Anzeige

Tech-Kolumne
TechTäglich: IFA 2020 findet statt – aber anders

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit Veranstaltungs-News aus Berlin und mit viel Lob fürs neue Spar-iPhone SE.

Text: W&V Redaktion

23. April 2020

TechTäglich - die Tech-Kolumne von W&V.
Anzeige

IFA 2020 findet statt – aber anders

Die Ausfallerscheinungen gehen weiter: Auch die ab 4. September in Berlin geplante IFA kann wegen Corona nicht wie geplant stattfinden. Das endgültige Aus für die Technikmesse brachte jetzt der Beschluss des Berliner Senats, bis einschließlich 24. Oktober 2020 alle Großveranstaltungen in der Hauptstadt mit mehr als 5.000 Teilnehmern zu untersagen. Mit zuletzt 245.000 Besuchern im Jahr 2019 liegt die ehemalige Internationale Funkausstellung um Welten über diesem Limit. Die Veranstalter gfu (Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik) und Messe Berlin wollen aber nicht von einer "Absage" sprechen, sondern setzen auf ein "Alternativkonzept".

In einer Stellungnahme heißt es: "Die Veranstalter diskutieren aktuell die nun notwendigen Schritte und finalisieren ein bereits in der Erarbeitung befindliches Alternativkonzept für die IFA 2020, das auf den Stärken der IFA als Leitmesse und führende Innovationsplattform aufbauen wird." Das könnte bedeuten, dass sich auch die Funkausstellung in eine virtuelle Messe verwandelt, auf der die Aussteller ihre Neuheiten online präsentieren und in Videokonferenzen Kontakt zu Partnern, Fachbesuchern und Publikum halten. Bereits vor der Absage bzw. Konzeptänderung standen die Chancen für die IFA 2020 schlecht. In einer der Messehallen wird derzeit ein Corona-Behandlungszentrum aufgebaut. Und große Aussteller wie Microsoft hatten schon vorab angekündigt, dass sie dieses Jahr an keinerlei "physisch stattfindenden" Veranstaltungen mehr teilnehmen werden.

Die Ampel für „Miss IFA“ steht auf Rot. Auch das altgediente Maskottchen kann sich 2020 allenfalls online präsentieren.

iPhone SE: Viel Lob in den ersten Tests

Morgen bringt Apple das Einsteiger-iPhone SE in den (Online)-Handel. Mit 479 Euro für die 64-GB-Version ist es das günstigste Smartphone, das Apple bisher in Deutschland verkauft hat. Bei den ersten Testern in den USA kommt der Mix aus nostalgischer Optik mit Home-Knopf und dem modernen Innenleben des iPhone 11 gut an. "Alles, was man braucht", lobt The Verge. Auch laut Engadget lohnt sich der Kauf: "Apples kleinstes und günstigstes Smartphone bietet für seinen Preis eine gewaltige Leistung." Und TechRadar rät: "Das ist das Telefon für alle, die einfach nur ein neues iPhone wollen, das jahrelang aktuell bleibt, und die dafür nicht allzu viel bezahlen möchten."

Generell loben die Tester den schnellen und starken Prozessor, den ausdauernden Akku, die jahrelange Software-Versorgung mit neuen iOS-Versionen, das drahtlose Aufladen, den praktischen Fingerabdruck-Sensor, das wasserdichte Gehäuse und natürlich den niedrigen Preis. Kritik gibt’s für den relativ kleinen und nicht mehr ganz aktuellen Bildschirm, fürs altbackene Design mit großen Rändern ums Display – und für die Rückkamera, die bei schlechtem Licht mit verrauschten Bildern doch recht schnell an ihre Grenzen stößt. CNET bringt es dennoch so auf den Punkt: "Das SE ist nicht nur ein wunderbares iPhone, sondern generell eines der derzeit besten Smartphones zu einem günstigen Preis."

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Die Insel ist reif: Fortnite erstmals im Google Play Store

Die Insel ist sturmreif geschossen. Nachdem sich Hersteller Epic Games seit der Veröffentlichung im Herbst 2018 beharrlich geweigert hatte, die Android-Version seines Actionspiele-Hits "Fortnite Battle Royale" in Googles offiziellem Play Store anzubieten, gibt das Unternehmen jetzt überraschend nach. Ab sofort ist das Ballerspiel auf ganz normalem Weg im Play Store verfügbar. Spieler sparen sich damit das Laden von Fortnite aus teils dubiosen anderen Quellen, das für Android-Geräte ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen kann.

Mit dem Boykott des Play Stores wollte sich Epic die 30 Prozent Provision sparen, die Google dort von allen Einnahmen kassiert. Forderungen des Spieleentwicklers nach einer Reduzierung oder sogar kompletten Streichung dieses Anteils hatte Google regelmäßig abgelehnt. Warum Epic nun doch nachgegeben hat, ist nicht ganz klar. Doch nachdem das Fortnite-Fieber zuletzt spürbar abgeklungen ist, könnte die Präsenz im Play Store die Umsätze aus den In-App-Käufen der Fortnite-Spieler wieder ankurbeln. Motto: "Lieber 70 Prozent von viel, als 100 Prozent von weniger." Epic gibt aber nur zähneknirschend klein bei, wie eine Stellungnahme gegenüber TechCrunch zeigt: "Google benachteiligt Downloads von außerhalb des Play Stores erheblich. Wir hoffen, dass es diese Politik ändert."

„Fortnite Battle Royale“ kommt im Play Store schon nach einem Tag auf weit über 100.000 Installationen.

The Liar tweets tonight – Trump-Spott geht viral

Die große Donald-Trump-Show zum Coronavirus, das in den USA wütet wie in keinem zweiten Land, bringt jeden Tag kuriose Blüten hervor. Der bisher kaum bekannte Liedermacher und Kabarettist Roy Zimmerman aus San Francisco hat all den Trump-Wahnsinn jetzt in einen Song gepackt und damit einen viralen Hit gelandet. Sein musikalischer Präsidenten-Protest nennt sich "The Liar tweets tonight" ("Der Lügner twittert heute Abend") und ist eine Parodie des Klassikers "The Lion sleeps tonight", den der Südafrikaner Solomon Linda bereits 1939 zum ersten Mal aufgenommen hat, und der unter anderem aus dem "König der Löwen" bekannt ist.

Aus dem legendären Refrain "Wimoweh" wird bei Zimmerman "Vote him away" – "Wählt ihn ab". Das Video zeigt zahlreiche Trump-Gegner, die davon singen, den Präsidenten im November endlich aus dem Weißen Haus zu wählen. Seit die Aktivisten-Gruppe "Occupy Democrats" das Anti-Trump-Lied auf ihrer Facebook-Seite verbreitet hat, kommt es auf diversen Kanälen mittlerweile auf über zwölf Millionen Aufrufe. Singer-Songwriter Roy Zimmerman (62), der bisher gerade Mal rund 3.700 Twitter-Follower versammelt, hofft auf einen durchschlagenden Erfolg seines Protestlieds bei der Wahl im Herbst: "Das ist die Anti-Trump-Hymne, die wir alle jetzt brauchen!"

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Darts-Star kann nicht online spielen – Internet zu langsam

Zahlreiche Sportarten sind wegen Corona bereits ins Internet umgezogen. Virtuelle Formel-1-Rennen oder Fußballspiele sorgen bei den Sportstars und den Fans in faden Corona-Zeiten zumindest für ein wenig Abwechslung. Beim Darts-Sport funktioniert das besser als bei vielen anderen Disziplinen. Denn das Pfeilewerfen lässt sich auch im heimischen Wohnzimmer perfekt betreiben, und per Videokonferenz sind (beinahe) echte Turniere möglich. Der Darts-Verband Professional Darts Corporation (PDC) veranstaltet deshalb eine "Home Tour". Daran nehmen viele Stars der Szene teil, die auch von der WM bekannt sind, die immer zur Jahreswende im Ally Pally in London stattfindet.

Mitmachen können aber nur Pfeilewerfer, die zuhause über eine einigermaßen schnelle Internetverbindung verfügen. Und daran scheitert es beim schottischen Doppel-Weltmeister Gary Anderson. Er twitterte jetzt die deprimierenden Werte seines Internetanschlusses im südwestenglischen Burnham-on-Sea: "4,61 Mbit im Download, 0,97 Mbit im Upload." Das reicht nicht für eine Teilnahme an der "Home Tour". "Es ist wirklich frustrierend", beklagt sich Anderson, "den nächsten schnellen Anschluss gibt es erst ein paar Straßen weiter unten. Ich habe hier sogar Mühe, Rechnungen online zu bezahlen." Damit schafft sein Provider keinen 180er, sondern blamiert sich eher. Doch Anderson ist mit seinem Internetproblem in England nicht allein. Lando Norris, Formel-1-Rennfahrer bei McLaren, konnte bisher bei keinem einzigen der drei virtuellen Grand Prix starten, weil sein Internetanschluss jedes Mal schlappgemacht hat. Beim letzten Rennen am Sonntag twitterte Norris lakonisch: "Läuft das Rennen schon, oder hab ich’s verpasst?"

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

Anzeige