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Elefantenhochzeit
Taboola und Outbrain machen gemeinsame Sache

Das fusionierte Unternehmen will knapp 2 Milliarden Menschen pro Monat erreichen und bedeutender Werbekonkurrent für Facebook und Google werden.

Text: W&V Redaktion

4. Oktober 2019

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Gerüchte gab es schon seit einiger Zeit, jetzt ist die Elefantenhochzeit bestätigt. Taboola und Outbrain, beide Weltmarktführer im Bereich des Empfehlungsmarketings, wollen künftig gemeinsame Sache machen. Die digitalen Werbeplattformen gaben jetzt bekannt, dass sie eine Vereinbarung zum Zusammenschluss getroffen haben. Die Vorstände beider Unternehmen hätten der Transaktion zugestimmt. Das zusammengeführte Unternehmen werde, so heißt es in der Mitteilung, "Marketingfachleuten auf der ganzen Welt eine verbesserte Werbewirkung und -reichweite bieten und gleichzeitig Nachrichtenagenturen und anderen digitalen Unternehmen in den kommenden Jahren dabei helfen, effektiveres Wachstum zu generieren." Vor allem aber ist die Fusion eine explizite Ansage an Facebook und Google.

"Unterstützen das Open Web"

„In den letzten zehn Jahren habe ich Outbrain und die Innovation bewundert, die Yaron Galai, Ori Lahav und der Rest des Outbrain-Teams auf den Markt gebracht haben. Indem wir uns zusammenschließen, können wir einen stärkeren Konkurrenten zu Facebook und Google schaffen und den Werbetreibenden eine sinnvollere Auswahl bieten“, sagt Adam Singolda, Gründer und CEO von Taboola. Laut eMarketer werden fast 70 Prozent der gesamten Einnahmen aus digitaler Werbung in 2019 in den USA von nur drei Unternehmen kontrolliert - Google, Facebook und Amazon. „Wir treiben mit Leidenschaft das Wachstum unserer Kunden voran und unterstützen das Open Web, was wir als in einer Welt mit starken und möglicherweise zu starken Walled Gardens als kritisch erachten. Wir werden gemeinsam  weiter investieren, um die Werbegelder  besser mit lokalen und nationalen Nachrichtenorganisationen zu verbinden  und den Journalismus in den nächsten zehn Jahren zu stärken. Aus diesem Grund fusionieren wir. Das ist unsere Mission.“

 „Wir freuen uns sehr, mit Taboola zusammenzuarbeiten. Sowohl Outbrain als auch Taboola verfolgen die gemeinsame Mission und Vision, Qualitätsjournalismus weltweit zu unterstützen und dem Markt im Open Web einen bedeutenden Mehrwert zu bieten“, sagte Yaron Galai, Mitgründer und Co-CEO von Outbrain. „Ori und ich hatten die Vision, Menschen dabei zu unterstützen, qualitativ hochwertige Inhalte online zu entdecken, und wir sehen eine enorme Chance darin, uns zusammenzuschließen, um unseren Verlagspartnern und Werbetreibenden die nächste Innovationswelle zu bieten. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam unsere Mission, die wir als unseren Leuchtturm bezeichnen, weiter vorantreiben können, um Nutzern auf der ganzen Welt die besten und vertrauenswürdigsten Content-Discovery-Möglichkeiten zu bieten.“

Singolda führt neues Unternehmen unter Markennamen Taboola 

Nach dem Abschluss der Fusion wird laut Mitteilung Adam Singolda,  Gründer und CEO von Taboola, die Position des CEO des fusionierten Unternehmens übernehmen, das unter dem Markennamen Taboola firmiert. Das Branding soll dabei noch festgelegt werden und "den Zusammenschluss der beiden Unternehmen widerspiegeln." Die Aktionäre von Outbrain erhalten Anteile, die 30 Prozent des zusammengeführten Unternehmens entsprechen, dazu kommen 250 Millionen Dollar in bar. Der Vorstand des zusammengeschlossenen Unternehmens soll sich aus aktuellen Mitgliedern des Taboola- und Outbrain-Management-Teams und des Aufsichtsrats zusammensetzen. Eldad Maniv, President & COO von Taboola, und David Kostman, Co-CEO von Outbrain, würden bei der Verwaltung aller Aspekte der Post-Merger-Integration eng zusammenarbeiten. Yaron Galai werde sich weiterhin für den Erfolg des zusammengeführten Unternehmens engagieren und den Wechsel in den zwölf Monaten nach dem Abschluss aktiv unterstützen. Danach zieht sich Galai offensichtlich zurück.

Mehr als 2000 Mitarbeiter in 23 Niederlassungen

„Wir haben das große Glück, sowohl bei Outbrain als auch bei Taboola äußerst talentierte Mitarbeiter zu haben", sagt Eldad Maniv. „Sobald die Fusion abgeschlossen ist, werden wir daran arbeiten, Teams, Technologien und Infrastrukturen zu integrieren, damit wir das Wachstum in allen Dimensionen schnell beschleunigen können. Wir haben uns ehrgeizige Ziele gesetzt, um unseren Kunden einen Mehrwert zu bieten, technologische Innovationen voranzutreiben und unseren Gesellschaftern durch verbesserte Effizienz und Innovation finanzielle Ergebnisse zu liefern. Gemeinsam mit David Kostman und dem Outbrain-Team bin ich zuversichtlich, dass wir diese Ziele erreichen können."

„Seit über 10 Jahren hat jedes Unternehmen extrem leistungsstarke Lösungen entwickelt, die Zehntausenden von Publishern und Werbetreibenden geholfen haben, erfolgreich zu sein", sagt David Kostman. „Ich freue mich darauf, mit Eldad und seinem Team zusammenzuarbeiten, um das Beste aus der Technologie, dem Produkt und dem Business-Know-how jedes Unternehmens zusammenzubringen und eine überzeugende globale Open-Web-Alternative zu Google und Facebook aufzubauen."

Das zusammengeführte Unternehmen wird über 2000 Mitarbeiter in 23 Niederlassungen beschäftigen und über 20.000 Kunden in mehr als 50 Ländern in Nordamerika, Lateinamerika, Europa, dem Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum bedienen.

Wettbewerbsfähige Alternative

Als "wichtigste strategische Vorteile der Fusion" nennen Taboola und Outbrain "eine größere Auswahl für Werbetreibende".  Das zusammengeführte Unternehmen werde Werbetreibenden, von kleinen Unternehmen bis globalen Brands, "eine sinnvolle, wettbewerbsfähige Alternative zu Google und Facebook bieten können", heißt es. Außerdem werden höhere Werbe-Effizienz, höherer Umsatz und User Engagement für Publisher, Mobilfunkanbieter und Gerätehersteller sowie schnellere Innovation und bessere Consumer Experience versprochen.

Fusion könnte Auswirkungen auf Publisher haben

Der Zusammenschluss könnte großen Einfluss auf diejenigen Publisher haben, die sich stark auf Content-Empfehlungsunternehmen verlassen haben, die am Ende von Artikeln stehen und einen beträchtlichen und ziemlich zuverlässigen Anteil ihrer Online-Werbeeinnahmen erzielen. Taboola und Outbrain, beide Mitte der 2000er Jahre nur ein Jahr getrennt in Israel gegründet, waren bisher harte Konkurrenten, die weltweit große - und zum Teil allem Anschein nach nicht sehr wirtschaftliche - Garantie- und Umsatzbeteiligungsgeschäfte schnitten, um exklusive Partnerschaften mit den größten Verlagen der Welt zu schließen. In Deutschland hat zuletzt vor allem Taboola mit einige großen Kooperationen gepunktet. 

Erste Reaktionen von US-Publishern sind deshalb durchaus differenziert. "Das Risiko für uns ist, dass wir einen Preisdruck nach unten sehen", wird der Verlagsleiter eines nationalen Zeitungsunternehmens von Digiday.com zitiert. Befürchtet wird zum Teil auch, dass der fehlende Konkurrenzdruck in dem Segment für sinkende Qualität der Anzeigen sorgen könnte. Gleichzeitig erhofft man sich Verbesserungen durch die deutlich höhere Ressourcen im Technologie-Bereich. 

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