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Technik-Kolumne
TechTäglich: Instagram-Ärger für den Papst

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit unheiligen Neuigkeiten aus dem Vatikan und mit der Kreditkarten-Warnung fürs iPhone 12.

Text: W&V Redaktion

20. November 2020

TechTäglich ist die Technik-Kolumne von W&V.
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Instagram-Ärger für den Papst

Der Heilige Stuhl hat den eher unheiligen Instagram-Post eines brasilianischen Models geliked. Und das sorgt im Vatikan nun für höllisch viel Ärger. Am 13. November gab es vom offiziellen Instagram-Konto von Papst Franziskus ein Like für einen Beitrag von Model Natalia Garibotto, in dem die Dame freizügig mit einem Röckchen posiert, das an eine Schulmädchen-Uniform erinnert. Kurz darauf fiel ersten Medien der ungewöhnliche "Segen" des Papst-Accounts auf, und der Like wurde zurückgenommen. Seither untersucht der Vatikan laut Catholic News Agency (CNA), wie es zu dem Vorfall kam.

Dass Papst Franziskus höchstpersönlich am iPad sitzt und für sein Insta-Konto Likes verteilt, darf als ausgeschlossen gelten. Laut CNA wird der Account von einem Presseteam betreut – in dem ein Mitarbeiter womöglich allzu begeistert von Natalias verlängertem Rücken war, und vergessen hat, dass er dienstlich eingeloggt ist. Die holde Maid und ihre Agentur COY sind jedenfalls begeistert von der unerwarteten PR aus Rom. COY postete: "Wir haben den offiziellen Segen des Papstes." Und Natalia Garibotto, die auf Insta nach eigenen Angaben "Sexy Content, Chats und Gewinnspiele" anbietet, freut sich: "Wenigstens komme ich in den Himmel. Aber jetzt erstmal Tschüss, ich bin auf dem Weg in den Vatikan."

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Amazon: Alexa-Brille jetzt für alle

Mit Amazons Datenbrille Echo Frames soll Alexa auch unterwegs für Durchblick sorgen. Im September 2019 stellte der US-Konzern die smarte Sehhilfe vor, die mit Mikrofonen und Lautsprechern die klassischen Alexa-Services bietet. Dazu gehören das Steuern von Geräten per Sprachbefehl oder das Vorlesen von Nachrichten. Ein Display mit Einblendungen in die Brillengläser oder eine Kamera hat Amazon dagegen nicht eingebaut. Das ändert sich auch mit der zweiten Generation der Brille nicht, die ab 10. Dezember verfügbar ist. Wichtigste Neuerung: Nachdem das Gadget bisher nur per Einladung verfügbar war, können künftig alle Amazon-Kunden in den USA die Echo Frames 2 für 250 Dollar bestellen. Das sind 70 Dollar mehr als beim Vorgänger.

Ob die Brille in absehbarer Zeit dann auch nach Deutschland kommt, ist nicht bekannt. Die Frames 2 bietet eine um 40 Prozent längere Akku-Laufzeit und eine bessere automatische Anpassung der Lautstärke an die Umgebung. Außerdem lässt sich genauer einstellen, welche "VIP"-Kontakte den Nutzer erreichen und ansprechen können, während er die Brille trägt. Es gibt mit Blau und mit Horn-Optik zwei weitere Farben, so The Verge. Und eine Kooperation mit der Optiker-Kette LensCrafters soll es Kunden erleichtern, Gläser mit Sehstärke einzusetzen. Während die Brille also weiterentwickelt wird, hat Amazon für ein zweites Versuchsprojekt aus dem Herbst 2019 den Daumen gesenkt. Der Alexa-Ring Echo Loop, ebenfalls mit Sprachsteuerung, wird eingestellt. Ein Fingerring, der ans Ohr gehalten muss, um Alexa zuzuhören, war offenbar nicht Amazons brillanteste Idee.

Echo Frames 2 – und Alexa sorgt für Durchblick.

 

iPhone 12 und Kreditkarten: Wovor Apple wirklich warnt

Mit dem iPhone 12 hat Apple in diesem Herbst seine neue drahtlose Ladetechnik MagSafe eingeführt. In allen vier Modellen des neuen Smartphones sind auf der Rückseite relativ starke, ringförmige Magneten eingebaut. Ladegeräte und anderes Zubehör können an die Magneten andocken – und sind dann exakt richtig platziert, um das iPhone mit maximaler Leistung aufzuladen oder es zum Beispiel sicher in einer Autohalterung am Armaturenbrett zu positionieren. Apple spricht von seinem "Turbolader", für den jetzt immer mehr Zubehör erscheint. Seit der Vorstellung von MagSafe wurde aber auch diskutiert, ob die Magnete zum Beispiel Bank- und Kreditkarten oder auch Ausweisen mit Magnetstreifen schaden können.

In den letzten Tagen kursierten vermehrt Meldungen, in denen davor gewarnt wurde, das iPhone 12 in die Nähe solcher Karten zu bringen. Offenbar ist der normale Kontakt zwischen dem Smartphone und Magnetkarten aber unbedenklich. In einem Support-Dokument, auf das der Spiegel jetzt hinweist, warnt Apple lediglich vor einer Praxis, die tatsächlich für Probleme sorgen könnte: "Zwischen dem iPhone und dem MagSafe-Ladegerät dürfen sich keine Kreditkarten, Sicherheitsausweise, Reisepässe oder Schlüsselanhänger befinden, da deren Magnetstreifen oder RFID-Chip beschädigt werden könnten.“ Wer seine Kreditkarte also tagsüber in die iPhone-Hülle mit MagSafe stopft, hat nichts zu befürchten. Sie sollte nur vor dem drahtlosen Aufladen entfernt werden.

In Hülle und Fülle: Derzeit erscheint immer mehr MagSafe-Zubehör fürs iPhone 12.

 

Twitter bremst den Start von Fleets

Seit Dienstag sind die "Fleets" online – Twitters neue Instagram-artige Stories für "flüchtige Gedanken", die sich nach 24 Stunden von selbst löschen. Und seitdem spaltet die Funktion das streitlustige Twitter: Die einen hassen die Fleets, die anderen können sie nicht leiden. Wobei: Mittlerweile hat die Neuheit durchaus schon Fans gewonnen. Und die mussten sich in den letzten Tagen über Startschwierigkeiten ärgern. Laut Engadget sind die Fleets beim Benutzen teilweise extrem langsam geworden, eingefroren – oder sie haben die Twitter-App komplett zum Absturz gebracht.

Deshalb tritt Twitter jetzt auf die Bremse, und rollt die Fleets weltweit langsamer aus, um "einige Leistungs- und Stabilitätsprobleme zu lösen". In einem Tweet schreibt der Twitter-Support darüber hinaus: "Wenn Ihr das Feature noch nicht habt, bekommt Ihr es vielleicht erst in ein paar Tagen. Wir freuen uns, dass so viele Menschen die Fleets nutzen, und möchten sicherstellen, dass wir für jeden die beste Erfahrung bieten." Twitter hatte die Funktion unter anderem in Brasilien bereits seit März getestet. Aber erst das hohe Interesse nach dem weltweiten Start hat nun zu den Problemen geführt.

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Wieder da: Die dümmsten Passwörter des Jahres

NordPass, ein Spezialist für Sicherheitssoftware aus Panama, hat seine traditionelle Liste der 200 unsichersten (und dümmsten) Passwörter des Jahres veröffentlicht. Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: Erschütternd viele Nutzer von Computern, Smartphones und anderen Geräten sind 2020 kein bisschen klüger geworden. In der Bestenliste, oder besser gesagt, Schlechtestenliste, liegen die Klassiker „123456“, „123456789“, „picture1“, „password“ und „12345678“ auf den ersten fünf Plätzen.

NordPass untersuchte für seine Studie laut CNN eine Datenbank mit rund 275 Millionen Passwörtern aus aller Welt. Dabei wurde allein schon der Dauerbrenner "123456" über 2,5 Millionen Mal benutzt. Solche komplett untauglichen Passwörter lassen sich mit der geeigneten Software in weniger als einer Sekunde knacken. Fortschritte beim Sicherheitsbewusstsein vieler Verwender sehen die Experten aus Panama keine, die Daten bleiben häufig so ungeschützt wie eh und je. Neu in den Top 10 sind lediglich "picture1" und "senha" – das aber auch nicht sicherer ist, denn es ist die portugiesische Übersetzung von "Passwort".

Sicher ist dagegen, dass sich am Montag an dieser Stelle wieder der Kollege Michael Gronau aus Berlin meldet – mit den Top 5 der besten Technik-Meldungen des Tages. Schönes Wochenende!

Smarte Geräte, unsmarte Nutzer – das ändert sich offenbar nie.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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