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Technik-Kolumne
TechTäglich: Telegram-Bot zieht Frauen aus

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit dem Telegram-Bot, der künstliche Nacktfotos erstellt, und Spotify auf der Apple Watch.

Text: W&V Redaktion

5. November 2020

TechTäglich ist die Technik-Kolumne von W&V.
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Telegram-Bot zieht Frauen aus

Telegram gerät erneut in Verruf: Der Messenger gilt schon länger als Tummelplatz rechter Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker, angeführt von dem Koch Attila Hildmann. Wie Technology Review in seiner heute neu erscheinenden Ausgabe berichtet, hat die Cybersicherheits-Firma Sensity AI bei Untersuchungen von Telegram einen populären Bot entdeckt, der Fotos bekleideter Frauen und Mädchen in ein künstlich generiertes Nacktfoto umwandelt. Dabei tauscht die KI die Kleidungsstücke gegen "hochrealistische nackte Körper". Laut dem Bericht wird der Bot bereits seit 1. Juli 2019 auf sieben Telegram-Kanälen betrieben. Der größte Kanal soll 45.000 Mitglieder haben, die für die entsprechenden Bilder zahlungswillig sind. Allein im Juli dieses Jahres seien 100.000 Frauen entkleidet worden. Der Bot arbeitet kostenlos. Die KI erstellt das Nude Pic innerhalb von einer Minute. Die Betreiber verdienen daran, dass sich das Wasserzeichen des Nacktfotos kostenpflichtig für 100 Rubel (umgerechnet 1,11 Euro) entfernen lässt. Die meisten Frauen auf den Fotos sind laut dem Bericht "wahrscheinlich ahnungslos". Mit Männer-Fotos funktioniert der Bot nicht. Technology Review zitiert Giorgio Patrini, den Chef von Sensity AI: "Normalerweise sind es junge Mädchen. Leider einige auch ganz offensichtlich minderjährige." 70 Prozent der User stammen offenbar aus russischsprachigen Ländern, die Opfer finden sich unter anderem "in Argentinien, Italien, Russland und den USA". Viele Nutzer hätten die eingereichten Fotos auf Instagram geladen. Etliche User und deren Opfer sollen sich aber auch persönlich kennen. Der Bot soll Teil eines großen Systems mit 380 Seiten mit ähnlichen Porno-Deepfake-Angeboten sein. Schon 2019 hatte das Onlinemagazin Vice eine Porno-Deepfake-App ("DeepNude") enttarnt. Offenbar arbeiten die Bot-Betreiber auch daran, die KI auf Videos anzuwenden. Die Sicherheitsforscher haben FBI und Telegram umgehend informiert. Laut den Forschern hätten die Hinweise bisher aber "keine spürbaren Auswirkungen" nach sich gezogen: "Tatsächlich sind unsere Daten nur die Spitze des Eisbergs." Der Bot ist weiterhin erreichbar. Leicht, wie die Forscher zugeben müssen.

Beispiel: BR-Video ("Selbstversuch Deep Fake")

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Spotify endlich auf der Apple Watch

Apple schränkt sein Ökosystem an vielen Stellen gern mal ein: So war es lange Zeit nur möglich, eigenständig über LTE (ohne das iPhone in der Hosentasche) Apple Music auf die Uhr bzw. auf die Ohren zu streamen. Jetzt öffnet sich der Konzern für Spotify: Auf diese Weise können erstmals Musik und Podcasts über WLAN bzw. mobil über den eSIM-Tarif der Apple Watch angehört werden – das iPhone darf daheim bleiben. Zwar gab es zuvor bereits eine Version von Spotify für die Apple Watch, aber die eigenständige Nutzung ohne iPhone ist neu und erleichtert das Joggen zu Spotify-Playlists oder Podcasts unterwegs ungemein. Spotify deklariert die neue Funktion als Beta und gibt an, sie per Rollout in den nächsten Wochen für immer mehr Spotify-Hörer bereitzustellen. "Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Erfahrungen, mit denen Benutzer Spotify hören können, wo und wann immer sie möchten – unabhängig vom Gerät oder der Plattform. Nach einer ersten Testphase führen wir jetzt Streaming-Funktionen für Spotify auf der Apple Watch ein", erklärte ein Sprecher von Spotify.  

So präsentiert sich der Spotify-Startscreen auf der Apple Watch

Xiaomi soll bei Werbung schummeln

WATT is datt denn? Der chinesische Anbieter Xiaomi trickst ganz offensichtlich bei einer neuen PR-Aktion. Für das Smartphone Mi 10 Ultra wirbt der Konzern damit, dass es sich mit blitzschnellen 120 Watt über das mitgelieferte Netzteil aufladen lässt. Das Portal Android Authority war angesichts der Schnellladefunktion überrascht und hat die Angaben überprüft. Siehe da: Das Mi 10 Ultra lädt nur mit 90 statt 120 Watt. Und auch das nur kurz beim Start, danach fällt die Ladeleistung auf knapp unter 80 Watt ab. Möglicher Grund, warum die Chinesen für 120 Watt trommeln: Das Gerät besitzt ein Display mit 120 Hz und die Kamera ist mit einem 120-fachen Zoom ausgestattet. Da könnte es sich einfach angeboten haben, für den Gleichklang statt 80 die 120 Watt anzugeben. Unterm Strich gilt das Mi 10 Ultra dennoch als extrem schnell aufladbar: Es benötigt nur 30 Minuten, um vom Leerstand auf 100 Prozent zu kommen – immerhin.

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Erste Erotik-Influencer-Universität eröffnet

Keine Online-Kenntnisse – und dennoch träumen viele von einer Karriere als Internet-Star, indem intime Einblicke gewährt und monetarisiert werden. FanCentro hat dafür jetzt die "erste Inflluencer-Universität" gegründet. Die Centro University soll "alles notwendige Know-How für den erotischen Online-Erfolg" vermitteln.

Auf FanCentro.com werden Online-Seminare und Weiterbildungen für angehende Erotik-Stars und -Sternchen angeboten. Die Profis zeigen dabei, wie eine Marke auf- und ausgebaut wird. Weitere Lernschwerpunkte: Produktion von Clips und Fotos, Buchhaltung und, das Wichtigste für Influencer, Selbstdarstellung. Geleitet werden die Kurse von Online-Erotik-Profis. Die Angebote sind kostenlos und tun gerade in Coronazeiten ohne Besuche von Bordellen und aufgrund von Drehverboten für Sexfilmchen neue Geschäftsfelder auf. Die Produzenten bestimmen, was User zahlen. FanCentro spricht von "selbstbestimmter Social Media in Reinform".

Als Markenbotschafterin wurde Just Lucy, eine der bekanntesten Erotikdarstellerinnen Deutschlands, verpflichtet.

Just Lucy führt Interessenten in die Geheimnisse von Erotic Social Media ein.

 

Apple singt nicht mehr das hohe (5)C

Apple hat das erste quietschbunte iPhone, im Jahr 2013 mit großer Kampagne gelauncht, jetzt zum "Vintage"-Produkt erklärt. Das Hohelied des 5C wird in Cupertino nicht mehr gesungen. Für Vintage-Produkte werden offiziell keine oder nur eingeschränkte Serviceleistungen angeboten. Reparaturen und Co. sind dann nicht mehr direkt bei Apple möglich bzw. nur noch in Ausnahmefällen. Es fehlen schlichtweg nach sieben Jahren spezielle Ersatzteile. 2015 hatte Apple den Verkauf des 5C wieder eingestellt. Die komplette Liste aller angekündigten Vintage-Produkte von Apple lässt sich hier einsehen.

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Damit wünsche ich einen ungekündigten Donnerstag. Bis morgen bei TechTäglich.


Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.

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