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Technik-Kolumne
TechTäglich: Quibi – das Smartphone-Kino ist da

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit dem nächsten Streamingdienst und mit der PlayStation-Formel 1.

Text: W&V Redaktion

6. April 2020

Die Technik-Kolumne von W&V - heute mit dem nächsten Streamingdienst und mit der PlayStation-Formel 1.
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Quibi: Das vertikale Smartphone-Kino ist da

Hier kommt der nächste Streamingdienst: Quibi ist da! Die Kurzfilm-App von Hollywood-Veteran Jeffrey Katzenberg (Dreamworks) und Meg Whitman (Ex-Chefin von Ebay und HP) ist seit Sonntag für iOS und Android verfügbar. Die beiden haben eine Milliarde Dollar investiert und wollen alles anders machen als Netflix oder Disney+. Denn Quibi ist ganz auf die mobile Zwischendurch-Nutzung ausgerichtet. Die Folgen der rund 50 Serien, die bereits zum Start verfügbar sind, dauern alle unter zehn Minuten. Daher auch der Name Quibi, der für "Quick bites" steht, für kleine Häppchen. Und apropos "ausgerichtet": Alle Inhalte lassen sich auf Smartphones sowohl vertikal als auch horizontal bildschirmfüllend nutzen.

Dieser Dreh, den Quibi "Turnstyle" nennt, ist Bestandteil aller Eigenproduktionen des neuen Streamingdienstes. Die Filme sind so aufgenommen, dass sie in beiden Ausrichtungen funktionieren – und dabei teilweise sogar unterschiedliche Inhalte bieten. Es kann sich also lohnen, zum Beispiel die Gerichtsserie "Chrissy’s Court" mit Chrissy Teigen oder das Food-Spektakel "Shape of Pasta" mit Starkoch Evan Funke zweimal anzuschauen. Quibi will alle Technik und Sensoren nutzen, die Smartphones bieten. So lässt sich Steven Spielbergs Horrorserie "After Dark" nur nach Sonnenuntergang ansehen. Der Dienst ist auch in Deutschland verfügbar und kostet 8,99 Euro im Monat, die ersten 90 Tage zum Testen sind gratis. Das große Handicap zum Start, so The Verge: Es gibt auch in #StayAtHome-Zeiten keine Quibi-App für den Fernseher. Und die typischen Szenarien für die Smartphone-Nutzung, im Bus, in der Bahn oder in der Uni-Pause, entfallen derzeit. Wie man’s dreht und wendet: Quibi hätte seinen Starttermin kaum ungünstiger wählen können.

Tesla: Beatmungsgerät aus Auto-Teilen

Beatmungsgeräte sind derzeit sicherlich wichtiger und gefragter als Elektroautos. Das hat auch Tesla verstanden. Der kalifornische E-Auto-Pionier entwickelt momentan ein Beatmungsgerät, das laut Chefingenieur Joseph Mardall "überwiegend aus Teilen unserer Fahrzeuge besteht". Ein Video aus dem Tesla-Labor zeigt jetzt einen ersten Prototypen, der mit dem großen Display eines Tesla Model 3 bedient wird. Die Bordelektronik von Teslas Mittelklasse-Modell dient dabei als zentrale Steuerung des Beatmungsgeräts und der für den Luftaustausch notwendigen Ventile.

Konzernchef Elon Musk hatte bereits vor längerer Zeit den Bau eines solchen Geräts angekündigt, von dem er damals noch hoffte, "dass es niemals gebraucht wird". Nun ist der Bedarf allerdings doch größer als befürchtet. Deshalb plant Tesla bereits die Produktion der Geräte in seiner New Yorker Gigafactory. Serienreif sind die "Tesla-Ventilators" momentan noch nicht, aber Tesla-Manager Lars Moravy verspricht: "Wir geben unser Bestes, damit wir bald einigen Leuten da draußen helfen können.“ Auch andere Firmen wie Dyson, General Motors und Airbus arbeiten an solchen Projekten.

Browser: Microsoft Edge jetzt die Nummer 2

Microsofts mutiger Schritt, für seinen neuen Edge-Browser auf die Chromium-Technik von Google zu setzen, zahlt sich aus. Innerhalb von nur drei Monaten hat sich der Edge bei der weltweiten Browser-Nutzung auf Platz zwei geschoben – weit hinter dem überlegenen Marktführer Google Chrome, aber erstmals vor dem weiterhin schwächelnden unabhängigen Konkurrenten Firefox. Chrome kommt jetzt laut NetMarketShare auf 68,5 Prozent Marktanteil, der Edge auf 7,6 Prozent und der Firefox auf 7,2 Prozent. Über zwei Drittel aller Internetnutzer weltweit sind also nach wie vor bereit, ihre Daten dem neugierigen Google-Konzern frei Haus zu liefern.

Während Microsofts Browser bisher vor allem dazu taugten, damit am besten möglichst schnell einen anderen Browser zu laden, hat der Edge bei Tempo, Kompatibilität und Erweiterbarkeit nun drastisch aufgeholt. Zudem profitiert er davon, dass er unter Windows 10 als Standard-Browser angeboten wird. Googles Chromium-Technik baut ihren Status als führende Plattform für Internetbrowser damit nur noch weiter aus. Nachteil: Das Interesse von Entwicklern, ihre Websites auch für Alternativen wie Firefox oder Apples Safari zu optimieren, wird damit laut Engadget immer geringer.

Microsofts Edge ist erstaunlich erfolgreich gestartet.

Apple baut Corona-Gesichtsschutz

Über 20 Millionen Atemschutzmasken hat Apple mittlerweile weltweit an medizinisches Personal verteilt. Die Bestände stammen teilweise aus Apples eigenen Reserven, die das Unternehmen für den Fall neuer schwerer Waldbrände in Kalifornien anlegen musste. Nun folgt die nächste Corona-Hilfe aus Cupertino. Apples Ingenieure und Zulieferer haben Gesichtsmasken aus Kunststoff entwickelt, die Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und Pfleger noch besser schützen sollen als Masken allein. Das gab CEO Tim Cook am Wochenende auf Twitter bekannt.

"Apple hat eine unternehmensweite Initiative gestartet, die Produktdesigner, Ingenieure, Betriebsabläufe, Verpackungsteams und unsere Zulieferer zusammenbringt, um Gesichtsschutzschilde für Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu entwerfen, zu produzieren und zu versenden“, erklärt Cook in dem Video, in dem er eine der Apple-Masken zeigt. Die erste Lieferung traf bereits letzte Woche im Kaiser-Hospital im kalifornischen Santa Clara ein. "Und das erste Feedback der Mediziner", so Cook, "war sehr positiv“. Die Packungen enthalten demnach jeweils 100 Schilde, die die Nutzer in weniger als zwei Minuten zusammensetzen können. In den nächsten beiden Wochen will Apple zwei Millionen Stück ausliefern, auch eine Verteilung außerhalb der USA ist geplant.

Vettel-Rivale Leclerc gewinnt PlayStation-Formel 1

E-Sports ist derzeit quasi das Methadon für Sportfans, die ihre gewohnten Übertragungen von Fußball und Formel 1 vermissen. Sowohl Sky als auch rtl.de haben gestern Abend den Virtual-Grand-Prix von Australien übertragen, die offizielle Ersatzveranstaltung für das erste Formel-1-Rennen in Vietnam, das eigentlich für gestern geplant war. Weil die neue Strecke in der Hauptstadt Hanoi im aktuellen Spiel "F1 2019" noch nicht vertreten ist, fand das Rennen im virtuellen Melbourne statt. Den Sieg holte sich bei seiner E-Sports-Premiere gleich auf Anhieb Sebastian Vettels Ferrari-Teamrivale Charles Leclerc, der begeistert twitterte: "Haha, mein erster Saisonsieg!"

Dass der Monegasse schon bei seinem Debüt gewinnen konnte, zeigt, dass das relativ anspruchslose "F1 2019" des britischen Herstellers Codemasters eher für Gaudi-Rennen sorgt, die mit echtem Racing wenig zu tun haben. Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media setzt dennoch auf das offizielle PC- und PlayStation-Spiel, das mit den E-Sports-Rennen vermarktet werden soll. Mittlerweile vertreiben sich immer mehr echte Formel-1-Stars wie Lando Norris oder George Russell die Zeit mit "F1 2019" und den Virtual-Grand-Prix. Auch Jenson Button, Weltmeister von 2009, feierte gestern seine Premiere. Beinharte Sim-Racer wie Hollands Superstar Max Verstappen setzen dagegen auf anspruchsvolle Simulationen wie iRacing und rFactor 2, die am PC tatsächlich für exzellenten Motorsport sorgen. Verstappen spottet laut Motorsport Total über das offizielle "F1 2019": "Ich werde da nie mitmachen."


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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