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TechTäglich
Große Verwirrung um Apples neues Musik-Abo

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit der Verwirrung um Apples neues Musik-Abo und der KI für Sarkasmus in Social Media.

Text: W&V Redaktion

18. Mai 2021

Mit diesem Logo wirbt Apple für seine neuen Audio-Formate in Apple Music.
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Große Verwirrung um Apples neues Musik-Abo

Der Musikstreaming-Markt in Aufruhr: Apple hat neue HiFi-Features für seinen Dienst Apple Music vorgestellt. Die neuen Funktionen werden ab Juni kostenlos integriert. Das versetzt die Konkurrenz offensichtlich in Panik: Nahezu parallel zur Verkündung hat Amazon den Preis für sein HiFi-Abo Amazon Music HD von 12,99 auf 7,99 Euro gesenkt. Und auch Spotify steht der Schweiß auf der Stirn: Der schwedische Marktführer ist in Sachen HiFi jetzt Schlusslicht. Spotify HiFi ist bisher nur geplant, aber wohl nicht vor Ende des Jahres live. 

Während Nischenanbieter Tidal bereits "Tidal HiFi" für 9,99 Euro monatlich anbietet, aber keine Konkurrenz für die Platzhirsche Apple Music und Spotify bzw. Amazon Music ist, nimmt Deezer HiFi-Streaming nach einer dreimonatigen Gratisphase für 14,99 Euro an, das sind 5 Euro mehr pro Monat als bei Apple. Spotify hatte für den Marktstart der HiFi-Variante angeblich auf eine Preiserhöhung und damit verbundene Mehreinnahmen spekuliert. Ein Aufschlag dürfte dank Apples raschem preisgünstigem Start nun Makulatur sein. Die Aufrüstung von Apple Music bei gleichbleibendem Preis ist eine Kampfansage, die die Konkurrenz in Bedrängnis bringt. 

Die aber auch Fragen aufwirft! Die Verwirrung ist groß. W&V klärt auf:

Ab Juni sorgt Apple Music nach eigenen Angaben mit seinen neuen HiFi-Features für eine "Musik-Revolution". Zum einen führt der Konzern "Spatial-Audio mit Dolby Atmos" ein. Der Konzern erklärt dazu: "3D-Audio gibt Künstler:innen die Möglichkeit, für ihre Fans immersive Audioerlebnisse mit echtem mehrdimensionalen Sound und Klarheit zu schaffen." Apples verantwortlicher Manager Oliver Schussler sagt: "Einen Song in Dolby Atmos zu hören, ist wie Magie. Die Musik kommt aus allen Richtungen und klingt einfach unglaublich." 

Das klappt mit allen iPhone, iPad, Mac, Apple TV, handelsüblichen Speakern und den Apple-Kopfhörern wie AirPods, AirPods Pro und AirPods Max.

Der weitere Anspruch des Konzerns: "Apple verwendet ALAC (Apple Lossless Audio Codec), um jedes einzelne Bit der ursprünglichen Audiodatei zu erhalten. Das bedeutet, dass Apple Music Abonnenten genau das werden hören können, was Künstler im Studio geschaffen haben."

Wirklich?

Schauen wir uns Lossless einmal näher an. Die erste Stufe bringt Musik in CD-Qualität: 16 bit bei einer Samplerate von 44,1 kHz. Die zweite klingt besser als CD-Qualität und liegt bei 24 bit und einer Samplerate von 48 kHz. Dann gibt es noch Hi-Res Lossless mit 24 bit bei 192 kHz. Dies ist aber nur mit hochwertigen externen Digital-Analog-Wandlern erreichbar, die an ein Gerät, das Apple Music abspielen kann, gehängt werden. 

Diese Codecs sind auch der Grund, weshalb die Apple AirPods (Pro/Max) und auch viele andere Bluetooth-Kopfhörer Apple Lossless überhaupt nicht unterstützen. Sie können nur Standard-AAC-Dateien wandeln und wiedergeben. Mit kabelgebundenen Kopfhörern (etwa via Lightning-Adapter) funktioniert Apple Lossless schon, aber "nur" in den ersten beiden Qualitätsstufen. 

Kurios: Die AirPods Max, die Apple für satte 612,70 Euro verkauft, können aber auch kabelgebunden keine Lossless-Daten konvertieren. Der Vorzeige-Kopfhörer von Apple, erst am 15. Dezember 2020 auf den Markt gebracht, fällt damit raus. Und das gilt auch für Apples smarte Speaker, den HomePod (der allerdings nicht mehr weiter produziert wird) und den HomePod Mini.

Fazit: Erfreulich, dass Apple bei stabilen Preisen neue Features hinzufügt. Verwirrend allerdings, dass gerade die teuren AirPods Max und der HomePod davon nicht profitieren werden.

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Ankers Sicherheits-Cams spionieren in fremden Wohnungen

Da gilt es, schnell den Rettungsanker zu werfen. Es gibt schlechte Nachrichten für Nutzer von Sicherheits- und Überwachungs-Kameras der Marke Eufy, einer Tochter des großen Zubehör-Konzerns Anker. Auf Reddit berichten diverse Nutzer, dass es ihnen möglich ist, über die Eufy-App Zimmer fremder Wohnungen anzuschauen. Dazu muss ein Nutzer nicht mal ein Hacker sein. Es klappt ganz einfach: Denn weitere Berichte aus den USA und Australien zeigen, dass Fremde über die Eufy-App die Zwei-Wege-Kommunikation der Sicherheitskameras nutzen konnten. Damit ist es möglich, sich in ein Live-Kamerabild einzuschalten, mit Fremden zu sprechen bzw. zu belauschen, was sie gerade so von sich geben. Die Produkte werden weiter ganz normal in Deutschland verkauft, zum Beispiel auf der Amazon-Plattform. Derzeit gilt für Besitzer eines Eufy-Devices: Unbedingt die Kamera ausschalten und die Basis-Station trennen. Die schwere Sicherheitslücke wird wohl in Kürze mit einem umfassenden Update geschlossen. Anker erklärt auf Anfrage von W&V: "Wir sind uns bewusst, dass wir als Sicherheitsunternehmen nicht gut genug gearbeitet haben. Es tut uns leid, dass wir hier zu kurz gedacht haben. Und wir arbeiten an neuen Sicherheitsprotokollen und -maßnahmen, um sicherzustellen, dass dies nie wieder passiert." Die Lücke habe "nur 1 Stunde und 40 Minuten bestanden". 100 Minuten zuviel.

Generell gelten Smart-Home-Produkte als Verkaufsschlager. Die Angst der Verbraucher vor Missbrauch ist aber latent: Zwei von drei Bundesbürgern halten solche Produkte für perfekte Ziele von Hackern, ergab im Februar eine Umfrage des TÜV unter 1005 Personen ab 16 Jahren. 68 Prozent sorgen sich wegen möglichem Missbrauch bei privaten Daten. Nur jeder Dritte glaubt, dass die Sicherheitsfunktionen von Smart-Home-Geräten ausreichen. Schon 2018 demonstrierten Experten, wie leicht Hacker sich ins Smart Home einschleusen können:

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Neue KI erkennt Sarkasmus in Social Media

Was ist Ironie? Was ist Satire? Was ist Sarkasmus? Im Netz verschwimmen die Grenzen. Eine Unterscheidung wird immer schwieriger. Erst recht, wenn der Adressat nur Text sieht, aber weder Mimik noch Tonlage seines Gegenübers wahrnehmen kann. Diesem Fact versucht die University of Central Florida (UCF) jetzt mit einem Sarkasmus-Detektor auf Basis von Künstlicher Intelligenz entgegenzuwirken. Die neue Sarkasmus-KI der Forscher wird für Kommentare auf Social Media, darunter Facebook und Twitter, eingesetzt. Sie analysiert, welche Satz-Strukturen und Schlüsselwörter häufig zum Einsatz kommen, erklären die Forscher gegenüber Neuroscience News.

Das System erkenne "Abhängigkeiten zwischen Begriffen". In einem mehrstufigen Prozess werde dann ein Wahrscheinlichkeitswert errechnet. Auf einer Basis von 0,1 bis 1 gelte: Je höher der Wert liege, desto größer der Sarkasmus eines Social-Media-Beitrags. Die Forscher haben eine Testreihe mit Datensätzen auf Twitter und Reddit mit herkömmlichen Sarkasmus-Erkennungssystemen verglichen. Ergebnis: Ihre neue KI sei präziser. Die Genauigkeit bei der Erkennung von Sarkasmus liege zwischen 77,4 und 97,9 Prozent.  

Künstliche Intelligenz macht auch nicht mehr vor Sarkasmus Halt.

Katy Perry im Duett mit Pokèmon

126 Millionen Platten bzw. CDs hat US-Sängerin Katy Perry seit 2008 verkauft. 72 Millionen Mal wurden ihre Singles bei Streamingdiensten heruntergeladen. Der Durchbruch gelang Perry mit den Titeln "Hot n cold" und "I kissed a girl". Inzwischen küsst sie fremd: In ihrem neuen Musikvideo zum Song "Electric" flirtet sie mit dem Pokèmon Pikachu. Die niedlichen Monster feiern in diesem Jahr ihren 25-jährigen Geburtstag. Bereits im Januar hat Nintendo angekündigt, dass dieses Jahr einige Überraschungen bringen werde. Frau Perry liebt die gelben Viecher schon länger. Anlässlich des Release-Dates des "Electric"-Videos verkündete sie, ihre Leidenschaft für Pokèmon habe schon mit den Original-Videospielen für den Game Boy begonnen.
Im Herbst erscheint dann bei Universal Music und Capitol Records eine XXL-Huldigung an die Monster, betitelt "Pokèmon 25: The Album". Das wird nicht nur Katy-Perry-Fans elektrisieren, sondern die gesamte Pokèmon-Community: Allein die Videospiele des Franchise haben sich seit 1996 über 200 Millionen Mal verkauft. Auch dank 21 Pokèmon-Spielfilmen innerhalb der letzten 25 Jahre gilt die Viecher-Serie als eine der weltweit erfolgreichsten Spiele-Reihen aller Zeiten.  

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Tetris: Liebe statt Hass

Love and Hate im Spielesektor: Tetris war gestern, jetzt kommt Lovetris, eine Neuinterpretation des Gameboy-Spiele-Klassikers. Das Spielprinzip ist genau das gleiche wie bei Tetris. Der große Unterschied: Steine erscheinen nicht zufällig. Stattdessen sucht eine KI immer exakt den passenden Stein für die nächste Runde aus. Die Steine fallen außerdem nicht von selbst herunter, sondern sie schweben. Der Spieler bewegt sie mit den Pfeiltasten der Tastatur. Daher ist die Love-Variante im Gegensatz zum Original die pure Entspannung.  

Der Quellcode für das Browser-Game steht für jedermann im Netz bereit. Der Entwickler von Lovetris gibt an, genau das Gegenteil von Hateris, einem Spiel aus 2010, erschaffen zu haben. Diese Adaption wirft Gamern schlechte Steine aufs Spielfeld. Der Hateris-Rekord liegt bei nur 31 Punkten, so schwierig ist es zu überlisten. Dann doch besser Liebe...

Damit wünsche ich einen herzlichen Dienstag. Morgen versprüht bei TechTäglich mein Kollege Jörg Heinrich wieder jede Menge Technik-Love-Love-Love.

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Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.

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