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Taboola-Chef spricht über geplatzte Fusionspläne

Vertragsverhandlungen gescheitert: Adam Singolda, Gründer und CEO von Taboola, erläutert die aus seiner Sicht wesentlichen Gründe für das Ende des geplanten Millionen-Merge mit Outbrain. 

Text: W&V Redaktion

10. September 2020

Adam Singolda, CEO und Gründer von Taboola
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Jetzt ist die Elefantenhochzeit abgesagt: Aus dem Multi-Millionen-Merge der Recommendation-Marktführer Taboola und Outbrain wird nichts. Das hat Taboola-CEO Adam Singolda jetzt auch offiziell bestätigt. In seiner Erklärung für das Scheitern der Gespräche räumt Singolda auch ein, was bereits off the record von anderer Seite als entscheidender Punkt genannt wurde: Taboola wollte die ursprüngliche Vereinbarung nicht umsetzen, machte stattdessen ein neues Übernahme-Angebot. Darauf wollte sich wiederum Outbrain nicht einlassen. Singolda fasst zusammen: "Wir scheiterten und wir sagten es ab"

In einem Blogbeitrag erläutert der Taboola-Gründer seine Sicht. Outbrain habe demnach im vergangenen Jahr eingewilligt, von Taboola übernommen zu werden. Die entsprechende Vereinbarung habe eine Laufzeit von 12 Monaten gehabt und habe beiden Seiten die Möglichkeit gegeben, sich auch wieder zu trennen. 

Als Teil des Prozesses hätten beide Unternehmen auch Finanzinformationen miteinander ausgetauscht. Die Ergebnisse waren offenbar anders, als sie auf Seiten von Taboola erwartet worden waren. Singolda dazu: "Auf der Grundlage der relativen Leistung der beiden Unternehmen entschieden wir, dass die ursprüngliche Vereinbarung keinen Sinn mehr macht." Die Aktionäre des Unternehmens seien der Meinung gewesen, dass der Preis von 30 Prozent Eigenkapital und 250 Millionen Dollar  "zu viel für das ist, was wir auf der Grundlage des relativen Beitrags der beiden Unternehmen erhalten würden." Dies sei eine reine Entscheidung aufgrund von vorliegenden Daten gewesen. Singolda: "Wir sind in einer Industrie, die von Daten angetrieben wird." Auf dieser Basis treffe man dann auch Entscheidungen.

Taboola habe versucht, "einen Deal zu machen, der nur aus Eigenkapital (aber weniger Eigenkapital) bestand, oder aus Eigenkapital und Bargeld (aber weniger Bargeld), das dem finanziellen Beitrag von Outbrain zu Taboola entsprach", so Singolda. Bei Outbrain stieß das neue Angebot allerdings nicht auf Gegenliebe. Dem Vernehmen nach nicht nur inhaltlich, sondern auch angesichts der Vorgehensweise. 

Für Singolda ist dagegen klar: "Wir sind in einer dynamischen Branche, also müssen wir auch dynamisch sein. Wenn etwas gut funktioniert, erledigen wir es besser und schneller als jeder andere. Wenn etwas nicht funktioniert oder keinen Sinn ergibt, hören wir auf, es zu tun."

Gleichzeitig findet Adam Singolda warme Worte für die bisherigen und jetzt auch künftigen Konkurrenten: "Ich persönlich mag das Outbrain-Team und ich wünsche unseren neuen Freunden dort aufrichtig viel Erfolg für die kommenden Jahre."  Für sein Unternehmen sieht Singolda große Aufgaben und große Möglichkeiten: "Unser Markt, das offene Internet, der Journalismus und die Werbebranche brauchen uns mehr als je zuvor. Taboola hat das Zeug dazu, unsere Kunden und Partner zu unterstützen - die weltbeste Technologie, erstaunliche Menschen und enorme finanzielle Ressourcen - und gibt uns die Möglichkeit, langfristig in beides zu investieren."


Autor: Holger Schellkopf

Chefredakteur. Mitglied der W&V-Geschäftsleitung. Sozialisiert mit Print, konvertiert zu digital. Findet beides prima. Feste Überzeugung von @hschellk : Digital Journalism rocks! Versucht ansonsten, sich so oft wie möglich auf das Rennrad zu schwingen oder in die Laufschuhe zu steigen.  

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