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Technik-Kolumne
TechTäglich: Apple verklagt Birnen-Firma

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit einem Apfel-Birnen-Vergleich und mit Ärger um den Thermomix von Aldi.

Text: W&V Redaktion

10. August 2020

TechTäglich - die Technik-Kolumne von W&V.
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Apple verklagt Birnen-Firma

Wenn es um fruchtige Logos geht, kennt Apple kein Pardon. Legendär sind die rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem deutschen Radfahrweg "Apfelroute" und mit der norwegischen Fortschrittspartei, die sich einen roten Apfel als Markenzeichen ausgesucht hatte. Im neuesten Fall vergleicht Apple Äpfel mit Birnen – und geht juristisch gegen die App "Prepear" der gleichnamigen kanadischen Firma vor. Die Macher der Rezepte- und Einkaufs-App nutzen eine Birne als Logo, deren Blatt zudem wie bei Apple nach rechts zeigt. Auch der Name, ein Wortspiel mit "Präparieren/Vorbereiten", enthält das Wort "Birne" ("Pear") auf Englisch. In den von Apple eingereichten Unterlagen zum Markenwiderspruch heißt es über das Birnen-Logo: "Es zeigt ein minimalistisches Frucht-Design mit nach rechts weisendem Blatt, das an Apples berühmtes Apfel-Logo erinnert."

Die Betreiber der Fünf-Mann-Firma beklagen sich jetzt auf Instagram über den "Billionen-Konzern Apple": "Während der Rest der Welt alles daran setzt, kleinen Unternehmen während dieser Pandemie zu helfen, hat Apple beschlossen, gegen unser Kleinunternehmen vorzugehen." Die Kanadier haben eine Petition gestartet und wollen vorerst nicht nachgeben – auch wenn sie die Auseinandersetzung mit Apple bereits mehrere Tausend Dollar und einen ersten Arbeitsplatz gekostet hat. Firmengründer Russell Monson bestreitet generell das Recht von Apple auf Früchte-Logos. Und er will "eine Botschaft an große Tech-Unternehmen senden, die versuchen, kleine Firmen einzuschüchtern". Die andere Seite der Medaille: Wenn Apple seine Marke nicht konsequent juristisch schützt, könnte ein Wildwuchs mit artverwandten Apfel- und Frucht-Logos drohen.

Fall Obst: Apple verklagt App-Betreiber mit Birnen-Logo.

US-Boykott: Huawei gehen die Smartphone-Chips aus

Bislang hat Huawei den US-Boykott relativ unbeschadet überstanden. Im zweiten Quartal 2020 stieg der chinesische Elektronik-Riese sogar zum größten Smartphone-Hersteller der Welt auf, und überholte dank exzellenter Verkäufe auf dem Heimatmarkt in China Konkurrent Samsung. Im Westen ging Huaweis Smartphone-Absatz ohne Google-Software und ohne Android Play Store zuletzt dagegen um ein Drittel zurück. Doch nun entwickeln sich die Trump-Sanktionen endgültig zur massiven Bedrohung für Huawei. Denn den Chinesen gehen die Smartphone-Chips aus. Nach aktuellem Stand, so Golem, muss Huawei Mitte September die Produktion seines leistungsfähigsten SoC-Prozessors einstellen. In dieser "System on a Chip"-Hardware sind die wichtigsten Komponenten eines Smartphones zusammengefasst.

Hintergrund: Vorlieferant TSMC aus dem demokratisch regierten Taiwan nimmt bereits seit Mai keine Bestellungen von Huawei für seine Kirin-Prozessoren mehr an, auf denen die Huawei-Hardware basiert. Nun gehen die Vorräte zur Neige. Andere Lieferanten für die im aktuellen 7-Nanometer-Design gefertigten Chips gibt es laut Huawei-Manager Richard Yu nicht. Und selbst herstellen können die Chinesen die Hardware auch nicht. Grund für den Lieferstopp sind die Sanktionen, an die sich aufgrund des Drucks aus Washington auch das eng mit den USA verbundene Taiwan hält. Nun droht zumindest das Aus für Highend-Smartphones von Huawei. Manager Yu deutete bereits an, dass die Chinesen dieses Jahr ihren Vorjahres-Absatz von 240 Millionen Smartphones nicht erreichen werden.

An exzellenten Kameras mangelt es Huawei nicht. Doch Highend-Prozessoren gehen zur Neige.

Twitter will Tiktok kaufen

Kommt nun TwitTok? In der neuesten Wendung der großen Tiktok-Saga interessiert sich jetzt auch Twitter für den Kauf der umstrittenen chinesischen Video-App. Laut Wall Street Journal haben bereits erste Gespräche zwischen den beiden Unternehmen stattgefunden. Twitter will mit einer Übernahme das Scheitern seiner eigenen Video-App "Vine" gutmachen. Auch TikTok-Besitzer ByteDance soll einen Verkauf seiner US-Aktivitäten an Twitter bevorzugen. Denn das kalifornische Unternehmen ist in China verboten, das würde eine eindeutige Trennung der beiden Kanäle erleichtern. Allerdings zweifeln Experten wie Erik Gordon von der Universität Michigan, ob das vergleichsweise kleine Twitter einen Kauf finanziell überhaupt stemmen könnte. Analysten schätzen den Kaufpreis für das US-TikTok auf 20 bis 50 Milliarden Dollar. Hier müssten externe Investoren einspringen.

US-Präsident Donald Trump, der immer noch beleidigt ist, dass ihm clevere Tiktok-Teenies den Wahlkampf-Auftakt in Tulsa/Oklahoma vermasselt haben, will die China-App in den USA verbieten. Dazu setzte er zuletzt ein 45-Tage-Ultimatum in Kraft, an dessen Ende jegliche Geschäfte von US-Firmen und US-Bürgern mit ByteDance verboten wären. Einziger Ausweg wäre ein Verkauf zumindest der US-Sparte an ein amerikanisches Unternehmen. Microsoft gilt als Hauptinteressent. Allerdings hat sich hier gerade Firmengründer Bill Gates skeptisch gezeigt. Er zweifelt an der Social-Media-Erfahrung von Microsoft und spricht von einem "Giftkelch".

Twitter ist interessiert, und aus TikTok könnte bald TwitTok werden.

Der Aldi-Thermomix lässt sich hacken

Auch der Thermomix-Klon von Aldi kocht nur mit Wasser – zumindest in Sachen Internetanbindung. Forscher der Fachhochschule Oberösterreich haben in Tests herausgefunden, dass sich die WLAN-Funktion der Küchenmaschine beunruhigend einfach hacken lässt. Unbefugte können beispielsweise die Kochtemperatur über das erlaubte Maximum von 120 Grad hinaus erhöhen, oder die Geschwindigkeit des Rührwerks so manipulieren, dass das Gerät beschädigt wird. Zudem können sie Nutzungsdaten auslesen. Aldi und seine österreichische Tochter Hofer verkaufen die Küchenmaschine in unregelmäßigen Aktionen unter den Namen "Ambiano" (Aldi Süd/Hofer) und "Quigg" (Aldi Nord) für rund 200 Euro.

Um den Aldi-Thermomix zu hacken, müssen sich Angreifer laut Standard im gleichen WLAN-Netz wie der Nutzer befinden. Außerdem muss die Maschine eingeschaltet sein. Ein allzu realistisches Hacker-Szenario ist das nicht. Allerdings kann sich ein technisch geschickter Nachbar so durchaus boshafte Scherze erlauben. Vor allem aber zeigt die ungesicherte Kommunikation der Aldi-Hardware, wie anfällig für Angriffe zahllose Smarthome-Geräte sind. Je nach Ausmaß der Sicherheitslücke dienen sie auch als Einfallstor für Attacken auf Computer oder Smartphones im Haushalt. Die Forscher raten Aldi-Thermomixern, die WLAN-Funktion abzuschalten. Aldi beziehungsweise Hofer haben seit drei Monaten nicht auf einen Hinweis der österreichischen Experten reagiert.

Hacken statt Backen: Der Aldi-Thermomix ist anfällig für WLAN-Angriffe.

Zunge ankleben: Gefährlicher Tiktok-Unfug

Wenn es um Tiktok-Likes geht, setzt gerade bei jungen Nutzern gerne mal der Verstand aus. Die Mannheimer Polizei warnt jetzt auf Facebook vor der momentan offenbar sehr angesagten "Super Glue Challenge", bei der Nutzer Körperteile wie Handflächen, Ellbogen, Lippe oder Zunge mit Sekundenkleber an Gegenständen festkleben – oder bei der sie mit dem Kleber Körperteile miteinander verbinden. Die Beamten in Mannheim mussten jetzt ein Mädchen befreien, das sich für ein Video an eine Stange geklebt hatte. Die Schülerin konnte sich nicht mehr selbst helfen, Feuerwehr und Rettungskräfte mussten eingreifen. Das Mädchen wurde leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht.

"Zu jung für eine dauerhafte Verbindung – Schülerin von Stange befreit", überschreibt die Mannheimer Polizei ihre Warnung. Die Beamten bitten die jungen Leute eindringlich: "Macht bitte nicht jeden Kram aus dem Internet nach!" Zur "Super Glue Challenge" gehört auch anderer Unfug – zum Beispiel das Einreiben von Gegenständen in der Öffentlichkeit mit Sekundenkleber, an denen Unbekannte festkleben sollen, was dann auf Tiktok, Instagram oder Snapchat landet. Teilweise inszenieren die Teenies solche Videos auch nur, ohne dass echter Klebstoff im Spiel ist. Aus gegebenem Anlass haben die Polizisten eine weitere Bitte an die Leser ihres Facebook-Posts: "Aber auch, wenn das nicht die klügste Aktion war, haltet Euch mit schmähenden Kommentaren zurück und denkt dran, das Mädel ist noch jung und aus Fehlern lernt man!"

Kleben und Kleben lassen? Bei Sekundenkleber hört der Spaß auf.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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