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Wa(h)re Liebe
Tinder lässt Über-30-Jährige mehr bezahlen

Menschen über 30, die auf der Suche nach einem neuen Partner sind, müssen bei Tinder tiefer in die Tasche greifen als jüngere Nutzer. Die Preise für Premium-Services liegen teilweise 100 Prozent höher.

Text: Anonymous User

13. August 2020

Je älter man ist, desto teurer werden die Premium-Services von Tinder.
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Schon einmal stand Tinder wegen Altersdiskriminierung in Kalifornien vor Gericht. Damals akzeptierte die mobile Partnervermittlung einen Vergleich in Höhe von 23 Millionen Dollar, weil Nutzer über 29 Jahren für ein Tinder-Abo doppelt so viel bezahlen mussten wie jüngere Leute.

Jetzt schwappt der Streit nach Australien. Die Verbraucherorganisation Choice legte bei der nationalen Verbraucherkommission ACCC eine offizielle Beschwerde ein, nachdem eine Mystery-Shopper-Umfrage ergeben hatte, dass die Preise für ein einmonatiges Abonnement von Tinder Plus ohne ersichtlichen Grund zwischen 6,99 und 34,00 australischen Dollar schwanken.

Herausgekommen ist die variable Preisgestaltung bei Gesprächen unter Freunden. Dabei stellte sich heraus, dass alle Nutzer unterschiedliche Preise bezahlen. Als Choice die Daten miteinander verglich, zeigte sich, dass ein Faktor zur Preisbestimmung ist, ob ein Tinder-Nutzer älter als 30 ist. So musste ein heterosexueller Mann über 50 aus einem U-Bahn-Gebiet den Höchstpreis von 34 australischen Dollar bezahlen, während eine lesbische Frau unter 30 aus derselben Region mit 6,99 australischen Dollar zur Kasse gebeten wurde. Ein Hetero unter 30 Jahren aus einer ländlichen Region hatte zwischen 13,82 und 16,71 australische Dollar zu bezahlen.

Ü30-Lover werden gesondert zur Kasse gebeten

Insgesamt war der Preis für über 30-Jährige im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittspreis für unter 30-Jährige.  "Aus unserem Mystery-Shopping-Test wissen wir, dass Tinder das Alter für die Festlegung unterschiedlicher Preise verwendet. Aber selbst innerhalb der Altersgruppen sahen wir eine Preisspanne, was zeigt, dass noch andere Faktoren im Spiel sind, die Tinder noch nicht erklärt hat", sagte Erin Turner, die Direktorin von Choice in einer Erklärung. Doch ohne zu wissen, welche Faktoren die Preise beeinflussen, könne man nicht beurteilen, ob Tinder ungerechtfertigterweise diskriminierend ist.

Das Online-Portal Mashable wandte sich an Tinder in Australien und fragte nach, welche anderen Märkte einer dynamischen oder mehrstufigen Preisgestaltung unterliegen, ob die Stufen so charakterisiert sind, dass jüngere Nutzer einen Rabatt oder ältere Nutzer einen Aufschlag erhalten, welche Faktoren zur Preisgestaltung herangezogen werden und welche Transparenzmaßnahmen vorhanden sind, damit die Nutzer sehen können, wo ihr Preis im Vergleich zu anderen Nutzern liegt. Allerdings gab Tinder darauf keine dezidierte Antwort. Das offizielle Statement eines Tinder-Sprechers lautete: "Die Nutzung von Tinder ist kostenlos, und die überwiegende Mehrheit unserer Mitglieder genießt unsere App, ohne auf die kostenpflichtige Erfahrung aufzurüsten. Wir bieten jedoch eine Vielzahl von Abonnement-Optionen und kostenpflichtige Funktionen a la carte an, die unseren Mitgliedern helfen sollen, sich von anderen abzuheben und effizienter mit neuen Leuten zusammenzukommen. Tinder betreibt ein globales Geschäft, und unsere Preisgestaltung variiert durch eine Reihe von Faktoren. Wir bieten häufig Sonderpreise an, die je nach Region, Dauer des Abonnements, Paketgröße und mehr variieren können. Außerdem testen wir regelmäßig neue Funktionen und Zahlungsoptionen".

Choice hingegen weist darauf hin, dass Tinder auch die persönlichen Daten, die die Nutzer zur Erstellung eines Dating-Profils von sich preisgeben, nutzt, um auch intransparente, maßgeschneiderte Preise für Personen festzulegen, von denen Tinder glaubt, dass sie mehr bezahlen werden. In den Nutzungsbedingungen heißt es, persönliche Informationen würden verwendet werden, um Rabatte anzubieten. 


Autor: W&V Redaktion

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