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Kolumne
Slack und Salesforce: Eine unschlagbare Kombination

Nico Lumma und Christoph Hüning sind Managing Partner beim Next Media Accelerator und schreiben jede Woche darüber, welche Trends sich gerade entwickeln und wie Startups etablierte Marktteilnehmer herausfordern.

Text: W&V Redaktion

30. November 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Seit Ende letzter Woche wird darüber spekuliert, dass Salesforce Slack kaufen könnte. Das ist eine interessante Entwicklung, denn Slack hat anders als Zoom oder Teams nicht von der Veränderungen der Arbeitsweisen seit Beginn der COVID-19 Pandemie profitieren können. Zoom hat seinen Börsenkurs von 110 Dollar im März auf aktuell 470 Dollar mehr als vervierfacht und die Anzahl der gleichzeitigen Nutzer:innen auf der Plattform wurde von 10 Millionen Ende 2019 auf über 300 Millionen am Tag im April gesteigert. Microsoft Teams hat die Anzahl der täglichen Nutzer:innen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 75 Millionen mehr als verdoppelt. Slack hingegen hat zwar seinen Börsenkurs von 20 Dollar im März auf 40 Dollar Ende November verdoppelt, aber der Anstieg Ende letzter Woche hat nur mit den Übernahmegerüchten zu tun. Dabei ist Slack selbst mit dem Anstieg von letzter Woche immer noch nur knapp über dem Ausgabepreis beim Börsengang im Sommer 2019. 

Slack hat sich vermutlich nicht so stark entwickelt wie Zoom oder Teams, weil es deutlich schlanker ist und immer noch eine Orientierung hin zur guten alten Kommandozeile mitbringt, wie Entwickler:innen sie schätzen. Auch kann man leicht viele unterschiedliche Apps mit Slack verknüpfen, beispielsweise Zoom, Google Docs oder andere. Zu diesen anderen gehört auch Salesforce. Aber natürlich steht Slack vor der Herausforderung, aus einem guten Freemium Produkt die Nutzer:innen zu einer kostenpflichtigen Version zu wandeln. Microsoft Teams hat es da einfacher mit einem Funktionsumfang, der ebenfalls Chat und Videocalls umfasst, aber im Gegensatz zu Slack als kostenloses Programm innerhalb von Office 365 verfügbar ist. 

Das dürfte bei vielen Entscheider:innen gerade in einem Jahr wie diesem, wo Umsätze nicht für alle Firmen gut planbar sind, eine Rolle gespielt haben: Für Teams als Teil der Office-Suite hat das Unternehmen schon bezahlt, Slack verursacht zusätzliche Kosten. Anwender:innen mit einer deutlichen Präferenz für Slack oder Teams haben sicherlich einen anderen Blick auf derartige Beschaffungsentscheidungen, weil nicht für alle Workflows beide Tools gleich gut passen. 

Für Salesforce macht die Übernahme von Slack aus mehreren Gründen Sinn. Denn Salesforce Chatter, das bestehende Social Network für Unternehmen innerhalb von Salesforce, ist nie richtig durchgestartet und für Slack bieten sich viele neue Möglichkeiten, über die bestehende Sales-Kanäle neue Kunden zu erreichen. Darüber hinaus ist Slack sehr stark an Entwickler:innen orientiert und dieser Markt dürfte für Salesforce ebenfalls interessant sein, da Slack bereits jetzt schon über einen App-Marktplatz mit einigen Hundert Apps verfügt. Salesforce positioniert sich eher als Betriebssystem für Unternehmen und daher ist es sinnvoll, wenn über Slack die Kommunikation innerhalb der Unternehmen näher an Salesforce herangeführt wird. Über eine engere Integration von Salesforce und Slack wird es sicherlich mehr Möglichkeiten geben, Daten von Salesforce innerhalb von Slack zu nutzen, beispielsweise um den Vertrieb zu unterstützen.

Microsoft Teams bleibt auf dem Desktop, Slack integriert sich tiefer ins Unternehmen bei einer Übernahme durch Salesforce. Das dürfte eine spannende Entwicklung werden.

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