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Kommentar zu Videokonferenz-Tools
Google und Microsoft nehmen Zoom in die Zange

Der weltweite Datenverkehr explodiert. Einer der Hauptgründe: die steigende Zahl an Videokonferenzen. Den Markt für businesstaugliche Tools teilen sich vor allem US-Anbieter. Der Kampf um einen riesigen Markt ist entbrannt.

Text: W&V Redaktion

27. März 2020

Rolf Schröter
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In Frankfurt befindet sich der weltweit größte kommerzielle Internetknoten. An dieser Datenaustauschstelle brummt es wie nie. Das DE-CIX nennt die Corona-Krise als Grund für den rasanten Anstieg des Datenverkehrs. Stichwort Home Office. Seit Ausbruch des Virus hat sich die Videokonferenz-Nutzung in der vergangenen Woche um hundert Prozent gesteigert, meldet Thomas King, Chief Technology Officer bei DE-CIX.

Auch beim Datendurchfluss hat DE-CIX einen Rekord aufgestellt: 9,1 Terabit pro Sekunde. Zur Verdeutlichung: Ein Terabit, also eine Billion Bits, entsprechen dem Inhalt von rund 16 Regalkilometern Aktenordner.

Kapazität reicht

Kein Grund, sich Sorgen zu machen. DE-CIX plant jeweils für etwa zwölf Monate im Voraus und legt ständig nach. "Die Kapazitäten werden weiter ausgebaut, sobald 63 Prozent der vorhandenen Kapazitäten erreicht werden", berichtet Thomas King. "Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich aus dem Home-Office arbeiteten und nebenher noch ein weltweites sportliches Großevent übertragen werden würde, kann der DE-CIX die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Interconnection bereitstellen", beruhigt der CTO.

Beruhigend. Dann können wir ja konferieren bis zum Umfallen. Schließlich wächst nicht nur der Datenverkehr rasant. Auch die Download-Zahlen der Videokonferenz-Apps. Weil alle jetzt von zu Hause aus arbeiten, sind im März alle großen Webmeeting-Tools in die Top-Charts der App-Stores geschossen.

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Zeit für Business-Profis

Während sich manche Apps wie Skype und Apples Facetime schon längst im privaten Gebrauch einen Namen gemacht haben, drängen jetzt die Geschäftsprofis in den Vordergrund. So bietet zum Beispiel Google mit Meets eine Business-Erweiterung von Google Hangouts. Wir bei W&V treffen uns übrigens regelmäßig mit Microsoft Teams.

Dabei sind diese Konferenz-Tools mehr als ein virtueller Meeting-Raum. Mit ihnen findet eine Konsolidierung statt. Wozu sollten Unternehmen verschiedene Kommunikationstools parallel verwenden? Hier findet gerade der Business-Kampf der großen US-Giganten statt.

Ein Blick in den Google Play-Store, also die Android-Welt der Geschäftsnutzer, zeigt nach Download-Zahlen folgendes Bild:

  1. Zoom    50 Mio. +
  2. Microsoft Teams            10 Mio. +
  3. Google Hangouts Meet 10 Mio. +
  4. Cisco Webex     10 Mio. +
  5. Goto Meeting   5 Mio. +
  6. Jitsi       1 Mio. +

Nicht die Experience zählt

Jitsi ist übrigens eine Open-Source-Software, die in Slack integriert werden kann. Und Zoom hat sich für manche unbemerkt, in diesem plötzlich so lukrativen Markt als Platzhirsch etabliert. Funktioniert ja auch tadellos. Selbst an der Schule, in die mein Sohn zurzeit nicht geht, treffen sich die Lehrer und die Schüler gemeinsam über Zoom. Im Netz findet man zudem genügend Erfahrungsberichte, welches Tool die beste User Experience bietet. Aber ist das entscheidend? Wohl eher nicht. Zoom zum Beispiel, ebenfalls ein Anbieter aus Kalifornien, hat nicht die Business-Integration über ein ergänzendes Produktportfolio wie bei Microsoft oder Google. Langfristig betrachtet, gilt wohl: The winner takes it all.

Übrigens ...

Auch Spiele, Social Media und Streaming lassen den Datenverkehr explodieren, meldet DE-CIX. Die Anzahl der User, die Online- und Cloud-Gaming-Plattformen nutzen, hat sich letzte Woche verdoppelt – mit einem Höhepunkt am vergangenen Donnerstag. Ebenso hat sich der Social-Media-Datenverkehr im Vergleich zu vor der Krise erheblich erhöht. Und ihre Kapazitäten verdoppelt haben auch die Videostreaminganbieter. Auch hier geht das Rennen zwischen Disney+, Netflix und Amazon Prime in eine heiße Phase.


Autor: Rolf Schröter

Rolf interessiert sich prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders für alles, was mit Design und Auto zu tun hat. Auch wenn er selbst gar kein Auto besitzt.

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