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TechTäglich
Tech-Produkte: Wegen Corona bis zu 99 Prozent teurer

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit der großen Technik-Preisinflation und mit dem abtrünnigen "I’m a Mac"-Darsteller.

Text: W&V Redaktion

18. März 2021

Da gucken Kunden traurig: Die Preise für Tech-Produkte haben massiv zugelegt.
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Tech-Produkte: Wegen Corona bis zu 99 Prozent teurer

Verbraucher haben es längst gespürt. Doch nun gibt es auch die Zahlen dazu: Technik-Produkte sind im Corona-Zeitalter teilweise drastisch teurer geworden. Das hat die Website testberichte.de bei der Beobachtung von über 1.000 Produktkategorien festgestellt. Ursachen sind die gesteigerte Nachfrage in der Krise, die Hersteller und Händler ausnützen – aber auch die Folgen unterbrochener Produktionsketten und von Logistikproblemen. Ganz oben bei der Technik-Preisinflation lagen zwischen Mai 2019 (weit vor der Krise) und Februar 2021 klassische Corona- und Home-Office-Produkte: Webcams (plus 98,9 Prozent), PCs (plus 78,4 Prozent) und Fieberthermometer (plus 54,6 Prozent). Der Preis von Webcams stieg dabei von durchschnittlich knapp 70 Euro im Februar 2020 auf rund 130 Euro im Dezember. Geschlossene Fitnessstudios und Sportvereine trieben die Preise von Fahrradergometern (plus 21,7 Prozent), Crosstrainern (17,9 Prozent) und Rudergeräten (13,6 Prozent) in die Höhe.

Bei einzelnen Produkten ist der Anstieg noch dramatischer ausgefallen. Der Canon-Drucker Pixma MG 5741 kostete im Februar 2020 durchschnittlich 104 Euro, ein Jahr später sind es fast 420 Euro - mehr als das Vierfache. Und die Logitech HD Webcam C310 stieg von 44 Euro im Februar 2020 bis auf 103 Euro im Dezember. Immerhin sinkt ihr Preis wieder und lag im Februar 2021 "nur" noch bei 86 Euro – Tendenz weiter fallend. Bei den beiden Drucker- und Küchenmaschinen-Modellen ist bisher jedoch keine Trendumkehr in Sicht.

Vorsicht, Kamera! Webcams sind seit Corona doppelt so teuer.

"I’m a Mac"-Darsteller wechselt zum PC

Da hatte Intel offenbar die besseren (finanziellen) Argumente. US-Schauspieler Justin Long, der von 2006 bis 2009 in Apples legendärer "Get a Mac"-Kampagne den Mac spielte, der sich über sein spießiges PC-Gegenüber lustig machte, hat das Lager gewechselt. Bei ihm heißt es ab sofort laut CNN: "I’m a PC." In den Videos der neuen Intel-Werbekampagne spielt der 42-Jährige den überzeugten Windows-Umsteiger, der seine Mac-Vergangenheit aufrichtig bereut. Damit reagiert Intel per Spot(t) auf Apples Wechsel zu dessen eigenen M1-Prozessoren, die den Intel-Chips in den bisherigen Tests bei Leistung und Stromverbrauch teilweise deutlich überlegen sind.

Mit einiger Mühe hat Ex-Mac Justin Long laut Intel-Drehbuch trotzdem Argumente für seinen Umstieg gefunden. Er kritisiert unter anderem, dass Apple keinen Touchscreen-Mac anbietet, dass kaum jemand auf einem Mac spielt – und dass es das Gehäuse der neuen Apple-Rechner nur in den Farben "grau und noch grauer" gibt. In einem der Clips heißt es, dass Apple-Kunden "ein Tablet, eine Tastatur, einen Stift und einen Adapter kaufen müssen, um das zu bekommen, was ein Intel-Laptop bietet". Damit dreht sich das "Get a Mac"-Karussell weiter: Apple hatte kürzlich den ehemaligen "I’m a PC"-Schauspieler John Hodgman wieder ausgegraben, der auf der M1-Keynote verraten hat, warum der gute alte Intel-PC seiner Meinung nach noch kein Auslaufmodell ist.

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TikTok: Personalisierte Werbung wird Pflicht

Bisher können TikTok-Nutzer selbst bestimmen, ob sie personalisierte Werbung sehen möchten. Ab 15. April entfällt diese Auswahlmöglichkeit. Dann werden in der China-App automatisch Spots angezeigt, die sich individuell danach richten, welche Videos zu welchen Themen sich ein Nutzer auf TikTok ansieht. Eine Einblendung in der App, so The Verge, kündigt nun die Änderung an. Dort heißt es: "Ab 15. April werden sich Ihre Einstellungen ändern und die Anzeigen, die Sie sehen, beginnen darauf zu basieren, was Sie auf TikTok tun."

Als Begründung nennt Betreiber ByteDance: "Damit TikTok kostenlos bleibt, arbeiten wir mit Werbetreibenden zusammen, um Ihnen Anzeigen zu präsentieren." Zumindest das Ausmaß an personalisierter Werbung können Nutzer aber offenbar weiterhin selbst bestimmen, so TikTok: "Sie haben immer noch die Kontrolle darüber, ob Anzeigen auf der Grundlage von Daten unserer Werbepartner besser auf Sie zugeschnitten sein können." Weitere Details nennt ByteDance in seinem deutschsprachigen Sicherheitszentrum. Mit der Maßnahme reagiert TikTok offenbar auf die Anti-Tracking-Maßnahmen von Apple im anstehenden iOS 14.5. Mehr personalisierte Werbung dürfte dabei helfen, dass die Werbeeinnahmen nicht allzu sehr in die Knie gehen.

Personalisierte Werbung: Ab 15. April gibt es bei TikTok kein Entrinnen mehr.

Ab 349 Euro: So klasse ist Samsungs neue Mittelklasse

Mit seinen teuren Galaxy-S-Smartphones macht Samsung seit vielen Jahren dem iPhone erfolgreich Konkurrenz. Deutlich öfter über die Theke geht allerdings die Mittelklasse-Baureihe Galaxy A, die dank günstigerer Preise und leistungsstarker Technik zu den meistverkauften Handys der Welt zählt. Das dürfte auch mit den neuen Modellen Galaxy A52, A52 5G und A72 so weitergehen, die die Koreaner jetzt vorgestellt haben. Bei Preisen ab 349 Euro bleiben wenige Argumente übrig, sich überhaupt noch ein aktuelles Galaxy S21 für mindestens 700 Euro zuzulegen. Mit schnellen Prozessoren, mit AMOLED-Bildschirmen ab 6,5 Zoll, mit Vierfach-Kameras auf der Rückseite und mit dem aktuellen Android 11 dürfte die Ausstattung den allermeisten Smartphone-Nutzern genügen.

Das A52 ist mit 6,5 Zoll etwas kleiner als das 6,7 Zoll große A72, allerdings fallen die Unterschiede marginal aus. Das A52 5G ist das einzige Modell des Trios, das den neuen 5G-Mobilfunk unterstützt – was in Sachen Zukunftssicherheit allerdings ein Wermutstropfen ist. Dafür dürften die Displays mit flüssigen 90 Hz bis 120 Hz Bildwiederholrate und die Akkus mit (angeblich) zwei Tagen Laufzeit überzeugen. Vorteil des A72 neben dem etwas schnelleren Prozessor ist die zusätzliche Tele-Linse der Rückkamera, die für einen optischen Dreifach-Zoom sorgt. Erfreulicherweise erneut an Bord sind Kopfhörerbuchse und Micro-SD-Slot zur Speichererweiterung. Das A52 gibt es offiziell ab 349 Euro, das A52 5G ab 429 Euro und das A72 für 449 Euro. Alle Varianten sind ab sofort im Handel, und die Preise dürften Samsung-typisch bald sinken.

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Auch wegen Corona: Das Festnetz-Telefon ist wieder da

Die Erde ist eine (Wähl)scheibe! Das fast schon abgeschriebene Festnetz-Telefon feierte im Corona-Jahr 2020 ein vielleicht allerletztes Comeback. Nach zwölf Jahren Rückgang stiegen die Gesprächsminuten gegenüber 2019 in Deutschland erstmals wieder an, von 94 Milliarden auf 104 Milliarden Minuten. Von den Bestwerten aus dem Jahr 2008 mit damals 198 Milliarden Minuten ist die Vintage-Technik allerdings nach wie vor weit entfernt. Das berichtet der Spiegel mit Berufung auf Zahlen der Bundesnetzagentur. Weil der Gesprächs- und Plauderbedarf durch Lockdown und Home Office groß war, sind die Zahlen überraschend noch einmal gestiegen. Wenn die Pandemie ausgestanden ist, dürfte sich dieser Aufschwung allerdings nicht fortsetzen.

104 Milliarden Gesprächsminuten – das bedeutet, dass jeder Mensch in Deutschland vom Baby bis zum Greis letztes Jahr insgesamt 1.250 Minuten oder 3,4 Minuten pro Tag im Festnetz telefoniert hat. Kein schlechter Wert für eine weit über 100 Jahre alte Technik. Deutlich gefragter ist aber Telefonieren per Mobilfunk, das 2020 um 28 Milliarden auf 155 Milliarden Minuten zulegte. Im Jahr davor stieg die Mobilnutzung nur um acht Milliarden Minuten. Internetbasierte Gespräche per WhatsApp oder mit Diensten wie Zoom sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Es ist wieder da! Das (gute) alte Festnetz-Telefon ist ein Corona-Gewinner.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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