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Kolumne
Netzwerken oder: der Zauber der Zufälligkeit

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Menschen und Themen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Konferenzen und Digitalisierung

Text: Anonymous User

29. Juni 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Der Sommer steht vor der Tür und wer nach etlichen Stunden Video-Konferenzen mit karierten Augen aus dem Schlafzimmer wieder hervorkommt, hat zwar den Eindruck, dass sie die Corona-Zeit mit Internet viel besser überstehen kann als ohne, aber so richtig super fühlt es sich dann doch nicht an. Wir haben diese Woche unseren Batch 10 verabschiedet, denn die Startups, in die wir investieren, kommen immer für ein halbes Jahr in den Genuss einer konzentrierten Betreuung vor Ort in Hamburg.

Und von dort erobern wir dann gemeinsam den deutschsprachigen Medienmarkt und nehmen an nationalen sowie internationalen Events teil. Eigentlich. Dieses Jahr war es natürlich anders, denn seit Mitte März haben wir die aktuellen Teams nur per Zoom, Google Meet oder Sceenic gesprochen. Wir haben die unterschiedlichsten Formate versucht, um trotz Corona dafür zu sorgen, dass unsere Startups mit Entscheider*innen aus der Medienbranche zusammenkommen, dass sie mit Investorinnen sprechen und dass sie generell Aufmerksamkeit bekommen.

So haben wir unser jährliches Match Making Event, das wir eigentlich im Rahmen der OMR an zwei ganzen Tagen in einem Zelt stattfinden lassen wollten, kurzerhand als Virtual Media Match abgehalten und viele Gespräche angebahnt. Wir haben Hausbesuche bei Verlagen und Agenturen ins Virtuelle verlagert und wir haben schlussendlich unseren Demo Day als großes Finale des Durchgangs ebenfalls per Video stattfinden lassen.

Was bleibt, ist das Gefühl, dass wir zwar viele neue Formate gefunden haben, die auch alle relativ gut funktioniert haben, aber einen wichtigen Punkt noch nicht geknackt haben: Die Zufälligkeit, die Konferenzen und Messen bieten. Wir gehen nicht auf Konferenzen oder Messen, um Fachvorträgen oder Diskussionsrunden zu lauschen, sondern wir gehen dorthin, um Menschen zu treffen.

Ja, jetzt ist es raus, liebe Programmplaner: Das Programm ist uns reichlich egal. Was uns weiterbringt ist die Vernetzung und die lebt von Zufälligkeiten, von Menschen, die in ein Gespräch reinplatzen und etwas beitragen können, von spontanen Begegnungen, bei denen aus "und was machst Du so?" schnell mehr entstehen kann, und das, obwohl man eigentlich nur kurz ein Getränk bestellen wollte.

Diese Zufälligkeiten lassen sich nur schwer online abbilden, auch wenn es schon versucht wurde, aber irgendwie wirkte Chat Roulette nur bedingt seriös. Wir brauchen aber diese Zufälligkeiten beim Netzwerken, um immer wieder neue Möglichkeiten einer Geschäftsanbahnung hinzubekommen. Manchmal ist es ja auch so, dass wir in jemanden reinstolpern, den wir lange nicht mehr gesprochen haben und dann feststellen, dass das dringend wieder angebracht ist, weil ähnliche Interessen bestehen. 

Nach fast vier Monaten, die wir überwiegend von zuhause aus gearbeitet haben, sehnen wir uns natürlich wieder nach Treffen mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht. Aber in dieser Zeit haben sich auch viele Prozesse verändert und an vielen Stellen ist klar geworden, dass diese Veränderungen durchaus positiv sind. Die in vielen Unternehmen immer noch sehr stark ausgeprägte Präsenzkultur wurde endlich mal disruptiert und daraus entstehen wieder neue Herausforderungen und Möglichkeiten.

Der französische VC-Fonds Partech hat daher bereits einen neuen Fonds über 100 Millionen € aufgelegt, um in Startups zu investieren, die Produkte für diese neue Realität bauen. Denn Zoom, Slack und Docusign sind sicherlich erst der Anfang dieser neuen Entwicklung, bei der sehr viele Prozessketten endlich durch-digitalisiert werden. 


Autor: W&V Redaktion

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