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Tech-Kolumne
TechTäglich: WHO empfiehlt Videospiele

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit einer offiziellen FIFA-20-Empfehlung und einem Aprilscherz-Verbot von Google.

Text: W&V Redaktion

30. März 2020

TechTäglich - die Tech-Kolumne von W&V.
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WHO empfiehlt erstmals Videospiele

Die Menschen sollen "FIFA 20" oder "Fortnite Battle Royale" spielen, damit sie gesund bleiben. Das empfiehlt jetzt erstmals die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die UN-Behörde hat gemeinsam mit zahlreichen Vertretern der Spieleindustrie die Aktion #PlayApartTogether gestartet: "Spielt zusammen, auch wenn Ihr voneinander getrennt seid." Sie wirbt dafür, dass Menschen zuhause bleiben und "Social Distancing" praktizieren, dort aber mit Online-Videospielen Kontakt halten und gemeinsam zocken. Das berichtet DigitalTrends.

Einige der größten Spielehersteller der Welt beteiligen sich an der Aktion, die Umsatzzahlen und Image sicherlich nicht schadet. Bobby Kotick, Chef von Activision Blizzard ("Call of Duty"): "Es war noch nie so wichtig, dass Menschen auf sichere Art und Weise miteinander verbunden bleiben. Spiele sind hier die perfekte Plattform." Nicolo Laurent, CEO von Riot Games ("League of Legends") ergänzt: "Wenn man sich nicht treffen kann, muss das noch längst keine soziale Isolation bedeuten." Die Aktion #PlayApartTogether bedeutet eine bemerkenswerte Kehrtwende für die WHO, deren Experten Videospiele jahrelang wegen Suchtgefahren und wegen angeblicher negativer mentaler und körperlicher Auswirkungen auf die Spieler als Gesundheitsrisiko betrachtet haben.

„Stay home… and Play“ – das war das Motto der virtuellen „Bundesliga Home Challenge“ am vergangenen Wochenende.

Apple mit Infoseite und App zu Corona

Apple hat eine App und eine Website zum Thema Covid-19 veröffentlicht. Die Informationsangebote, die momentan nur auf Englisch verfügbar sind, sind gemeinsam mit der US-Regierung und mit den Gesundheits- und Notfallbehörden CDC und FEMA entstanden. Sie bieten aktuelle Informationen zum Coronavirus, Tipps zum "Social Distancing" und einen Selbsttest, um das eigene aktuelle Corona-Risiko abschätzen zu können. Nutzer geben in einem Fragebogen Symptome und eigene Risikofaktoren ein, und erhalten dann eine – natürlich nicht verbindliche – Einschätzung ihrer aktuellen Gefahrenlage. Dazu zählt auch die Empfehlung, ob ein Covid-19-Test angebracht wäre.

Laut Apple sollen die neuen Tools den Menschen dabei helfen, "informiert zu bleiben und die richtigen Maßnahmen zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit zu treffen". Für die Nutzung ist keine Anmeldung erforderlich. Und Apple versichert, dass es die Angaben selbst nicht erhält und auch nicht weitergeben kann. Auch Siri liefert in den von Corona immer stärker betroffenen USA mittlerweile Informationen zur Pandemie. Auf die Frage "Siri, woher weiß ich, dass ich Corona habe?" bietet Apples Sprachassistentin einen Fragebogen und weiterführende Links an.

Hilfe zur Erkennung einer möglichen Infektion und Tipps zum „Social Distancing“ – das sind zwei der Inhalte von Apples Corona-App.

Google streicht Aprilscherze

Schluss mit lustig! Google verzichtet angesichts der Corona-Krise dieses Jahr auf seine berühmt-berüchtigten Aprilscherze, die sich in den letzten Jahren in praktisch allen Google-Produkten breitgemacht hatten. Gags wie ein Snake-Spiel in Google Maps oder eine spiegelverkehrte Suchseite fallen dieses Jahr am 1. April aus. Marketingchefin Lorraine Twohill erklärt das Scherzverbot in einer internen E-Mail so: "Aus Respekt vor allen, die gegen die Covid-19-Pandemie kämpfen, werden wir die Tradition für dieses Jahr aussetzen. Unser oberstes Ziel ist es jetzt, den Menschen zu helfen. Also sparen wir uns die Witze für den nächsten April, der zweifellos viel heller sein wird als dieser."

Restlos sicher ist sich die Marketingchefin nicht, dass im weit verzweigten Google-Konzern nicht doch noch der eine oder andere Aprilscherz in der Mache ist. Sie bittet die Mitarbeiter deshalb dringend: "Es kann sein, dass es immer noch kleinere Projekte in Teams gibt, von denen wir gar nichts wissen. Bitte stellt diese Pläne ein!" Das Tech-Magazin The Verge fordert andere Firmen auf, Googles Vorbild zu folgen: "Es gibt die richtigen Zeiten und Orte für gute Witze – aber momentan sind sie wirklich unpassend."

Das Snake-Spiel auf Maps-Landkarten – einer von Googles Aprilscherzen aus den letzten Jahren.

Warentest: Sony schlägt AirPods Pro

Auch in Videochats und Skype-Konferenzen sind sie derzeit überall zu sehen – Apples AirPods, die allgegenwärtigen weißen Ohrstöpsel, die sich nicht nur zum Musikhören eignen, sondern auch zum Telefonieren. Rund 60 Millionen Stück hat Apple allein 2019 verkauft. Das letztes Jahr erschienene Spitzenmodell AirPods Pro (279 Euro) konnte bei Warentest jetzt allerdings keinen Sieg landen. In der Kategorie "mit aktiver Geräuschreduktion" fanden die Tester zwar viel Lob für Klang (Note 1,9), Geräuschunterdrückung (1,4) und Komfort/Bedienung (2,1) der AirPods Pro. Mit der guten Gesamtnote 2,0 mussten sich die Apple-Stöpsel dennoch den deutlich günstigeren Sony WF-1000XM3 (190 Euro) geschlagen geben, die auf Note 1,8 kamen.

Bei Ton und Geräuschunterdrückung liegen Sony und Apple annähernd gleichauf. Den Testsieg vergaben die AirPods Pro mit Note 3,0 in der Kategorie "Bluetooth". Eine Erklärung hierfür liefern die Tester nicht. Womöglich waren sie unzufrieden, dass sich die Ohrstöpsel zwar mit Apple-Hardware extrem einfach verbinden lassen, dass das bei Android und anderen Geräten aber nicht ganz so mühelos funktioniert. Bei den Ohrstöpseln ohne aktive Geräuschreduktion siegten die günstigen JBL Reflect Flow (125 Euro) mit Top-Note 1,7. Apples Standard-AirPods (140 Euro) landeten mit Note 2,1 im breiten Verfolgerfeld.

Hört hört! Die Sony WF-1000XM3 schlagen im Warentest Apples AirPods Pro.

Donald Trump feiert Corona-Einschaltquoten

Tausende von US-Amerikanern sterben am Coronavirus – doch Präsident Donald Trump feiert gleich in mehreren Tweets die Einschaltquoten seiner täglichen Corona-Infoshow im Weißen Haus. Am Sonntag zitierte er aktuelle Berichte zu TV-Quoten und jubelte: "Präsident Trump ist ein Quotenrenner. Seit das tägliche Briefing im Weißen Haus mit Updates zu Corona stattfindet, schauten im Kabelfernsehen durchschnittlich 8,5 Millionen Menschen zu. Das entspricht der Zuschauerzahl des Staffelfinales des ‚Bachelor‘, und die Zahlen steigen weiter."

Ein Präsident, der sich in der wohl größten Krise seines Landes seit Ende des Zweiten Weltkriegs an seinen eigenen Einschaltquoten berauscht und sich mit dem "Bachelor" vergleicht – die Reaktionen auf die neuesten Trump-Tweets fallen verheerend aus. Sie reichen von "Oh mein Gott, er hat immer noch seine Quoten im Kopf" über "Ich dachte, das ist ein Parodie-Account" bis hin zu fassungslosem Entsetzen: "Dieser Tweet ist krank. Die einzigen Quoten, für die Sie sich jetzt interessierten sollten, sind die Zahlen, dass die USA, wegen Ihrer anfänglichen Tatenlosigkeit, jetzt Nummer 1 bei Corona ist."

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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