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Tech-Kolumne
TechTäglich: Influencerin - Fake-Urlaub bei Ikea

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit einem Urlaub im schwedischen Möbelhaus und mit dem ersten vertikalen Kinofilm.

Text: W&V Redaktion

17. Februar 2020

TechTäglich - die Tech-Kolumne von W&V.
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Influencerin: Fake-Urlaub bei Ikea

"Die Königin ist angekommen! #Bali". So überschwänglich begrüßte US-Influencerin Natalia Taylor ihre Instagram-Follower von der indonesischen Ferieninsel – und heimste allein für ihre erste Bilderserie über 23.000 Likes ein. Zu sehen war sie darin mit dramatischem Makeup, offenbar in einem schillernden Luxushotel. "I. Love. This", jubelten Natalias Follower. Oder auch: "Du siehst hier aus wie Cher" (womit hoffentlich eine jüngere Ausgabe der Ersatzteil-Sängerin gemeint war). Später ließ die Insta-Prinzessin noch weitere Bali-Bilder folgen, unter anderem im edlen Badewannen-Look. Nun enthüllte sie allerdings auf YouTube, dass alles nur Fake war: "Ich war im Traumurlaub auf Bali. Das einzige Problem ist: Ich war nie da."

Denn die angeblichen Bali-Bilder hatte sie perfekt gestylt mit ihrer Haus- und-Hof-Fotografin im Ikea um die Ecke bei sich zu Hause in den USA aufgenommen. Die Fake-Urlauberin wollte damit nach eigenen Angaben zeigen, "dass man nicht allem trauen kann, was man im Netz sieht". Die perfekt ausgestatteten Pseudo-Wohnungen im Schwedenmöbelhaus – von denen Natalia einige Spuren absichtlich nicht per Photoshop retuschiert hatte – boten dafür die ideale Kulisse. Nach der Enthüllung will der eine oder andere Follower den Schwindel schon vorab geahnt haben: "Und ich hatte mich gewundert, dass Du an so einem traumhaften Ort bist und nur Indoor-Bilder postest." Vorbild für Natalia Taylor war offenbar Influencer-Kollegin Gabbie Hanna, die letztes Jahr ihren kompletten Trip zum Musikfestival Coachella frei erfand.

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Samsung: Neues Falt-Galaxy schwer angekratzt

Apropos Fake: Samsung könnte der nächste Flip-Flop drohen. Die ersten Eindrücke vom neuen Falt-Phone der Koreaner, dem Galaxy Z Flip, klangen Ende letzter Woche noch recht positiv. Vor allem der Wechsel vom Kunststoff-Display des gescheiterten Vorgängers Galaxy Fold zu einer hauchdünnen Glas-Oberfläche hörte sich vertrauenserweckend an. Allerdings kamen Journalisten bei den Präsentationen nur sehr kurz mit dem Gerät in Berührung. Nun hatte der bekannte YouTuber Zack Nelson als erster die Möglichkeit, das neue Klapp-Samsung für seinen Kanal JerryRigEverything zu testen. Und seine Eindrücke kratzen das Image des Galaxy Z Flip schwer an – im wahrsten Sinne des Wortes.

Bei seinen standardisierten Kratz-Tests ließ sich das Display des Klapp-Phones schon mit Kratzern der Stärke 2 dauerhaft beschädigen. Das entspricht der Empfindlichkeit des Vorgängers Galaxy Fold und des neuen Motorola Razr, deren Plastikdisplays sich teilweise schon mit dem Fingernagel ankratzen lassen. Zum Vergleich, so Zack Nelson: "Aktuelle Smartphones beginnen ab Level 6 zu verkratzen. Größere Schäden treten erst ab Level 7 auf." Nun wird bereits spekuliert, ob der Bildschirm des neuen Falt-Samsung tatsächlich aus "Ultra Thin Glass" (UTG) besteht – oder ob die Koreaner, so Tom's Guide, "Fake-Glas" verwenden. Fazit des Experten von JerryRigEverything: "Dieser Bildschirm ist in keinster Weise kratzgeschützt." Er geht davon aus, dass der Hersteller einen Polymer-Kunststoff mit Glaspartikeln versetzt hat, um die Oberfläche als "Glas" verkaufen zu können. War bei Samsung alles wieder für die K(r)atz?

Dreh-Beginn: Der erste vertikale Kinofilm

Hier darf tatsächlich vom "Dreh-Beginn" gesprochen werden. Der renommierte kasachische Produzent und Regisseur Timur Bekmambetow beginnt diese Woche mit der Arbeit am ersten größeren Kinofilm, der im Hochformat eines Smartphone-Bildschirms gedreht wird. Die Neuausrichtung soll die spätere Vermarktung im Netz erleichtern. Bekmambetov wurde unter anderem durch den Hollywood-Erfolg "Wanted" mit Morgan Freeman und Angelina Jolie (2008) sowie durch die Neuverfilmung von "Ben Hur" (2016) bekannt.

Nach dem römischen Breitwand-Sandalenepos schwenkt der Kasache jetzt also aufs Hochformat um. Der Vertikal-Film "V2. Escape from Hell" erzählt die Geschichte eines abgeschossenen russischen Kampfpiloten, der im Zweiten Weltkrieg unter dramatischen Umständen aus einem deutschen Konzentrationslager entkommt. Bekmambetow verfügt über Erfahrung mit dem neuen Format. Er hat auch schon eine Hochkant-Miniserie für Snapchat gedreht. "V2. Escape from Hell" mit dem russischen Star Pavel Priluchny in der Hauptrolle und einem Budget von zehn Millionen Dollar soll laut Filmmagazin Deadline Anfang 2021 ins Kino kommen. Einer der Produktionspartner ist der größte russische Mobilfunkprovider MTS, der den Film für Smartphones vermarkten soll.

Die Dreh-Arbeiten für „V2. Escape from Hell“ beginnen diese Woche in Russland.

Bill Gates: Das Problem mit seinem Elektro-Porsche

Bill Gates hat sich sein erstes Elektroauto zugelegt, einen Porsche Taycan. Das verrät der Microsoft-Gründer und milliardenschwere Philanthrop in einem Interview mit Star-YouTuber Marques Brownlee. Der nach wie vor drittreichste Mensch der Welt freut sich, dass der E-Porsche geringere Wartungskosten verursacht, und dass er den Strom für sein neues Auto gratis zapfen kann. Allerdings beklagt Gates ein nach wie vor ungelöstes Problem – die relativ geringe Reichweite von Elektroautos.

"Wenn du eine lange Strecke zurücklegen willst, ist das Aufladen natürlich wesentlich schwieriger und zeitraubender als das Füllen eines Benzintanks", hadert Gates, der seinen Taycan ansonsten allerdings "sehr sehr cool" findet. Der 64-Jährige hat aber entdeckt, dass der gute alte Verbrennungsmotor durchaus noch seine Vorteile hat: "Wie viel Energie du innerhalb einer Minute in einen Benzintank füllen kannst, ist schon unglaublich", sinniert Mr. Microsoft. "Ich glaube, die Energie ist 30mal dichter als bei einem aktuellen Lithium-Akku." Klingt fast so, als würde Bill Gates wieder mit einem laut röhrenden 911er liebäugeln.

HQ Trivia: Die Quiz-App mit echten Gewinnen ist pleite

2017 war das Quizspiel "HQ Trivia" eine der ganz großen App-Sensationen. Denn beim Mitspielen konnten die Kandidaten echtes Geld gewinnen. Der Betreiber, die US-Firma Intermedia Labs, versprach Ausschüttungen von bis zu 800.000 Dollar. Meistens blieb es für die Sieger der Gratis-App aber bei – immerhin – wenigen Tausend Dollar. Nun hat "HQ Trivia" den Betrieb eingestellt. Der Anbieter ist laut Business Insider offenbar pleite. CEO Rus Yusupov teilte den Mitarbeitern am Freitag in einer Mail mit, dass die App ihren Betrieb einstellt, "weil große Investoren nicht länger bereit sind, das Unternehmen zu finanzieren".

Vorausgegangen waren offenbar monatelange finanzielle Probleme und Streitigkeiten über die Zukunft von HQ Trivia. Scott Rogowsky, beliebter Moderator und Ex-Gastgeber der Quiz-App, griff die Betreiber jetzt in einem Tweet massiv an: "HQ ist nicht an natürlichen Ursachen gestorben. Es wurde mit einem tödlichen Cocktail aus Inkompetenz, Arroganz, Kurzsichtigkeit und soziopathischem Wahn vergiftet. Traurig, dass es schließlich zusammenbrach. Und noch trauriger für die guten und talentierten Mitarbeiter, die plötzlich im Stich gelassen wurden, nachdem sie belogen und betrogen worden waren." Rogowsky, der als "Quiz Daddy" bekannt wurde, war bereits letzten April von HQ Trivia zum Sportsender DAZN gewechselt.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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