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Augmented Reality
AR: Sechs Gründe für den Durchbruch

Augmented Reality geistert schon länger durch die Technologie-Landschaft, kam jedoch nie richtig aus der Experimentierphase heraus. Aktuell sind aber vielversprechende Ideen am Start, die neue Gestaltungsmöglichkeiten verheißen.

Text: W&V Redaktion

14. Januar 2019

Designer sollen mit Project Aero in vertrauten Tools wie Photoshop arbeiten können
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Augmented Reality gibt es schon eine ganze Weile, wie auch Apples Entwicklungsumgebung AR Kit. Da der große Durchbruch für beide noch auf sich warten lässt, ist Skepsis nicht unangebracht, wenn man von AR als Vehikel für Design und Marketing spricht. Doch dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, machte die Keynote auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC klar, wo mit AR Kit 2 nicht nur ein großes Update vorgestellt, sondern mit iOS 12 eine wichtige Basis gelegt wurde, damit AR-Anwendungen künftig so einfach genutzt und geteilt werden können, wie bisher Grafiken und Videos. 

Apple ist als Vorreiter bei vielen Technologien bekannt – und könnte damit der Wegbereiter werden, der für den Durchbruch von Augmented Reality-Anwendungen heraus aus dem Experimentierstadium zur breiten Masse sorgt. Wir zeigen sechs Gründe, warum AR diesmal vor dem Durchbruch steht. 

1. Ein neues Dateiformat als "PDF des AR"

Apples VP AR Mike Rockwell von Apple erklärt in einer Talk-Show, die es als Livestream vom WWDC gab: "AR gibt es schon eine ganze Weile, in Universitäten schon über eine Dekade. Mit AR Kit wurde AR für viele verfügbar. Was aber immer noch eine Herausforderung war, war die Vielzahl von Dateiformaten in der 3D-Welt", so Rockwell. Die Antwort darauf ist ein neues Dateiformat namens USDZ, das auf USD (Universal Scene Description, das "Z" steht für "ZIP") basiert, dass Apple zusammen mit den 3D-Experten von Pixar und Adobe entwickelt hat. USDZ ist wie eine ZIP-Datei gepackt und optimiert fürs Teilen, dabei kompakt und kann 3D-Grafiken in hoher Qualität als Standbilder oder Animationen enthalten.

2. AR wird für den Anwender einfach

USDZ kann überall in iOS 12 auftauchen: Im Messenger, Safari, der Dateien-App oder als Anhang in Mail. So können 3D-Objekte in der realen Welt platziert werden und so einfach wie Grafiken geteilt werden. Die neuen Features nennt Apple "AR Quicklook" und soll es Entwicklern einfach machen, AR-Erlebnisse mit 3D-Objekten im System bereit zu stellen. "Wir wollen, dass Entwickler es einfach haben, Inhalte für AR zu erstellen. Deswegen haben wir mit den Marktführern im Kreativbereich zusammen gearbeitet", so Apple Senior Vice President Craig  Federighi. Dabei sei die Zusammenarbeit bei USDZ und AR Kit mit Adobe sehr eng gewesen.

3. Einfaches Design mit vertrauten Tools 

Abhay Parasnis, Executive Vice President und CTO von Adobe, unterstrich in der WWDC-Keynote dass Apple mit AR Kit die bei weitem stärkste Plattform für AR im Portfolio habe. Gleichzeitig kündigte der CTO USDZ-Unterstützung für Creative Cloud an. "Mit Creative Cloud können Entwickler und Designer ihre vertrauten Tools wie Photoshop und Dimension verwenden, um AR-Erlebnisse zu gestalten", so Parasnis. Um die einfache Auslieferung ans System kümmere sich dann USDZ. 

Neben dem USDZ-Support in Creative Cloud kündigte Adobe eine neue AR-Software für Designer mit dem Arbeitstitel Project Aero an. Ein Trailer zeigt, wie die Zukunft des AR-Designs aussehen wird. Ein Designer bearbeitet 3D-Modelle in Photoshop CC und dem einfach bedienbaren 3D-Programm Dimension CC und exportiert es als USDZ. Danach kann er sein 3D-Modell direkt auf dem iPad in AR-Kit öffnen und animieren. Beim Abspielen wird es direkt mit der Realität, die aus der iPad-Kamera kommt kombiniert. Die finale Applikation kann in iOS per Messenger verschickt und vom Empfänger betrachtet werden. Der Trailer zeigt: Das Gestalten von Projekten und das Konsumieren wird so einfach und intuitiv wie das Gestalten und konsumieren von Videos. 

4. Riesiges Potenzial für immersive Erlebnisse

Mit AR können digitale Erlebnisse sich nicht mehr nur auf den begrenzten Raum in Telefonen, Laptops und TV-Bildschirmen beschränken, sondern mit der Umgebung interagieren. In Hamburg betonte der Visionär und Behance-Gründer Scott Belsky auf dem Event "The Future of Design" noch einmal mit Nachdruck die Wichtigkeit von AR. "AR wird die Art wie wir leben und Arbeiten komplett verändern", ist sich Belsky sicher. Belsky nannte als Beispiel Lernprogramme in der eine virtuelle Person erklären kann wie Dinge funktionieren. "Es ist brandneue Technologie, wir machen mit Project Aero die einfacheren Workflows für Designer verfügbar", so Belsky. 

Wie es aussieht, zeigte ein Demo auf der Adobe MAX in Los Angeles: In Project Aero können Designer Photoshop-Dateien mit Ebenen einfach öffnen. Dann ist es für den Betrachter zum Beispiel möglich, interaktiv in 3D durch eine Photoshop-Datei zu fliegen.

 

Photoshop-Ebenen können leicht in 3D-Welten verwandelt werden

5. Erste Demos zeigen: AR kann verkaufen

Wie AR Verkaufsräume digital interaktiver gestalten kann, zeigte das Demo auf der Adobe MAX mit einem Verkaufsraum von Adidas. Der Kunde kann mit einem iPad einen virtuellen Schuh auf das Regal stellen und in verschiedenen Materialien und Farben in 3D betrachten. Tippt der Kunde den Schuh an, kann er animiert Zusatzinformationen über die Funktionen der Sohle und des Außenmaterials gezeigt bekommen. "Jedes Produkt hat eine Geschichte zu erzählen", kommentierte Abhay Parasnis. Die AR-Anwendungen können nach der Gestaltung einfach per Webbrowser dem Kunden gezeigt werden.

Verkaufsräume können sehr einfach Produktvarianten erlebbar machen.

 

Auch Apple hat eine Website zum Thema AR in iOS eingerichtet. Die Möglichkeiten sind für alle möglichen Produkte enorm – vom virtuellen Ikea-Katalog mit Einrichtungsberater bis hin zum Tutorial für erklärungsbedürftige Produkte. "Ich bin mir sicher es wird uns überraschen was dabei heraus kommt", prognostizierte Scott Belsky in Hamburg.

6. 5G sorgt für die Performance

Mit 5G steht die nächste Ausbaustufe nach LTE schon in den Startlöchern. Die höhere Bandbreite wird mobil aufwendigere Content-Formate wie AR auch dort, wo kein WLAN verfügbar ist, nutzbar machen. Es wäre keine Übertreibung zu behaupten, das die Zukunft von AR und VR (Virtual Reality) auf einem zuverlässigen Netzwerk abhängt, wie ein Report von Qualcomm betont: "VR and AR brauchen einen zuverlässigen Anstieg der Kapazität im Drahtlos-Netz." Der kritische Faktor bei den virtuellen Anwendungen heißt nämlich Latenz: AR und VR machen nur Spaß, wenn sie ruckelfrei und ohne große Ladeunterbrechungen genutzt werden können – so wie es jetzt bei Livestreams unterwegs der Fall ist. Die machen auch nur dann Spaß, wenn es gerade LTE gibt.

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