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Startup-Kolumne
Ist Künstliche Intelligenz auch noch kreativ?

Welche Startups haben besondere Aufmerksamkeit verdient? Diese Frage beantworten Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator bei W&V. Thema diesmal: Mensch und Maschine

Text: Anonymous User

7. Februar 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Wann wird die Maschine kreativer als der Mensch sein? Das ist eine der großen Fragen, die im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) immer wieder gestellt wird. Vor zwei Jahren gab es dann auch entsprechende Aufregung, als das durch die Maschine erstellte Porträt von Edmond de Belamy des Künstlerkollektivs Obvious für 432 000 Dollar bei Christie’s in New York City versteigert wurde. Das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und Kreativität ist natürlich nicht nur für den Kunstmarkt ein Thema, sondern auch für die Kreativbranche an sich. Wir gehen nicht davon aus, dass menschliche Kreativität zeitnah vollständig durch die Maschine ersetzt werden wird, aber wir sehen immer mehr Startups, die sich dem Thema widmen.

Um gleich Entwarnung zu geben: Wir werden noch gebraucht werden, denn der Trend geht zur Co-Creation zwischen Mensch und Maschine. Aber dass sich die die “Mad Men” die Nächte um die Ohren schlagen für die eine große “Talk of the town” Kampagne, könnte der Vergangenheit angehören.

Natürlich geht es in unserer Branche oft auch um große Kunst, gerne aber auch runter-destilliert in eine einzelne Anzeige oder ein kurzes Video. Dabei kann AI helfen, und zwar in den unterschiedlichsten Ausprägungen. 

Unser Portfolio-Unternehmen Storyliner (https://www.storyliner.io/) hilft bei der Erstellung von Texten, indem über AI Impulse gegeben werden, die dafür sorgen, dass man nicht lange auf ein digitales weißes Blatt Papier starren muss, sondern schneller in den Flow kommt und die Zeilen nur so aus der Tastatur hüpfen. Dabei hat Storyliner bei der Beschäftigung mit dem Thema eine steile Lernkurve genommen und das Interface komplett auf den Kopf gestellt, da Tests mit Nutzerinnen und Nutzern ergeben haben, dass es auf Dauer doch anstrengend ist, immer wieder dialogisch mit einen Bot zu interagieren. Storyliner hat für ihren neuen Ansatz übrigens jüngst den Deutschen Exzellenzpreis gewonnen. 

Komplett ohne Design-Kenntnisse soll man auskommen können, um mit blōma (https://bloma.ai/) ansprechende Designs zu entwickeln, die sich an Designrichtlinien von Marken orientieren und visuelle Markenführung ohne großen Aufwand ermöglichen wollen.

Pencil (https://www.trypencil.com/) nennt das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine “humain-ai collaboration” und will dabei assistieren, Anzeigen für Kampagnen zu entwickeln. Dabei ist das Produktversprechen verdoppelte Performance bei zehn mal geringeren Kosten. So wird “Banner schrubben” sich in Zukunft ganz anders darstellen.

Etwas grundsätzlicher ist der Anspruch unserer Beteiligung Get Creative (http://getcreative.ai) aus London, die mit ihrem Produkt Flaire eine “collaborative creative AI platform” entwickeln, die es sehr leicht macht, Pitch-Präsentationen für Kunden zu bauen, die dann mit entsprechenden “automagisch” generierten Moodboards und Designbestandteilen angereichert werden. Somit gehört auch in Powerpoint die Angst vor dem leeren Blatt bald der Vergangenheit an.

Noch weiter geht das Startup Moderne (https://moderne.st/) aus Tel Aviv / Mailand, in das wir jüngst investiert haben und das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den gesamten Kreativprozess auf eine neue kollaborative Basis zu stellen, damit Teams besser zusammenarbeiten, das Briefing nicht aus dem Blick verlieren und dabei immer wieder frische Impulse bekommen, um in neue Richtungen zu denken. Am Ende stehen dann die besten Ideen!

Wir sind uns sicher, dass “Creative AI” noch ganz am Anfang ist, aber die Entwicklung, die in diesem Bereich entstanden ist, seit Google es 2016 geschafft hat, mit einer Maschine den weltbesten Go-Spieler zu besiegen, ist atemberaubend. Die Arbeit in Agenturen wird sich grundlegend verändern, sobald die Kreativen lernen, die AI zu umarmen und nicht zu fürchten. Das wird die Branche ähnlich verändern wie die Abkehr von Schreibmaschine und Pappen, nur vermutlich viel schneller verlaufen, als wir aktuell antizipieren können. Freuen wir uns also auf neue Formen der maschinell-gestützten Kreativität!


Autor: W&V Redaktion

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