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TechTäglich
Studie: Musikstreaming schadet massiv der Umwelt

Heute in TechTäglich: Die Produktion von Vinyl-Scheiben und CDs belastet die Umwelt enorm. Doch das Streamen von Musiksongs sorgt ebenfalls für eine erschreckende Energie-Bilanz. Das zeigt eine neue Studie.

Text: W&V Redaktion

7. Dezember 2021

Schadet der Umwelt: Musikstreaming, zum Beispiel via Spotify.
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Hätten Sie es gewusst? Eine Schallplatte hat einen zwölfmal so hohen ökologischen Fußabdruck wie eine CD. Ein besorgniserregender Wert. Aber man könnte denken: Gottseidank streamen inzwischen 487 Millionen Menschen weltweit Songs. Sollten wir am besten also nur noch streamen, um der Umwelt nicht zu schaden? Denkste…

Sharon George, Leitende Dozentin für ökologische Nachhaltigkeit an der Keele University in Newcastle, hat laut einem Report des Portals NewStatesman untersucht, welche Emissionen anfallen, wenn Dienste wie Spotify oder Apple Music massiv genutzt werden. Vorweg: Server- und Service-Kosten sind mit CO2-Ausstoß verbunden. Die endlosen Festplatten in Serverfarmen weltweit benötigen größte Energiemengen, um die Server zu betreiben und sie zu kühlen. Die Daten werden dann durch unterirdische Kabel, die auch auf dem Meeresgrund verlegt werden, in lokale Netze befördert. Auch das erhöht den Energieverbrauch massiv. 

Die US-Musikindustrie verballerte 2016 im Vergleich zu 1977 45 Prozent mehr CO2, nämlich über 200.000 Tonnen. Streaming-Dienste wirken ökologisch schlechter, wenn ein Album fünf Stunden oder länger gehört wird.

Alle Songs an einem Ort – gut. Hohe Energie-Belastung – schlecht.

Eine erschreckende Zahl: Der ökologische Fußabdruck des Streamings der Single "Drivers License" von Olivia Rodrigo seit Januar 2021 ist vergleichbar mit 4000 Flügen zwischen London und New York – oder der jährlichen Emission von 500 Menschen in Großbritannien.

Eine Stunde Streaming entspricht einem 55-Gramm-CO2-Äquivalent. CDs setzen sogar zwei Kilogramm CO2 pro Einheit frei. Doch die enorme Zunahme unseres Musikkonsums macht diese Einsparungen mehr als wett. Professor Kyle Devine von der Uni Oslo ermittelte, dass die Kohlenstoffemissionen von Tonträgern allein in den USA zwischen 1977 und 2016 um 45 Prozent auf über 200.000 Tonnen pro Jahr anstiegen. Satte 94 Prozent entfielen dabei auf digitale Musikformate.

Neueste Schätzungen der Newcastler Dozentin George zeigen: Das Anhören eines Albums über eine Streaming-Plattform für nur fünf Stunden entspricht in Bezug auf den Kohlenstoffausstoß dem Plastik einer physischen CD. Die vergleichbare Zeit für eine Vinyl-Schallplatte liegt bei 17 Stunden. Das Herunterladen eines Albums, das man wiederholt anhören will, auf eine lokale Festplatte sei daher "energieeffizienter als mehrfaches Streaming".

In diesem Zusammenhang kritisieren die Wissenschaftler auch die ausufernden Tourneen von Künstlern. In Bezug auf unser Klima hat dieses Business noch einen weitaus größeren Kohlenstoff-Fußabdruck als das Streamen.

Außerdem am heutigen 7.12. in TechTäglich:

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Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.

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