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Kolumne
Startups alleine werden es nicht schaffen

Nico Lumma und Christoph Hüning sind Managing Partner beim Next Media Accelerator und schreiben jede Woche darüber, welche Trends sich gerade entwickeln und wie Startups etablierte Marktteilnehmer herausfordern.

Text: W&V Redaktion

20. Oktober 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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“Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020 (...) Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr (...) Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor (...) Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half.”

So schrieb es der Zukunftsforscher Matthias Horx im Frühjahr 2020. Seine damalige Re-Gnose “Die Welt nach Corona” erlangte viel Aufmerksamkeit und bescherte ihm eine hohe mediale Resonanz. Er war gefragter Gast in Redaktionen und gab viele Interviews zu seinen Thesen.

Wir sind keine Zukunftsforscher, aber ein Blick aus dem Fenster und in die Nachrichten zeigt uns, dass dieser Ausblick nicht annähernd eingetroffen ist. Doch zum Glück waren wir vorgewarnt, nach seiner berühmten Prognose, dass das Internet kein Massenmedium werden wird (2001) sowie der These, dass schon 2015/16 niemand mehr über Facebook und soziale Netzwerke reden wird (2010). Nichtsdestotrotz wäre es hilfreich, wenn wir wüssten, an welchen Prognosen wir uns orientieren können. Was Corona betrifft, bevorzugen wir daher weiterhin die Meinung von ausgewiesenen Fachexpert*innen. Und deren Prognosen für den kommenden Herbst und Winter sind leider alles andere als optimistisch.

Denn jetzt kommt sie doch, die zweite Corona-Welle und es bleibt abzuwarten, wie stark sie sich in welchem Land ausbrechen wird. Unser Portfolio von etwa 75 Startups deckt die meisten europäischen Länder ab sowie Tel Aviv und die USA. Schon daher beschäftigen wir uns täglich intensiv mit der Frage, wie sich Corona wo entwickelt und welche Implikationen wir sehen.

Neben der Sorge um die Gesundheit unserer Gründer*innen realisieren wir auch, dass Corporates und Investoren zurückhaltender agieren. Dabei sind es gerade diese beiden Gruppen, die es in der Hand haben, dass die Startups selber “gesund” durch die Krise kommen. Und wann, wenn nicht jetzt, bietet sich die Gelegenheit, neue Dinge auszuprobieren? So bietet es sich an, jetzt über die Kooperation mit bzw. die Nutzung von Startups neue, digitale Angebote zu entwickeln und an den Markt zu bringen. Denn die Kund*innen sind ebenfalls wieder verstärkt im Home Office und offen, innovative Services zu testen. Der Boom für alle Lösungen rund um vernetztes Arbeiten sowie Videoformate dürfte noch nicht vorbei sein. Ganz im Gegenteil: jetzt bilden sich die Arbeitsweisen der Zukunft heraus.

Und für Investor*innen bieten die zahlreichen Corona-Hilfen der öffentlichen Haushalte einen Hebeleffekt auf das eigene Investment, den es so am Markt ansonsten nicht gibt. Hier heißt es also handeln und nicht zögern! 

Ein gesundes Startup-Ökosystem gelingt nur, wenn alle Player aktiv bleiben und auch beziehungsweise gerade in Krisenzeiten die Chancen suchen und ergreifen, die der Markt bietet. Startups alleine werden es nicht schaffen.

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