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US-Internetriese
Google zahlt mehr Steuern in Europa

In der Vergangenheit schleuste Google über Irland Milliardengewinne am europäischen Fiskus vorbei auf die Bermudas. Damit ist jetzt Schluss - aber nicht ganz freiwillig.

Text: Anonymous User

2. Januar 2020

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Milliarden Euro an Steuergeldern sparte sich Google in den vergangenen Jahren über ein Steuerschlupfloch, das als"Double Irish, Dutch Sandwich" bekannt ist und es amerikanischen Unternehmen erlaubte, völlig legal Milliardengewinne am europäischen Fiskus vorbeizuschleusen. 

Konkret transferierte in der Vergangenheit eine niederländische Google-Tochter fast alle ihre Einnahmen aus Lizenzgebühren für Googles Patente auf die Google Ireland Holding, die auf den Bermudas ihren Steuersitz hat, allerdings als Unternehmen in Irland registriert ist. Und auf den Bermudas fällt dafür keine Einkommenssteuer an. 

Die Beträge, um die es sich handelt, sind nicht unerheblich: 2018 waren es fast 22 Milliarden Euro, 2017 20 Milliarden und 2016 knapp 16 Milliarden Euro. Jetzt will die Google-Mutter Alphabet von dieser Praxis abrücken. "Wir werden unsere Struktur vereinfachen und unser geistiges Eigentum nun über die USA lizenzieren und nicht Bermuda", teilte das Unternehmen wenige Stunden vor Ablauf des Jahres mit.

Ganz freiwillig ist dieser Akt allerdings nicht. Denn in der Vergangenheit übten fast alle EU-Länder Druck auf Irland aus, sich nicht mehr wie eine Steueroase innerhalb Europas zu gerieren und das Steuerschlupfloch zu schließen. Bereits 2014 beugte sich Irland und versprach, das Steuerschlupfloch bis 2020 abzuschaffen. So lange durften alle Unternehmen, die sich daran gewöhnt hatten, das Schlupfloch weiter nutzen. Und laut eines Kommentars in der Süddeutschen Zeitung tat Google dies länger als die meisten anderen Unternehmen.

Der frühere Google-CEO Eric Schmidt sah an dieser Praxis auch nichts Schlimmes: Vor Jahren wischte er Kritik daran mit den Worten vom Tisch: "Ich bin sehr stolz auf die Struktur, die wir aufgesetzt haben. Wir haben das mit den Anreizen der Regierungen getan ... das nennt man Kapitalismus. Wir sind stolze Kapitalisten."


Autor: W&V Redaktion

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