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Technik-Kolumne
TechTäglich: Wird iPhone-Designer Ive Ferrari-Chef?

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit einer spektakulären Personalie und mit dem ersten Blick auf 6G.

Text: W&V Redaktion

14. Dezember 2020

TechTäglich ist die Technik-Kolumne von W&V.
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Wird iPhone-Designer Jonathan Ive Ferrari-Chef?

Letzten Donnerstag erklärte Ferrari-CEO Louis C. Camilleri völlig überraschend "aus persönlichen Gründen" seinen sofortigen Rückzug beim italienischen Sportwagen-Hersteller. Die Hintergründe sind bisher unklar. Allerdings könnte der Rücktritt in Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung stehen, wegen der der 65-Jährige zuletzt im Krankenhaus behandelt werden musste. In den Spekulationen der italienischen Medien über einen Nachfolger tauchen auch zwei spektakuläre Namen aus der Tech-Szene auf: Apple-Finanzvorstand Luca Maestri und der ehemalige Apple-Chefdesigner Jonathan Ive zählen laut AppleInsider offenbar zu den Kandidaten für den Vorstandsvorsitz bei Ferrari.

Der Zusammenhang zwischen Smartphones, Computern und Sportwagen überrascht zunächst. Allerdings sieht sich Ferrari zunehmend nicht mehr als reiner Autohersteller, sondern vor allem auch als Anbieter von Luxusprodukten, zu denen Kleidung, Accessoires, Reisen und Serviceangebote für Superreiche gehören. Hier könnte Apple-Erfahrung durchaus helfen. Zudem sitzt Apples Software-Chef Eddy Cue bereits seit 2012 im Ferrari-Verwaltungsrat. Luca Maestri dürfte als Italiener ohnehin Ferrari-affin sein, zudem hat er bei General Motors Auto-Erfahrung gesammelt. Und der englische Design-Guru Sir Jonathan "Jony" Ive, der als Schöpfer von iMac, iPod und iPhone die Ästhetik des 21. Jahrhunderts wesentlich prägte, könnte Zeit für einen neuen Job haben. Denn von seiner Designagentur LoveFrom, die er 2019 nach seinem Ausscheiden bei Apple gründete, ist bisher wenig zu hören. Aber womöglich würde Ive bei Ferrari (siehe MacBook) Sportwagen bauen, die immer flacher und unpraktischer werden – bis niemand mehr einsteigen kann.

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Fußball-Superstar Griezmann stoppt Huawei-Werbung

Ein Fußballer, der moralische Verantwortung übernimmt und seine Sponsoren nicht nur nach Kontostand aussucht – das gibt es offenbar tatsächlich noch. Weltmeister Antoine Griezmann, französischer Superstar des FC Barcelona, hat jetzt seinen Werbevertrag mit dem chinesischen Tech-Konzern Huawei fristlos gekündigt. Als Begründung nennt der 29-Jährige in einem Instagram-Post die jüngsten Berichte, lautet derer Huawei dem chinesischen Regime Gesichtserkennungs-Software zur Überwachung der muslimischen Minderheit der Uiguren zur Verfügung stellt.

In dem Post, der bereits weit mehr als 700.000 Likes erhalten hat, schreibt Griezmann: "Aufgrund des starken Verdachts, dass Huawei durch den Einsatz von Gesichtserkennungs-Software zur Entwicklung eines 'Uiguren-Alarms' beigetragen hat, beende ich mit sofortiger Wirkung meine Partnerschaft mit dem Unternehmen." Huawei wies die Vorwürfe laut BBC zurück und äußerte sich "traurig" über die Entscheidung Griezmanns, der seit 2017 als Markenbotschafter tätig war. Amnesty International geht davon aus, dass in der chinesischen Region Xinjiang mehr als eine Million Uiguren und andere Vertreter muslimischer Minderheiten in Lagern interniert sind und dort „umerzogen“ und misshandelt werden.

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PlayStation 5: Warum so viele sie verkehrt aufstellen

Die PlayStation 5 verkauft sich dank leistungsstarker Technik und cleverem Verknappungs-Marketing zwar prächtig. Als Design-Meisterstück gilt die 4,5 Kilo schwere Riesenkonsole mit ihren zahlreichen Kurven und Sicken aber nicht gerade. Und das Aufstellen einer PS5 kann fast so kompliziert sein wie bei einem Billy-Regal von Ikea. Das musste nun auch Hermen Hulst erfahren, der Chef von Sonys hauseigener Spielesoftware-Abteilung PlayStation Studios. Er postete ein Twitter-Video, in dem der Fehler vieler früher PS5-Käufer zu sehen war – die Verkehrtherum-PlayStation.

Nach dem Willen von Sony soll die Konsole, wenn sie liegend platziert wird, auf einem mitgelieferten kleinen Ständer stehen, einer Art Puck. Nur: Anders herum, also mit dem Bluray-Laufwerk rechts oben, fühlt sich das Aufstellen praktischer, logischer und natürlicher an. Das sah auch Sony-Manager Hulst so. Im Twitter-Video mit seiner Katze, die Spaß am PS5-Spiel „Bugsnax“ hat, war die umgedrehte PlayStation zu sehen. Kurz darauf setzte es offenbar einen Rüffel von Sony. Jedenfalls löschte Hulst das Video – und postete eine neue Version, bei der die PlayStation 5 unter dem Fernseher abgeschnitten ist. Sein Pech, so das Spielemagazin Kotaku: Natürlich schwirren längst Bildschirmfotos seiner Upside-Down-Konsole durchs Netz.

Aufstellungs-Anleitung für die PlayStation 5.

6G: Mobilfunk mit dem sechsten Sinn

Der neue 5G-Mobilfunk kommt in Deutschland und auch weltweit gerade erst in Schwung. In den nächsten Jahren soll die Technik noch drastisch schneller und leistungsfähiger werden. Trotzdem laufen bereits die Vorbereitungen für den Nachfolger 6G, der um das Jahr 2030 herum starten könnte. Das entspricht dem üblichen Zyklus der Mobilfunkbranche. Denn auch von 4G/LTE bis zu 5G dauerte es rund zehn Jahre, von 2010 bis 2020. Die EU-Kommission hat jetzt den finnischen Netzwerkausrüster Nokia federführend mit dem Projekt "Hexa-X" beauftragt, mit dem Europa zum Vorreiter in Sachen 6G werden soll.

In Nokias Forschungsabteilung, den "Bell Labs", arbeiten Entwickler und Ingenieure ab 1. Januar 2021 nun zweieinhalb Jahre lang an den Grundlagen von 6G. Nokia-Projektmanager Peter Vetter erklärt die Zielrichtung in einer Pressemitteilung so: "In der 6G-Ära werden wir Anwendungen sehen, die nicht nur Menschen mit Maschinen, sondern auch Menschen mit der digitalen Welt verbinden. Eine solche sichere und private Verbindung kann für die Gesundheitsvorsorge genutzt werden, oder sogar ein 6G-Netzwerk mit einem sechsten Sinn schaffen, der intuitiv unsere Absichten versteht." Dank künstlicher Intelligenz soll 6G also nicht mehr auf Eingaben seiner Nutzer angewiesen sein – sondern Wünsche und Befehle selbstständig erkennen und umsetzen. Zu den weiteren Zielen zählen maximale Sicherheit gegen Hackerangriffe, extrem niedriger Energieverbrauch – und wie immer noch höhere Geschwindigkeiten.

 

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Cyberpunk-Desaster: Entwickler erhalten trotzdem volle Prämien

"Cyberpunk 2077", das meisterwartete Videospiel seit Langem, hat nach seiner Veröffentlichung letzten Donnerstag einen überaus gemischten Start hingelegt. Während die PC-Version bereits einen recht stabilen Eindruck macht und viele Fans und Kritiker durchaus begeistert, gilt das Endzeit-Rollenspiel auf PlayStation 4 und Xbox One als teilweise unspielbar. Hier rächt sich, dass der polnische Entwickler CD Projekt Red sein millionenschweres Projekt nach achtjähriger Arbeit unbedingt noch vor Weihnachten auf den Markt bringen wollte. Auf den Konsolen strotzt Cyberpunk dermaßen vor Bugs, dass die katastrophalen Wertungen bei Metacritic derzeit bei 28 von 100 Punkten für die PlayStation 4 liegen, und bei 37 für die Xbox One. Zu den Problemen zählen laut Standard neben Abstürzen extrem schwankende Bildraten, zu langsames Nachladen von Texturen und verhaltensauffällige Computer-Charaktere.

Mittlerweile hat CD Projekt Red Aktualisierungen veröffentlicht, die unter anderem die Epilepsie-Gefahr für gefährdete Spieler verringern sollen. Der Firmenleitung des polnischen Studios ist die überhastete Einführung vor allem der Konsolenversionen offenbar durchaus bewusst. Sie hatte Bonuszahlungen an die Entwickler unter anderem an eine 90-Punkte-Wertung bei Metacritic gekoppelt. Während die PC-Version momentan genau an dieser Grenze liegt, sind die Konsolen-Ausgaben meilenweit davon entfernt. Weil die Entwickler die Vorgaben aufgrund des Zeitdrucks trotz zahlloser seit 2018 geleisteter Überstunden praktisch nicht erfüllen konnten, erhalten sie ihre Prämien laut Bloomberg nun trotzdem in voller Höhe. In einer internen Mail von Kreativchef Adam Badowski heißt es: "Wir haben den Aufwand und die Komplexität unterschätzt, die mit der Umsetzung verbunden waren. Und trotzdem habt Ihr alles dafür getan, um ein ehrgeiziges, besonderes Spiel zu liefern."

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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