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Technik-Kolumne
TechTäglich: Apple erfindet den Computer neu

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit der Mac-Revolution von Apple und mit der Tempobremse für E-Bikes.

Text: W&V Redaktion

11. November 2020

TechTäglich ist die Technik-Kolumne von W&V.
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Apple erfindet den Computer neu

Bei seinen ersten beiden Neuheiten-Shows in diesem Herbst hat Apple vor allem Überarbeitungen seiner Klassiker gezeigt. Mit Watch Series 6, iPad Air 4 und iPhone 12 hat der US-Konzern die bewährten Erfolgsrezepte weiter verfeinert. Beim "One more thing"-Event gestern Abend hat Apple dagegen seine erste echte Revolution seit vielen Jahren losgetreten. Die Mac-Rechner mit Apples eigenem M1-Chip, die in einer 45-minütigen Videoshow Premiere feierten, sollen nicht mehr und nicht weniger als den Computer neu erfinden. Das klassische Intel-Konstrukt mit separatem Prozessor, Arbeitsspeicher und Grafikkarte ist passé. Apple ersetzt es durch die Technik, die es seit Jahren in seine iPhones und iPads einbaut. Alle Elemente sitzen auf einem gemeinsamen Chip – was für drastisch mehr Leistung und ebenso drastisch niedrigeren Energieverbrauch sorgt.

2x schneller als bisher, 3x schneller, 6x schneller, 10x schneller, 15x schneller – es schwirrte einem der Kopf bei Apples Zahlenschlacht. Das neue MacBook Air läuft laut Apple schneller als 98 Prozent der PC-Laptops, die letztes Jahr verkauft wurden. Dabei verzichtet es komplett auf einen Ventilator, arbeitet so leise wie ein Smartphone, und der Akku hält bis zu 18 Stunden durch. Wie bei iPhone und iPad ist der Rechner nach dem Einschalten sofort wach, und die Programme starten so schnell wie Apps. Für Apple dürfte sich damit auch die Produktion vergünstigen. Die Preise bleiben allerdings weitgehend gleich, das freut die Aktionäre. Ein Mac mini ab 778,85 Euro, ein MacBook Air ab 1.100,50 Euro und ein 13,3 Zoll großes MacBook Pro ab 1.412,45 Euro können sich angesichts der erheblich gestiegenen Leistung und Akku-Laufzeiten aber sehen lassen. Am Ende begeisterte Apple auch Mac-Nostalgiker – mit der Rückkehr des geliebten Chime ("Doing!") beim Starten in macOS Big Sur (kommt morgen) und mit dem Comeback des kultigen "Ich bin ein PC"-Spießers, der jetzt altmodischer denn je aussieht.

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E-Bikes: VanMoof bremst Schummel-Fahrräder

Legal, illegal, Fahrradpedal: Für kennzeichen- und versicherungsfreie E-Bikes gilt in der EU im Elektromodus ein Tempolimit von 25 km/h. Die Fahrräder dürfen zwar schneller unterwegs sein, wenn der Fahrer ordentlich strampelt. Doch oberhalb von Tempo 25 muss sich der Motor abschalten. Für Nutzer von E-Bikes der niederländischen Kultfirma VanMoof gab es bisher aber ein Schlupfloch. Denn die Holland-Räder werden weltweit mit den gleichen Motoren ausgeliefert, die das US-Limit von 32 km/h auch in Europa ermöglichen. Die EU-Bremse ließ sich bisher ganz einfach in der VanMoof-App abschalten. Dies führte in Deutschland laut Firmengründer Ties Carlier zuletzt zu verstärkten Polizeikontrollen bei VanMoof-Bikes, und angeblich sogar zu Bußgeldern von 250 Euro und Stilllegungen von Rädern. Die Fahrer müssen den US-Modus dabei nicht einmal aktiviert haben – es genügt, wenn er in der App vorhanden ist.

Deshalb ist ab 17. November Schluss mit dem Schummel-Radeln. Mit einem App-Update entfernt VanMoof in der EU den US-Modus, dann liegt die Höchstgrenze für die Elektrounterstützung bei legalen 25 km/h. Wer auf seinem VanMoof bereits das 32-km/h-Limit aktiviert hat, wird laut The Verge aber zumindest vorerst nicht per Firmware-Update gebremst. Hier appelliert der Hersteller lediglich an seine Nutzer, einen "Länder-Reset durchzuführen". Ob das dann auch wirklich passiert, kann die Polizei wohl nur schwer prüfen. VanMoof-Gründer Carlier ist mit der Tempobremse nicht glücklich, wie er in einem Blogeintrag schreibt: "Und das in Deutschland, wo ich als junger Mann mit 260 Sachen über die Autobahn gefahren bin, mit freundlicher Zustimmung der Polizei." Auch Konkurrent Cowboy hat kürzlich den Speed-Modus seiner E-Bikes gestrichen. Er diente zum Fahren "auf Privatgelände" – woran sich wohl kein Mensch gehalten hat.

Schluss mit Schummeln: VanMoof-Fahrer sollen sich künftig ans Tempolimit halten.

BMW hebt ab – mit elektrischem Wingsuit

Bei BMW funktioniert Elektromobilität deutlich schneller als mit Tempo 25. Der Münchner Autobauer hat jetzt einen Wingsuit mit Elektroantrieb entwickelt. Extremsportler sind damit nicht mehr 100 km/h schnell, wie mit einem klassischen Wingsuit. Stattdessen ermöglicht der Flügelanzug über 300 Sachen. Die Träger können außerdem aktiv nach oben fliegen, und so Hindernisse und Berge überwinden. Der österreichische Flugprofi und Stuntman Peter Salzmann, von dem auch die Idee zu dem Projekt stammt, hat jetzt einen ersten Testflug unternommen. Dabei sprang er in Österreich in den Hohen Tauern auf 3.000 Metern Höhe aus einem Hubschrauber ab.

Der "Electrified Wingsuit" wurde in dreijähriger Arbeit von BMW i entwickelt – also von der Abteilung, die sich sonst um die Elektroautos des Konzerns kümmert. Er ist mit zwei Propellern ausgestattet, deren Elektromotoren jeweils rund 10 PS leisten. Das reicht zwar nur für fünf Minuten Betrieb. Doch im Flug können die Propeller die meiste Zeit ausgeschaltet bleiben. Der Pilot aktiviert sie nur, wenn er besonders schnell fliegen oder über einen Berg düsen will. BMW will den Fluganzug nun weiterentwickeln. Daraus können weitere Projekte im Bereich elektrische Aeromobilität entstehen.

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Das sind jetzt die meistverkauften Smartphones

Die Marktforscher von Canalys aus Singapur haben die weltweit meistverkauften Smartphones im dritten Quartal 2020 ermittelt. Dabei führt Apple vor Apple, und vor drei Samsung-Modellen. Das erfolgreichste Handy zwischen Juli und September war demnach das Standard-Modell des iPhone 11 mit rund 16 Millionen verkauften Einheiten vor dem günstigeren iPhone SE und dem Samsung-Einsteigermodell Galaxy A21s, die beide auf jeweils zehn Millionen Exemplare kamen. Damit setzt sich der Trend zu günstigeren Smartphones fort. Das iPhone SE ist bereits ab 420 Euro zu haben, und das Galaxy A21s sogar schon ab 140 Euro.

Unter den Top 10 finden sich nur Smartphones von Apple, Samsung und Xiaomi – und kein einziges der sündteuren Flaggschiffe aus der 1.000-Euro-Kategorie. Erfolgreichster Hersteller war erneut Samsung mit einem Plus von 2 Prozent auf 80,2 Millionen verkaufte Geräte, während das von Android-Problemen geplagte Huawei um 23 Prozent auf 51,7 Millionen Handys zurückfiel. Davon profitiert auf Platz drei China-Newcomer Xiaomi, der um 45 Prozent auf 47,1 Millionen Exemplare zulegte und damit erstmals Apple überholte. Apple setzte 43,2 Millionen iPhones ab – und litt darunter, dass sich die neuen Modelle wegen Corona dieses Jahr um einen Monat verspäteten.

Apple vor Apple und dreimal Samsung – die Smartphone-Charts im dritten Quartal.

Der erste Spiele-Hit für die PlayStation 5

Die USA feiern gerade Kamala Harris, die als erste Frau und als erste Politikerin mit nicht-weißer Hautfarbe im Januar Vizepräsidentin wird. Im Spielebereich hat Miles Morales, ein Junge aus Puerto Rico, solch eine kleine Revolution schon im Jahr 2011 geschafft. Damals wurde er in den Marvel-Comics zum ersten "schwarzen Spider-Man". Und nun schwingt er sich zu einem neuen Karriere-Höhepunkt auf. Er ist Hauptdarsteller in "Spider-Man: Miles Morales" (60 Euro), dem ersten großen Spiel für Sonys PlayStation 5, die morgen in den USA erscheint.

Das neue Spidey-Spiel wurde parallel für PlayStation 4 und 5 entwickelt – und kann die Hardware-Leistung der PS5 damit noch längst nicht ausnutzen. Es zeigt aber zumindest ansatzweise, was möglich ist. New York sieht auf der PlayStation 5 noch detaillierter aus, mit faszinierenden Beleuchtungseffekten. Auf der PS5 bietet das Spiel minimale Ladezeiten dank SSD-Speicher, 4K-Bildauflösung mit 60 Bildern pro Sekunde, 3D-Sound und besseres haptisches Schüttel-Feedback am Controller. Nachwuchs-Spinnenmann Miles muss darin New York vor dem Bandenkrieg zwischen der Roxxon Energy Corporation und den Untergrund-Kriminellen von Bösewicht Tinkerer bewahren. Eine hübsche, unterhaltsame Geschichte – aber sicherlich noch kein Grund, auf Ebay Unsummen für die ansonsten überall ausverkaufte PlayStation 5 zu bezahlen.

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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