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TechTäglich
Google Earth zeigt 37 Jahre Klimawandel

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit Klima-Initiativen von Google und Apple sowie mit dem Buch, das ein Lautsprecher ist.

Text: W&V Redaktion

16. April 2021

Google Earth zeigt jetzt eindrücklich, wie sehr unser Planet in Not ist.
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Google Earth zeigt 37 Jahre Klimawandel

Das größte Update von Google Earth seit vier Jahren zeigt, in welch dramatischem Ausmaß der Klimawandel unseren Planeten bereits verändert hat – und weiter verändern wird. Die neue Funktion "Timelapse" präsentiert im Zeitraffer die Auswirkungen der Klimakrise auf Küsten, Gletscher, Wälder, Seen, Städte und auf unser gesamtes Ökosystem. Mit einem Schieber können Nutzer beliebige Landschaften und Orte innerhalb eines Zeitraums von 37 Jahren vergleichen. So erleben sie nicht mehr nur in abstrakten Zahlen, sondern mit eigenen Augen und ganz konkret, wie groß die Schäden und Auswirkungen bereits sind. Dafür hat Google 24 Millionen Satellitenfotos von NASA und ESA aus fast vier Jahrzehnten zusammengestellt. Die Damals-Heute-Vergleiche von Flüssen in Bolivien oder vom Natronsee in Tansania erschrecken tatsächlich.

"Unsere vordringliche Mission ist es, Daten zu verarbeiten, um unsere Umwelt und das sich verändernde Klima besser zu verstehen", erklärte Karen St. Germain, NASA-Leiterin für Erdbeobachtung, bei der Präsentation des Projekts. Liza Goldberg von der an "Timelapse" beteiligten Stanford University, lobt die Initiative: "Das ist ein großartiges Werkzeug, um den Klimawandel begreifbar zu machen. Denn wenn die Menschen es nicht sehen, glauben sie es nicht." Google will die Zeitraffer-Funktion künftig weiter ausbauen, unter anderem mit Bildern von Next-Generation-Satelliten, die jetzt nach und nach ins All geschossen werden. Aber auch Google-Nutzer können im Rahmen des Projekts eigene Bilder beitragen, die die Folgen des Klimawandels dokumentieren. Neben der interaktiven Anwendung stehen auch Zeitraffer-Videos in einer Youtube-Playlist zur Verfügung.

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Apple holt CO2 aus der Luft – Bis 2030 klimaneutral

Auch Apple setzt seine Umwelt-Initiativen fort. Wie bereits im letzten Juli angekündigt, will der US-Konzern bis 2030 klimaneutral werden und seine CO2-Bilanz auf Null reduzieren. Das soll nicht nur für die eigenen Produkte und innerhalb der eigenen Organisation gelten, sondern auch für die gesamte Zulieferkette. Wie Apple seinen – in diesem Fall begrüßenswerten – Klimawandel hin zu grüner Elektronik bewerkstelligen will, hat das Unternehmen jetzt in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Im Mittelpunkt steht eine Initiative zur Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Der gemeinsam mit Conservation International und Goldman Sachs ins Leben gerufene 200 Millionen Dollar umfassende "Restore Fund" zielt darauf ab, jährlich mindestens eine Million Tonnen Kohlendioxid zu entfernen, was den Emissionen von fast 200.000 Autos entspricht.

Hierfür investieren die Beteiligten unter anderem in die Wiederherstellung von Wäldern wie den zerstörten Savannen in der kenianischen Region Chyulu Hills. "Die Natur bietet einige der besten Prozesse, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entfernen. Wälder, Feuchtgebiete und Graslandschaften entziehen der Atmosphäre Kohlenstoff und binden ihn dauerhaft in ihren Böden, Wurzeln und Ästen", erklärte Apples Umweltchefin Lisa Jackson. Allein in Afrika könnte die Wiederherstellung solcher Savannen laut Apple jährlich Hunderte von Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Während das Unternehmen bis 2030 75 Prozent der Emissionen für seine Lieferkette und Produkte selbst und direkt eliminieren wird, soll der Fonds dazu beitragen, die verbleibenden 25 Prozent der Emissionen zu reduzieren. Bis 2030 soll kein von Apple verkauftes Produkt mehr negative Auswirkungen auf die globale Ökobilanz haben.

In Kenia unterstützt Apple die Wiederherstellung zerstörter Savannen in der Region Chyulu Hills.

Bang & Olufsen: Dieses Buch ist ein Lautsprecher

Ikea und Sonos arbeiten gemeinsam an einem Lautsprecher, der sich in einem Bilderrahmen versteckt. Und auch die dänische Edel-Marke Bang & Olufsen hat es sich auf die Fahne geschrieben, Musik möglichst unsichtbar zu machen – ohne klobige Lautsprecher und Boxen, denen man ihren Verwendungszweck auf den ersten Blick ansieht. Dazu ist jetzt der Beosound Emerge erschienen – ein Lautsprecher fürs Bücherregal, der beinahe wie ein Buch aussieht, und der zwischen Goethe und Grisham fast nicht zu erkennen ist.

Die ungewöhnliche Form soll akustisch dabei tatsächlich Sinn machen. Denn die Hochtöner strahlen die Musik quasi vom "Buchrücken" aus nach vorne sowie über die "Buchseiten" nach oben ab. Der Subwoofer sitzt hinten – weil es bei Bässen ohnehin kaum möglich ist, räumlich zu identifizieren, woher der Klang kommt. "Der Beosound Emerge ist nicht nur ein visuelles und auditives, sondern auch ein haptisches Erlebnis", versprechen die Dänen über ihren neuen, 749 Euro teuren Speaker, der aus Materialien wie "präzisionsgeschnittenem, perlgestrahltem Aluminium, Natur-Eiche und Textilgewebe von Kvadrat" besteht. Die Buch-Box lässt sich per AirPlay 2 und Chromecast vernetzen und auch mit weiteren Exemplaren des Beosound Emerge zu Stereopaaren zusammenschließen.

Dieses Buch ist kein Buch – sondern ein neuer Edel-Lautsprecher aus Dänemark.

Drahtlos-Akku fürs iPhone: China-Firma schneller als Apple

Seit Apple im Herbst 2020 mit dem iPhone 12 die neue Magnettechnik MagSafe eingeführt hat, warten Nutzer auf das wohl offensichtlichste und nützlichste Zubehör fürs aktuelle Apple-Smartphone. Ein Akku, der sich drahtlos und magnetisch an die Rückseite des iPhone 12 heften lässt, könnte das Handy so komfortabel wie nie mit frischem Strom versorgen – ohne Netzteil und ohne Kabelsalat. Von Apple gibt es so eine drahtlose Powerbank nach wie vor nicht. Angeblich stockt die Entwicklung wegen Hitzeproblemen. Zudem soll es Schwierigkeiten geben, wenn der Magnet-Akku nicht direkt an der iPhone-Rückseite "klebt", sondern an einer zusätzlichen Hülle.

Der chinesische Zubehör-Spezialist Anker hat das Problem nun offenbar gelöst – und bietet ab sofort einen solchen Drahtlos-Akku an, mit dem selbst iPhone-12-Powernutzer problemlos ohne Kabel über den Tag kommen. Die Anker PowerCore Magnetic 5K Wireless Kabellose Powerbank ist mit allen Modellen des iPhone 12 kompatibel und bietet für 35,99 Euro eine Kapazität von 5.000 mAh. Zur Orientierung: Der 2.227-mAh-Akku des iPhone 12 mini lässt sich damit mehr als zweimal komplett laden. Beim 12 Pro Max mit 3.687 mAh ist es immer noch deutlich mehr als ein ganzer Ladevorgang. Das laut Hersteller "smarte Sicherheitssystem MultiProtect" soll Überspannung und Überhitzung verhindern. Dass ein China-Zulieferer eine solche Lösung früher als Apple parat hat, dürfte wohl aber auch daran liegen, dass bei Apple die Maßstäbe für Design, Komfort, Sicherheit und Funktionen noch deutlich höher sind.

Klick & Strom: Der neue Magnet-Akku aus China.

Pinke-Handschuhe-Gate: Applaus für Ikea

Der Shitstorm wegen des Periodenprodukts "Pinky Gloves" aus der letzten Folge der VOX-Erfindershow „Die Höhle der Löwen“ ist noch längst nicht vorübergezogen. Zwei Männer hatten dabei ein Produkt vorgestellt, das angeblich ein vermeintliches Frauenproblem löst. Pinkfarbene Handschuhe sollen es möglich machen, Damenhygieneartikel in dem Handschuh als blicksicherer Müllbeutel diskret wegzuwerfen. Im Internet zeigten sich viele verärgert und nannten das Produkt wenig nachhaltig und auch sexistisch. Investor Ralf Dümmel hat mittlerweile um Entschuldigung gebeten.

Auch Ikea hat sich nun des Themas angenommen – und das klug und ironisch, wie viele Internetnutzer finden. Das Schwedenmöbelhaus hat gestern den grünen Mülleimer Ekoln als "Ablage für Erfindungen, die keiner braucht" getwittert. Dass tatsächlich die umstrittenen pinken VOX-Handschuhe gemeint sind, zeigt der Text des Tweets: "Und das Beste: Er lässt sich sogar ganz ohne Handschuhe bedienen." Rumms, das saß – wie bereits rund 10.000 Twitter-Likes zeigen. Aus den Kommentaren: "Well played, Ikea!", "Gibt’s den auch in pink?" und "Ikea hat heute das Internet gewonnen". Aber auch der hauseigene jüngste Ikea-Shitstorm wegen der Zwangsverwendung der umstrittenen Luca-App hallt noch nach: "Blöd nur, wenn man für den Einkauf die Luca-App benötigt."

Garantiert keinerlei Anlass zu Shitstorms gibt der Kollege Michael Gronau aus Berlin, der von seinem Schweden-Schreibtisch aus ab Montag an dieser Stelle wieder die spannendsten Technik-Meldungen präsentiert. Schönes Wochenende!

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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