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Tech-Kolumne
TechTäglich: Siri erfindet zweiten spanischen König

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages. Das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V, die von Montag bis Freitag erscheint. Heute mit zwei spanischen Königen und mit Samsungs neuem Smartphone-Chef.

Text: W&V Redaktion

21. Januar 2020

TechTäglich - die Technik-Kolumne von W&V.
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Apple: Siri erfindet zweiten spanischen König

Ist Siri nun glühende Monarchistin – weil sie Spanien einen zweiten König verschafft? Oder ist sie Sozialistin – weil sie Ministerpräsident Pedro Sánchez nebenberuflich auf den Thron im Palacio de la Zarzuela in Madrid setzt? Darüber rätselt gerade Spanien. Denn die nicht mit übermäßiger Intelligenz gesegnete Apple-Assistentin lieferte auf die Frage "Siri, wer ist König von Spanien?" bis zum Wochenende für spanische Nutzer diese Information: "Die Antwort ist Felipe VI. und Pedro Sánchez."

Bei Felipe VI., der 2014 die Nachfolge seines Vaters Juan Carlos I. antrat, liegt Siri richtig. Der Ministerpräsident wusste dagegen bisher nichts von seiner Beförderung zum Monarchen. In Spanien sorgte Apples Zweitkönig für Proteste, Staunen und Amüsement. "Heilige Mutter Gottes, Siri behauptet das ja wirklich", wunderte sich Twitter. Mittlerweile hat Apple Pedro Sánchez wieder zum handelsüblichen und normalsterblichen Ministerpräsidenten degradiert. Und Siri wird hoffentlich zur Royals-Schulung bei der Gala abkommandiert.

Opera: Vorwürfe wegen Kreditwucher

Nachdem 1997 der erste Opera auf den Markt kam, galt der norwegische Browser lange Jahre als datenschutzfreundliche und politisch korrekte Alternative zu Google. Seit der Übernahme durch das chinesische Konsortium Golden Brick Silk Road im Jahr 2017 sind hier große Zweifel angebracht. Seither ist der Marktanteil von Opera um weitere 30 Prozent gesunken. Und auf der Suche nach frischen Einnahmequellen setzen die neuen Besitzer offenbar auf Wucherkredite. Die Analysten von Hindenburg Research aus den USA erheben in einer Studie nun schwere Vorwürfe. Wie der Standard aus Österreich berichtet, betreibt Opera im Google Play Store mehrere dubiose Kredit-Apps wie OKash, OPay oder OPesa.

Sie richten sich an Nutzer in Kenia, Nigeria oder Indien. Das Geschäftsmodell lässt sich als klassischer Kreditwucher bezeichnen: Kurze Laufzeiten, extrem hohe Zinsen. In den Beschreibungen der Apps liegen die Laufzeiten zwischen 91 und 365 Tagen. Wer sich an die Anbieter wendet, erfährt aber sogar von Rückzahlungsfristen zwischen 15 und 29 Tagen – obwohl Google gar keine Laufzeiten unter 60 Tagen erlaubt. Eine der Apps nennt einen maximalen Zinssatz von 33 Prozent – der aber sogar auf 438 Prozent ansteigen kann. Nutzern, die die Rückzahlung nur um einen Tag versäumen, drohen sogar 876 Prozent Zinsen. Weil sich die Apps Zugriff auf das Adressbuch verschaffen, werden bei verspäteter Rückzahlung offenbar Freunde und Familie über den Verzug informiert, um den Druck zu erhöhen. Opera nimmt bisher keine Stellung zu den Vorwürfen. Nachdem Google nun eine erste Kredit-App gesperrt hat, rechnet Hindenburg Research mittelfristig mit dem Aus des Browser-Pioniers.

Das Phantom, der Opera: Mit solchen dubiosen Kredit-Apps will der Browserhersteller Geld verdienen.

Samsung wechselt seinen Smartphone-Chef aus

Sie liebten den DJ. Seit Ende 2015 hat Samsungs Mobilfunkchef Koh Dong-jin, der im Westen unter dem musikalischen Namen DJ Koh bekannt ist, den koreanischen Konzern an der Spitze der weltweiten Smartphone-Hersteller gehalten. Getrübt war seine Amtszeit allerdings von den Skandalen um explodierende Akkus im Galaxy Note 7 und um das missratene Falt-Handy Galaxy Fold, bei dem Samsung bei der Entwicklungszeit zu knickrig war. Nun muss DJ Koh seinen Posten räumen. Er übernimmt laut AndroidPit hausintern die Leitung der IT- und Mobiltechnik.

Neuer Vorsitzender der Mobilfunksparte ist der 51-Jährige Roh Tae Moon, der bisher Forschungschef bei Samsung Mobile war. In dieser Rolle galt er als einer der wichtigsten Entwickler der Galaxy-Baureihe, die dem iPhone seit 2009 zusetzt. Obwohl Samsung auch im dritten Quartal 2019 mit einem Marktanteil von rund 21 Prozent größter Smartphone-Hersteller der Welt war, geraten die Koreaner vor allem durch chinesische Konkurrenten wie Huawei oder Xiaomi immer stärker unter Druck. Hier soll Roh Tae Moon offenbar neue Akzente setzen. Die Umbenennung des anstehenden Galaxy S11 in das prägnantere S20 war wohl bereits einer der Vorboten. Die Präsentation des neuen Flaggschiffs am 11. Februar wird nun um so spannender.

Undercover Boss: Außerhalb Koreas ist Samsungs neuer Mobilfunkchef Roh Tae Moon bisher wenig bekannt.

Amazon muss Lebensmittel genauer auszeichnen

Niederlage für Amazon vor dem Landgericht München: Der Onlinehändler muss die Herkunft von Obst und Gemüse in seinem Online-Supermarkt Amazon Fresh genauer angeben. Die Verbraucherschützer von Foodwatch hatten Amazon verklagt, weil der US-Multi bei den Herkunftsangaben von Weintrauben, Kopfsalaten oder Tomaten bis zu 13 Länder nannte. Amazon war damit bei der Logistik flexibler und konnte Kunden Ware aus allen genannten Ländern liefern. Für die Käufer, so ekitchen.de, war deshalb allerdings unklar, woher ihre Bestellungen stammen.

Laut LG München handelte es sich dabei um einen "klaren Verstoß gegen europäisches Recht". Die Verpflichtung von Lebensmittelhändlern, bei frischem Obst und Gemüse genaue Herkunftsangaben zu machen, gilt demnach auch im Internet. Amazon muss seine Auszeichnungen ändern, und Foodwatch appelliert an die Bundesregierung, den Online-Verkauf von Lebensmitteln genauer zu kontrollieren. Luise Molling von Foodwatch: "Gesetzliche Kennzeichnungspflichten gelten nicht nur für den Supermarkt um die Ecke, sondern auch für Big Player aus dem Silicon Valley." Von Amazon selbst heißt es dazu in einer Stellungnahme: "Wir informieren Kunden bei Amazon Fresh transparent, übersichtlich und so konkret wie möglich über die Herkunftsländer der angebotenen Produkte. Bei ausgewählten internationalen Produkten im Bereich frisches Obst und Gemüse können bis zu drei mögliche Ursprungsländer angegeben sein, da zum Zeitpunkt einer Kundenbestellung nicht immer feststeht, aus welcher Liefercharge die Bestellung kommt. Gemäß gesetzlicher Vorgaben sieht der Kunde bei der Lieferung das Herkunftsland der Ware auf der Verpackung. Wir prüfen nun das Urteil, bevor wir über mögliche weitere Schritte in dieser Sache entscheiden."

 

Grün ist die Hoffnung, dass Amazon Lebensmittel wie Gurken künftig genauer auszeichnet.

Nintendo: Mädchen mit Handicap spielt Zelda

Das herzergreifendste und fröhlichste Twitter-Video der Woche kommt von der englischen Kanalinsel Jersey. Dort hat IT-Trainer Rory Steel seiner Tochter Ava einen Controller gebastelt, mit dem das motorisch eingeschränkte Mädchen nun ebenso wie seine Freundinnen und Freunde Nintendos "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" auf der Switch spielen kann. Basis des Eigenbaus ist Microsofts Xbox Adaptive Controller, der sich exakt auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicaps anpassen lässt.

Für diese vorbildlich inklusive Lösung hat Microsoft schon jede Menge Lob und Preise eingeheimst. Das Problem: Der Xbox Adaptive Controller funktioniert naturgemäß nur mit der Xbox – aber nicht mit der Switch. Technikexperte und Papa Rory Steel hat das Problem nun gelöst, und den Controller für die Switch umgebaut. Zur Belohnung gibt es 1,4 Millionen Video-Aufrufe bei Twitter – und vor allem ein hinreißendes Lachen seiner Ava.


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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