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Tech-Kolumne
TechTäglich: BMW – Details zum iPhone-Schlüssel

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit einem Schlüsselerlebnis für BMW-Fahrer und mit der perfekten Mond-Toilette.

Text: W&V Redaktion

26. Juni 2020

TechTäglich - die Tech-Kolumne von W&V.
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BMW: So funktioniert der iPhone-Schlüssel

Apple hat diese Woche auf seiner virtuellen Entwicklerkonferenz WWDC bekanntgegeben, dass BMW als erster Hersteller die neue Funktion "CarKey" einsetzt, bei der das iPhone zum digitalen Autoschlüssel wird. Von BMW kommen weitere Details. Der iPhone-Schlüssel funktioniert nicht nur mit dem neuen 5er-BMW – sondern mit fast allen Autos, die die Münchner ab 1. Juli 2020 produzieren. Ausgenommen sind vorerst nur der 7er sowie X1, X2, X3 und X4. Kunden, die die neue Funktion nutzen wollen, brauchen die Sonderausstattungen "Komfortzugang" und "Connected Drive Services". Und sie müssen das richtige iPhone besitzen. CarKey funktioniert ab dem iPhone XR oder XS vom Herbst 2018, und mit allen danach erschienenen Apple-Handys – also auch mit dem aktuellen 11er und dem neuen Günstig-iPhone SE. Apple integriert CarKey im jüngsten Update von iOS 13. Neue BMW starten also schon digital, noch bevor im Herbst iOS 14 erscheint.

Um die Autotür mit dem iPhone zu öffnen, muss das Handy – oder die damit verbundene Apple Watch ab Series 5 – vorerst noch an den Türgriff gehalten werden. Erst mit der künftigen Version 3.0 der Technik kann das iPhone in der Tasche bleiben. Identifizieren per Gesichtserkennung oder Fingerabdruck ist aber nicht nötig. Zum Starten des Autos muss das iPhone im Smartphone-Fach liegen. Nutzer können den digitalen Schlüssel per iMessage-Textnachricht an bis zu fünf Personen verschicken, die dann auch mit dem Auto fahren dürfen. Damit es Tochter oder Sohn nicht allzu sehr krachen lassen, kann der Schlüsselbesitzer dabei Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit und Radio-Lautstärke begrenzen sowie das Abschalten des ESP verbieten. Und der Nachwuchs kann den BMW Digital Key nicht an seine Kumpels verschicken, ein Weiterleiten ist nicht möglich. Übrigens: Wenn dem iPhone der Akku ausgeht, lässt sich das Auto dank eines Not-Modus mit Rest-Strom trotzdem noch fünf Stunden lang öffnen und starten. Und einen richtigen Autoschlüssel liefert BMW weiterhin mit.

Schlüsselerlebnis: Fast alle Autos von BMW lassen sich künftig mit dem iPhone öffnen und starten.

Sonos: Jobs weg, Showroom in New York dicht

Die Produkte werden hochgelobt, die Vernetzung funktioniert bestens, und Design sowie Verpackung sind auf allerhöchstem Apple-Niveau. Trotzdem läuft es für Sonos nicht nach Wunsch. Nachdem die Umsätze im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent zurückgegangen sind, streicht der kalifornische Audiospezialist 12 Prozent seiner rund 1.500 Jobs. Zudem schließt Sonos einige kleinere Büros und seinen prächtigen Showroom im New Yorker Stadtteil Soho. Unternehmenschef Patrick Spence verzichtet laut TechCrunch von Juli bis September auf 20 Prozent seines Gehalts.

Als Grund für den Umsatzeinbruch nennt Sonos in einem Brief an seine Aktionäre vor allem die Corona-Pandemie, die zu geschlossenen Geschäften und zu einer geringeren Nachfrage nach seinen teuren Audiolösungen geführt habe. Auch den schwachen deutschen Markt spricht das US-Unternehmen ausdrücklich an. Hierzulande kam noch eine "Neuausrichtung der Lagerbestände" als Problem dazu. Als ambitioniertes, aber nicht allzu großes Unternehmen, gilt Sonos immer wieder als Übernahmekandidat. Die Edel-Lautsprecher samt exzellenter Netzwerk- und Audiosoftware würden perfekt ins Apple-Portfolio passen. Und den Preis für seinen kalifornischen Nachbarn könnte Apple aus der sprichwörtlichen Portokasse bezahlen.

Ging baden: Das zweite Quartal lief schlecht für Sonos.

NASA sucht die perfekte Mond-Toilette

Die NASA will im Jahr 2024 mit seinem Artemis-Programm wieder Menschen zum Mond schicken – hat aber ein Entsorgungs-Problem. Denn die Toiletten, die Neil Armstrong & Co. vor gut 50 Jahren für ihre Mond-Missionen benutzt haben, sollen heutigen Astronauten nicht mehr zugemutet werden. Damals mussten die Besatzungsmitglieder in eine Art Kondom pinkeln. Und um größere Geschäfte abzusaugen, mussten Kollegen mit Hand anlegen. "Es hat furchtbar gestunken, die Crews haben es gehasst. Das geht heute nicht mehr", verrät Mike Interbartolo, der Projektmanager für die neue Mondmission. Deshalb sucht die NASA im Rahmen der "Lunar Loo Challenge" (Mondklo-Herausforderung) jetzt nach der perfekten Mond-Toilette.

Jeder, der eine Idee für das "Game of Weltraum-Thron" hat, kann sie bis 17. August bei der NASA einreichen. Für Vorschläge, die umgesetzt werden, gibt es Prämien von bis zu 35.000 Dollar (31.000 Euro). Kinder und Jugendliche können laut The Verge bei einem eigenen U18-Mondklo-Wettbewerb mitmachen. Aber die Anforderungen ans neue Weltraum-WC sind hoch. Es muss sowohl in der Schwerelosigkeit beim Hin- und Rückflug als auch beim Aufenthalt auf dem Mond funktionieren. Denn dort herrscht etwa ein Sechstel der Erdanziehungskraft. Außerdem muss sich die Toilette sowohl für Astronauten als auch für Astronautinnen eignen, wenn erstmals auch eine Frau die Mondoberfläche betritt. Und die Geschäfte sollen möglichst geruchlos ablaufen – damit der Mann im Mond (oder die Frau) nicht mehr die NASA rümpfen muss.

Game of Weltraum-Thron: Die NASA sucht die Super-Toilette für ihre nächste Mond-Mission.

Deutsche Corona-App jetzt für zehn weitere Länder

Deutschlands Corona-Warn-App gilt mit ihren bisher rund 13 Millionen Downloads mittlerweile international als Vorbild. Das musste zuletzt auch Briten-Premier Boris Johnson erfahren, dem im Unterhaus "Germany!" als Vorbild für eine funktionierende Tracing-Lösung vorgehalten wurde. Nun macht die deutsche Corona-App auch international Karriere. Sie ist seit gestern in weiteren zehn App Stores für iOS und Android in den jeweiligen Landessprachen verfügbar. Die Nutzung ist für Touristen und Besucher aus Österreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Dänemark, Polen, Rumänien, Bulgarien und aus der Tschechischen Republik vorgesehen, die sich in Deutschland aufhalten.

"Weitere Länder", so das Robert-Koch-Institut, "werden im Moment geprüft und schrittweise in den App Stores freigegeben". Dieser Prozess ist zeitaufwändig, weil die App den Daten- und Verbraucherschutzregularien der jeweiligen Länder entsprechen muss. Auch in einem weiteren Bereich macht die deutsche Corona-Warn-App Fortschritte. Immer mehr Arztpraxen und Labore sollen künftig in der Lage sein, Testergebnisse digital inklusive QR-Code zu verschicken. Mit diesem Code können positiv getestete Personen direkt in der App ihr Ergebnis eingeben, und müssen sich dann nicht mehr bei einer Hotline der Telekom melden.

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Johnny Cash im Videospiele-Hit

Ein großartiges Spiel hat auch großartige Musik verdient. Sonys ebenso brillantes wie schockierendes Endzeit-Drama "The Last of Us Part II" für die PlayStation 4 ist derzeit Deutschlands meistverkauftes Videospiel. Und das Spiel regt durch den bestürzenden Rachefeldzug seiner Heldin Ellie nicht nur zum Nachdenken über das Thema Gewalt an – sondern es funktioniert auch als digitales Musikinstrument. Weil Ellie leidenschaftlich gern (und im Verlauf der Geschichte leider immer seltener) traurige Lieder zu ihrer Gitarre singt, hat Entwickler Naughty Dog eine durchaus anspruchsvolle Gitarren-Simulation als Mini-Game eingebaut.

Wer geschickt mit seinem PlayStation-Controller umgeht, kann beinahe wie echt Gitarre spielen, mit Griffen, Akkorden und allen Feinheiten. Weil sich die Songs als Video aus dem Spiel exportieren lassen, sind nun auf Twitter, YouTube & Co. jede Menge eigene Ellie-Lieder der "The Last of Us Part II"-Spieler zu hören und zu sehen. Von "Hotel California" von den Eagles bis zu Radioheads "Creep" ist alles vertreten, berichtet das Magazin Kotaku. Eindeutiger Favorit ist aber das Nine Inch Nails-Cover "Hurt" von Johnny Cash, das gespenstisch gut zu Ellies Seelenpein passt. "I hurt myself today, to see if I still feel. I focus on the pain, the only thing that’s real." So schön, so traurig – und garantiert DER Videospiele-Moment des Jahres 2020.

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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