarus, Chief Legal Officer von Sonos, erfreut über die richterliche Entscheidung. Man sei "dankbar, dass das Gericht die eklatante Verletzung des geistigen Eigentums von Sonos durch Google anerkannt hat". Die Entscheidung sei "ein vielversprechender Meilenstein in unseren laufenden Bemühungen, unsere Innovationen zu verteidigen und uns gegen die unfairen Praktiken von Big Tech zu wehren." Google wiederum kritisierte laut Handelsblatt:"Wir sind enttäuscht, dass Sonos falsche Angaben über unsere Partnerschaft und Technologie gemacht hat." In den USA wird bis Mitte August eine Entscheidung im Patentstreit erwartet. Sonos fordert dort ein Einfuhrverbot für Google-Produkte. Ohnehin steht Google gerade unter Druck: In Italien soll der Konzern eigene Apps im Play Store bevorteilt haben. Daher hat Italiens Kartellbehörde eine Wettbewerbsstrafe von 102 Millionen Euro verhängt.

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BaFin schickt Kettenhund: Geldwäsche-Probleme bei N26?

Das Fintech N26 ist erneut ins Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geraten: Um Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu verhindern, wurde das Unternehmen aufgefordert, "angemessene interne Sicherungsmaßnahmen" zu ergreifen. Die BaFin bestellte zudem einen Sonderbeauftragten. Der Kettenhund wurde nötig, weil es offenbar Probleme bei der Identifizierung und Verifizierung von Kunden gibt, so der Vorwurf. N26 müsse jetzt "eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen" sicherstellen. N26 erklärte, man werde alle Forderungen der BaFin erfüllen, um illegale Transaktionen schnell zu unterbinden.

Bereits 2019 geriet N26 in Bedrängnis: Damals hatte die BaFin bereits Mängel in den gleichen Kategorien festgestellt. N26 reagierte mit der Einstellung von mehr Personal und baute den Compliance-Bereich aus. Ob N26 die neu geforderten Maßnahmen nun umsetzt, wird der Sonderbeauftragte ab sofort kontrollieren. Laut dem Portal Finanzszene hat Thomas Ball, Leiter der N26-Geldwäsche-Abteilung, nach Bekanntwerden der neuen BaFin-Forderungen seinen Abschied verkündet. Kurz darauf sei der Post wieder gelöscht worden. Das N in N26 scheint gerade für "nervös" zu stehen. Zumal N26 für 2019 ein Minus von 217 Millionen Euro gemacht hat. Die Erträge lagen nur bei 100 Millionen Euro. N26 selbst gibt an, über sieben Millionen Kunden zu haben.

N26 besitzt die europäische Vollbanklizenz. Einlagen sind bis zu 100.000 Euro geschützt.

Influencerin trommelt für uranhaltige Fake-Hautcreme

Unter YouTube-Fans ist Marvin Wildhage Kult. Bei einer neuen Aktion hat er Influencer böse reingelegt. Und untermauert damit, was viele ahnen: Für Geld macht so mancher Influencer wirklich alles. 

Wildhage präparierte kleine Döschen mit einer angeblich hochwirksamen "veganen Hautcreme" namens "Hydrohype". Mit gekauften Insta-Likes und Fake-Kommentaren entfachte er Begeisterung und verteilte die Creme an Influencer. Was die nicht bemerkten: Unter den Zutaten fanden sich Uran, Asbest und Pipikaka-Seed-Oil. Die Reingelegten hatten sich nicht einmal diese Beigaben angeschaut, sondern trommelten fleißig für das Produkt, darunter die bekannte Influencerin Enisa Bukvic. Sie bewarb sogar als wesentlichen Bestandteil "durch Urangestein gefiltertes Wasser", ohne zu wissen, dass Uran eigentlich nur zum Bauen von Bomben verwendet wird. Bukvic zeigte sich sogar vom "Anti-Aging-Effekt" der Uran-Creme begeistert. Erklärt aber nun, sie habe niemanden täuschen wollen. Sie habe der Creme vertraut, weil sie als "Bio" gebranded gewesen sei...

Damit wünsche ich ein faltenfreies Wochenende. Bis Montag bei TechTäglich.

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Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.

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